“Beruf & Karriere Bewerbungs- und Praxismappen: Praxismappe für die kreative Bewerbung: Wie Sie auffallen und überzeugen” von Svenja Hofert

Profil gewinnen durch kreative Bewerbungen

Eine Bewerbung ist Arbeit, macht Arbeit und führt im Idealfall zu Arbeit. Diesen Prozess sollte man nicht unterschätzen. Er verlangt einiges an Zeit, Einsatz und sorgfältiger Vorüberlegung, denn hier gilt es, fachlich und persönlich zu überzeugen. Einfach vorgegebene Textbausteine übernehmen und leicht verändert aneinander hängen, das reicht nicht, um sich als Bewerberin oder Bewerber wirklich nach vorn zu bringen. Kreativ, innovativ, anders und speziell sein, darum geht es. Allerdings sollte man nicht negativ mit unpassenden kreativen Ambitionen auffallen. Sonst endet die gut gemeinte Bewerbung doch im tatsächlichen oder virtuellen Papierkorb.

Was passt zu dem von mir angestrebten Beruf und Unternehmen? Das sollte die Leitfrage für das Erstellen passgenauer Unterlagen sein. Gerade Bewerber mit Zickzack-Lebensläufen, Brüchen, Lücken, krankheitsbedingten Fehlzeiten, eher suboptimalen Zeugnisnoten oder Menschen, die vielleicht älter sind oder nicht exakt die richtige Ausbildung für die gewünschte Position haben, müssen mit anderen Qualitäten punkten.  Eine Bewerbung ist Marketing in eigener Sache – und natürlich die erste Arbeitsprobe. Letztendlich überzeugt man durch Persönlichkeit und Einsatz.

Svenja Hofert weist von Anfang an darauf hin, dass es auf die richtige Dosis an Kreativität ankommt. Keinesfalls sollte die Bewerbung mit Arbeit für den Personalverantwortlichen verbunden sein. Konfetti, Puzzleteile und ähnliches verbieten sich von selbst.  Sie zeigt anschaulich und mit vielen Beispielen, wie es richtig geht. Anschreiben, Lebensläufe, auch mögliche “Dritte Seiten” finden sich darunter. Die Autorin weist darauf hin, dass es sich um echte und erfolgreiche Texte handelt, die in der Tat zu Vorstellungsgesprächen und neuen Arbeitsplätzen geführt haben (vgl. S. 9).

Positiv ist, dass Bewerbungen per E-Mail ebenso behandelt werden wie traditionelle Bewerbungsmappen. Auch Führungskräfte, Freiberufler, Handwerker/innen und Wiedereinsteiger/innen finden hilfreiche Tipps.  Dass sich auch im Vorstellungsgespräch Kreativität auszahlt, zeigt sie in einem eigenen Kapitel.

Fünf erfolgreiche Beispiele werden anfangs präsentiert und kommentiert. Dabei sind eine flippige Studienabbrecherin mit Organisationstalent, eine Mutter, die Teilzeit arbeiten möchte, ein BLWer mit mäßigen Noten, der aber durch Sprachkenntnisse und Arbeitserfahrung besticht, ein Ingenieur, der in einer bestimmten Region nach einer neuen Tätigkeit sucht und eine Gelegenheitsjobberin mit Schwerpunkt Sport und Sportkoordination. Einleitend erfährt man etwas zu Hintergrund und Strategie der Musterperson. Danach gibt es Tipps, wo sich nach zu der jeweiligen Branche passenden Jobs recherchieren lässt (allgemeine Hinweise und konkrete Internetseiten).

Die folgenden Unterlagen hat man in derartiger Form wirklich noch nie gesehen! Ungewöhnlich aufgebaut, unverbrauchte Texte, neue Ideen für Gestaltung – aber immer abgestimmt auf eine bestimmte Person und Stelle. Mal werden bewusst sämtliche Din-Normen ignoriert, mal mit ungewöhnlichem Foto und Farbabstufungen (Grautöne) gearbeitet. Es kommen aber auch dezente Gestaltungsmöglichkeiten und Piktogramme zum Einsatz. Der Text der Studienabbrecherin, die einen Job in der Filmbranche als Sekretärin sucht, wirkt direkt, flippig, offen und überrascht durch Formulierungen wie “Karriere bedeutet mir nichts” und Hinweise zur derzeitigen Wohnsituation.

Hier zeigt sich, wie individuell Bewerbungen sind. Übernehmen bzw. auf andere Unternehmen übertragen, lässt sich das nicht. Was hier gut angekommen ist, kann bei einer anderen Firma ein Ausschlusskriterium sein.

Kleiner Kritikpunkt: Bei den Beispielen ist nicht eine fachlich kompetente, karriereorientierte Frau dabei.

Ein weiterer Bereich widmet sich der Interpretation von Stellenanzeigen. Gibt es Unklarheiten, rät Svenja Hofert dazu, zum Telefonhörer zu greifen. Nur so kann man klären, ob Stelle und Qualifikation zusammenpassen und gute Unterlagen erstellen.

Man sollte mit Hilfe eines Relevanzprofils prüfen, ob man sich wirklich für die Stelle eignet. Dieses ist als Kopiervorlage dabei. Sehr gut! So kann man sich selbst distanziert mit den Augen eines Personalverantwortlichen begutachten. Wie sieht es aus mit den fachlich wichtigen Punkten Ausbildung, Berufserfahrung, Weiterbildung und Sprachkenntnissen? Welche sogenannten Soft Skills (Teamfähigkeit, Organisationstalent etc.) und Zusatzqualifikationen (z.B. EDV-Kenntnisse, Hobbys und sonstige Fähigkeiten) bringt man mit?

Sinnvoll ist das Ausfüllen aus drei Gründen:
1. Man macht sich bewusst, was verlangt wird.
2. Man gleicht ab, ob man zu der Stelle passt.
3. Man kann auf dieser Grundlage maßgeschneiderte Unterlagen erstellen.

Gelungen  ist die Gegenüberstellung von Bewerbungsunterlagen in der 1. Version und ihrer Überarbeitung. Man sieht so selbst, wie unterschiedlich ein und dieselbe Person wirken und präsentiert werden kann. Die 1. Version ist unpersönlich, allgemein und profillos. Die zweite macht den Bewerber als Menschen hinter den Zeilen sichtbar.

Weiterhin gibt die Autorin Hinweise zur Entwicklung der eigenen Kreativität und dazu, wie man die Grundregeln des (Selbst)Marketings verinnerlicht und gelungene Formulierungen findet. Initiativbewerbungen per Brief, Flyer oder Postkarte, z.B. an eine bestimmte Gruppe von Arbeitgebern werden ebenfalls vorgestellt.  Dieses Verfahren eignet sich, wenn man nach einer neuen Tätigkeit in einer bestimmten Branche sucht. Auch hier gibt es Anregungen für interessante Individualisierungsmöglichkeiten. Nicht alles gefällt, nicht alles passt zu einem selbst. Aber das ist eine Stärke des Buches: Es will nicht als Anregung zum Abschreiben verstanden werden; es regt an, selbst aktiv und kreativ zu werden.

Sehr gut gefällt mir, dass Svenja Hofert dazu rät, klare und eindeutige Sätze zu gestalten, die das Wesentliche auf den Punkt bringen. Denn Wortungetüme und sperrige Sätze hinterlassen oft keinen guten Eindruck. Der Bewerber wirkt unter Umständen arrogant oder schlicht unfähig, das Wesentliche darzustellen.

Fazit: Diese Arbeitsmappe eignet sich für Bewerbungsanfänger ebenso wie für Jobsuchende, die ihre Erfolgschancen verbessern wollen. Lesenswert sind die einleitenden, informativen Texte. Man bekommt eine Fülle hilfreicher und nützlicher Informationen in die Hand. Es ist ein inspirierendes Buch, ein pfiffiger Mutmacher, der wertvolle Denkanstöße gibt und zeigt: Erfolg ist machbar, auch wenn die Grundvoraussetzungen nicht 100%ig perfekt sind.

(c) M. Hoevermann

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Categories: Beruf und Karriere

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