“How not to live your life – Staffel 1” von und mit Dan Clark (Filmkritik)

Amouröse Abenteuer einer (un)sympathischen Flachzange

Fettnäpfchen-Freund Don Danbury (Dan Clark) ist 29, hoffnungslos hormongesteuert, neurotisch und nach einhelliger Meinung ein echtes Arschgesicht. Im Job glänzt er durch Zufrühgehen und Zuspätkommen, im Bett durch eine Kombination aus beidem. Trotzdem ist seine Chefin wenigstens von seinen Qualitäten im Schlafzimmer überzeugt. Allerdings ändert das nichts an seinem Rauswurf, denn am Arbeitsplatz ist und bleibt Don ein Totalversager. 

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Dons Großmutter ist verstorben und hat ihm ihr Häuschen vermacht. Sogar sie betrachtet Don als absolutes Arschgesicht, aber er ist nun mal ihr einziger Enkelsohn. Allerdings kommt das bejubelte “Haus für lau” mit gewissen Auflagen, wie Nachlassverwalter Bitchman (Frank Gallagher, “Taggart”) zu verstehen gibt: Es sind noch Hypotheken zu zahlen, und verkauft werden darf ebenfalls nicht. 

Im Haus macht Don (in einem überaus unpassenden Moment) Bekanntschaft mit Eddie (unglaublich komisch: David Armand, “I Want Candy”), dem Ex-Pfleger seiner Großmutter, der die Pflegeleistungen kurzerhand auf ihn überträgt. Und für Don alias “Sexy Rexy” tut Eddie wirklich alles: Er kocht, wascht, putzt, unterstützt bei der Körperpflege und – nein, *das* gehört dann doch  nicht dazu. 

Allerdings braucht Don erst einmal Geld, um die laufenden Kosten zu decken. Eddie bringt ihn auf die rettende Idee, eine Untermieterin (natürlich möglichst jung, sexy, alleinstehend) zu suchen. Unter den potentiellen Anwärterinnen befindet sich ausgerechnet Dons große Jugendliebe Abby (Sinéad Moynihan, “Hollyoaks”). Damit scheinen Dons Träume auf einen Schlag wahr zu werden: Jetzt ist er nicht nur stolzer Hausbesitzer mit persönlichem Pfleger, er hat auch das Ende seines leidigen Singledaseins vor Augen. 

Doch Abby kommt mit schwerem Gepäck: Der blasierte, erfolgsverwöhnte Karl (Finlay Robertson, “The Body Farm”), genannt Hackfresse, ist der feste Partner an Abbys Seite – und zieht mehr oder weniger gleich mit ein. Natürlich ist er alles, was Don nicht ist: erfolgreich, kultiviert, gepflegt, vermögend und mit Abby zusammen. So schläft Don zwar Nacht für Nacht an der Seite seiner Traumfrau ein, allerdings auf der anderen Seite der Wand und in einem eigenen Bett. Jedenfalls noch. Aber dieser Karl muss doch irgendwie aus dem Weg zu räumen sein…

Als Autor, Hauptdarsteller und Produzent inszeniert Dan Clark “How Not to Live Your Life”  als herrlich bissig-böse Comedy-Show um eine sympathische Flachzange mit viel Fettnäpchen-Gefühl.  Dass Don die “volle Peilung” hat, wird wohl niemand ernstlich behaupten. Dafür besitzt der Lebenskünstler eine außerordentlich lebendige Fantasie: Zu den vergnüglichsten Momenten der Serie gehören die Sequenzen, die zeigen “Wie man es nicht macht”.  Schräg, skurril, absurd – und ungemein britisch! Diese unterhaltsamen Einspieler durchbrechen die lineare Erzählweise und wirken wie ein Blick direkt in den Kopf des Hauptdarstellers. Eine Technik, die auch Michael Kessler in “Kesslers Knigge”  übernommen hat. 

Die hübsche Sinéad Moynihan spielt die verständnisvolle, wenn auch etwas naive Abby, die vor allem an Dons Humor Gefallen findet. Damit ist sie neben dem gutmütigen Eddie wohl auch der einzige Mensch, der ihm überhaupt etwas abgewinnen kann. Finlay Robertson überzeugt als aalglatter Schnösel, und in einer kleinen, aber gelungenen Nebenrolle glänzt Leila Hoffmann als wohl informierte Nachbarin Mrs. Treacher. Ähnlich wie bei Mr. Bitchman ist auch bei ihr der Name Programm. 

 

Zu den einzelnen Episoden:

1. Ein Haus für lau

(Home Sweet Home)

Don verliert seinen Job, erbt ein Haus und vermietet ein Zimmer an seine Jugendliebe Abby, die inzwischen als Lehrerin arbeitet. Vergeben ist sie leider auch schon: an Karl.

 

2. Kinder sind unsere Zukunft

(The Field Trip)

Don begleitet  Abby und ihre Klasse  als Betreuer zum Zelten.  Don ist nicht gerade ein Naturliebhaber, und als Karl unerwartet dazu stößt, artet der Ausflug in einen Wettbewerb um Abbys Gunst aus.  

 

3. Die verstaubte Oma

(Fake Wake)

Don soll seine Großmutter mit einer ordentlichen Trauerfeier, bei der sie im offenen Sarg noch einmal zu sehen ist, beerdigen. Darauf besteht der Testamentsvollstrecker. Allerdings wurde sie längst eingeäschert…

 

4. Eine andere Liga

(The Young Ones)

Don kommt bei Abby nicht wirklich weiter und lässt sich stattdessen mit der jungen Anna ein. Er macht auf jugendlich und zieht mit ihr und ihrer Clique um die Häuser. Letztendlich muss er aber erkennen, dass diese Zeit für ihn längst vorbei ist.

 

5. Wenn der Vater mit dem Sohne

(Like Father Like Don)

Ausgerechnet Karls Vater findet Gefallen an Don und bietet ihm sogar einen Job an. Karl ist nicht begeistert. Auch wenn Don seine neue Rolle zunächst genießt, in Abbys Gunst bringt es ihn nicht voran.

 

6. Hasenjagd

(The Break Up)

Da Don Abby nicht für sich gewinnen kann, zieht auf der Suche nach einem One-Night-Stand mit Eddie um die Häuser. Als es ihm tatsächlich – mit Unterstützung – gelingt, eine Frau zu finden, die bereit ist, sich mit ihm einzulassen, erfährt er, dass sich Abby von Karl getrennt hat.

 

Aber Don wäre nicht Don, wenn er nicht doch wieder alles vermasseln würde… Oder? 

Fazit: Einem vergleichsweise kleinen Ensemble gelingt ein großes komödiantisches Vergnügen, das sich aufgrund des Wortwitzes und der urkomischen Einspieler problemlos mehrfach hintereinander ansehen lässt. Wer britischen, etwas derben Humor mag, liegt mit dieser Serie richtig. Man kann die Folgen wahlweise auf Deutsch oder Englisch ansehen, Untertitel sind in beiden Sprachen verfügbar.

Sehen lassen kann sich ebenfalls das Bonus-Material: Es gibt “6 Extras, nachdem man alle Folgen gesehen hat” auf einer Extra-DVD, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Unter anderem bekommt man nicht verwendete Szenen, Outtakes, ein Making Of und “Dan Clark’s Guide to Dating” zu sehen. Weiterhin liegt eine Gratis-DVD mit Folgen von anderen tellyvisions-Serien bei, die Lust macht auf mehr. Ein absoluter Kauftipp!

(c) M. Hoevermann

 

 

 

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Categories: DVD-Serien, DVDs - Filme und Serien

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