“Rebella – New York Love Story” von Katrin Lankers

Leichte Sommerlektüre für Mädchen, die Spaß macht

“New York Love Story” ist ein wunderschön aufgemachtes Buch: Ein fröhlich-freches Cover, das mit seinen knalligen Farben Lust auf die Metropole New York macht, abgerundete Ecken, leuchtende Sterne am Nachthimmel im Hintergrund. Daran geht man nicht vorbei! Es ist ein absoluter Hingucker. Die liebevolle Gestaltung setzt sich auch innen fort. Hat man es erst einmal in der Hand, liest man sich schnell ein und fest:

“Es soll der perfekte Abend werden, besser gesagt: die perfekte Nacht. Das perfekte erste Mal eben”, denkt die 16-jährige Niki, die ihren Freund ganz romantisch in verführerischen Dessous an seinem Geburtstag überraschen will. Der allerdings erscheint nicht. Als er Stunden später dann doch noch auftaucht, hat er selbst eine Überraschung parat, allerdings eine für Niki eher unerfreuliche: Ein Agent hat vor, ihn und seine Band in New York groß rauszubringen, und er ist im Grunde schon auf dem Absprung. Goodbye, Deutschland. Für Niki hat er noch ein gönnerhaft-überhebliches Streicheln übrig, dann ist er weg; es ist aus. Er beendet ihre Beziehung gefühllos und ohne Bedauern, ausgerechnet an dem Tag, an dem sie sie vertiefen wollte.

Vollkommen aufgelöst sucht sie Hilfe bei ihrer besten Freundin und fasst den Entschluss, Simon zu folgen und zurückzuerobern. Aber ihre Mutter kommt ihren Plänen zuvor: Niki soll, um ihre Englischkenntnisse ein bisschen aufzupolieren, den Sommer als Au-Pair verbringen. Bei einer ihrer Freundinnen, die Betreuung für ihre Zwillingstöchter braucht. In New York! Idealer kann es fast gar nicht sein. New York genießen, Simon finden, nebenbei ein bisschen Kinderhüten. Aber dann kommt alles ganz anders: Niki findet in der Familie keinen Anschluss, die Zwillinge sind nicht zu bändigen und Zeit, New York zu erkunden oder gar nach Simon zu suchen, bleibt ihr bei der Aufgabenfülle zunächst auch nicht.

Aber sie wächst mit ihren Aufgaben und erkennt, dass die Dinge nicht unbedingt so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Hinter der vermeintlich abstoßenden Oberflächlichkeit und Aufsässigkeit der Angehörigen ihrer Gastfamilie steckt mehr, und am Ende ist sie vielleicht nicht da an, wo sie hinwollte. Aber sie kommt an, wo sie sein muss…

Es ist eine mit leichter Hand geschriebene Erzählung mitten aus der Lebenswelt eines Teenagers. Niki interessiert sich für Mode, Make-Up, ihr Aussehen und Jungs. Schule ist nicht so wichtig. Was zählt, ist die beste Freundin, Chatten, der PC, einfach das echte Leben. Ihre Mutter lobt ihr Verantwortungsbewusstsein, allerdings erweist sich Niki, gerade wenn es um Jungs und Beziehungen geht, eher als naiv und altersentsprechend unerfahren. Man kann sich gut in sie hineinversetzen.

Viel Tiefgang gibt es allerdings – trotz durchaus gelungener Einblicke in den Au-Pair-Alltag – nicht, auch wenn Themen wie Schönheitswahn, Gesundheitsbewusstsein oder Obdachlosigkeit gestreift werden. Überraschungen fehlen im Handlungsverlauf vollkommen, die Charaktere bleiben insgesamt eindimensional und auch typische Klischees werden nicht ausgelassen: Die beste Freundin ist absolut perfekt, stets hilfreich und verständnisvoll. Die Upper-Class-Family erweist sich als zerrüttet, die Haushälterin als echte Perle, und alle Probleme lösen sich wie von Zauberhand. Vor allem mit eigener Au-Pair-Erfahrung vermisst man etwas den Realitätskontakt. Niki spricht und versteht wenig Englisch, kann sich dennoch relativ problemlos verständigen. Obwohl sie aus einem kleinen Ort kommt, findet sie sich angstfrei in New York zurecht. Wo ist der Kulturschock angesichts des Lärms, der schlechten Luft, der Hektik und der schieren Größenordnung?

Der lockere Stil und die sympathischen Charaktere lassen allerdings über etliche Schwächen hinwegsehen. Im Wesentlichen ist “New York Love Story” genau das, was der Titel verspricht: eine unterhaltsame, wenn auch einfach gestrickte Liebesgeschichte ohne Bildungsballast. Eine Sommerlektüre, die vor allem Spaß macht!

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Categories: Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur, Literatur

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