“Joos van Cleve: Leonardo des Nordens” von Peter van den Brink (Hrsg.), Rezension

Der “Meister des Todes der Maria”

Umschlag_Montage_JOOS_2_Layout 1Die Bezeichnung “Meister des Todes der Maria” wurde dem Ausnahmekünstler Joos van Cleve aufgrund zweier Triptychen verliehen, deren Mittelteile den Tod der Maria darstellen.

Heutzutage ist dieser einst so bedeutende der Renaissance fast in Vergessenheit geraten. Dabei betrieb Joos van Cleve im 16. Jahrhundert die wichtigste Atelierwerkstatt in Antwerpen. Seine Werke gelangten von dort aus über die Landesgrenzen in wichtige europäische Kaufmannsfamilien, in Königshäuser und Kirchen. Über seine Biographie allerdings ist verhältnismäßig wenig bekannt: Als Joos van der Beke wurde er zwischen 1485 und 1490 geboren. Er stammte aus der Gegend von Kleve am deutschen Niederrhein. Eine weitere Spur hinterließ er als Assistent für Jan Joest, dem er bei der Arbeit an einem Hochaltar in der Nicolaikirche in Kalkar assistierte, bevor er in die Kunst- und Handelsmetropole Antwerpen ging.

Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum widmete dem “Leonardo des Nordens” eine umfangreiche monographische Ausstellung, die vom 17. März bis zum 26. Juni 2011 zu sehen war. Sie bot nicht nur einen Einblick in sein vielfältiges Œuvre, sondern auch in sein erfolgreiches Leben als Maler und Geschäftsmann. Seine Werke sind normalerweise im Musée du Louvre in Paris, in der National Gallery in London, im Museo del Prado in Madrid oder im Metropolitan Museum of Art in New York zu finden. Insgesamt 34 Museen überließen großzügig Exponate als Leihgaben. Immerhin 15 der ausgestellten Stücke stammen aus Privatbesitz. So sind mehr als 60 Werke zusammengekommen, darunter Altarstücke, Andachtsbilder und Portraits.

Joos van Cleve verbindet in seinen detailverliebten Arbeiten die Emotionalität der italienischen Renaissance mit der Genauigkeit der niederländischen Schule. Er kreierte beeindruckende Kompositionen, die an die Schöpfungen seines Vorbilds Leonardo da Vinci erinnern und ihm letztlich den Beinamen “Leonardo des Nordens” eingebracht haben. Oft hat er sich auch selbstbewusst in seinen Gemälden gleich mit verewigt, etwa in Gestalt des Heiligen Reinhold.

Dieser aufwändige Ausstellungskatalog zeigt die Bedeutung seiner Arbeit und würdigt Joos van Cleve für seine künstlerischen Kompositionen, in denen besonders der Einsatz von Farb- und Lichteffekten bemerkenswert ist. Sie verleihen seinen Werken eine verblüffende Lebendigkeit. Joos van Cleves Atelier war eine angesagte Adresse zur damaligen Zeit. Umso überraschender ist, dass Albrecht Dürer ihn innerhalb des Tagebuchs zu seiner Antwerpen-Reise nicht mit einem Wort erwähnt. Dabei scheint schwer vorstellbar, dass er Joos van Cleve, den Dekan der Malergilde, nicht getroffen haben soll.

Dan Ewing, Maria Clelia Galassi, John Oliver Hand, Micha Leeflang, Cécile Scailliérez, Alice Taatgen und Gianluca Zanelli widmen sich in ihren Essays unterschiedlich Aspekten zu Persönlichkeit und Werk dieses großen, wiederentdeckten Meisters der Renaissance. Die Bilder selbst bestechen durch eine herausragende Druckqualität. Dieses Buch ist wahrhaftig ein Fest für jeden Kunstinteressierten.

Abschließend stellt ein Katalog die wichtigsten Informationen zu den ausgestellten Altarstücken, Andachtsbildern und Portraits zusammen. Eine lesenswerte, überaus gelungene Hommage an Joos van Cleve.

__________________

Peter van den Brink
Joos van Cleve
Leonardo des Nordens

30,9 x 25,7 cm (LxB), 200 Seiten
158 Abbildungen
Fester Einband

ISBN: 978-3-7630-2596-1

Verlag
Amazon

**

Advertisements


Categories: Kunst, Sachbücher

Tags: , , , , , ,

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: