“Completely Stripped” von C. Kiessling, H. Redding, J. Buiks (Hrsg.)

Completely impressed – Beeindruckendes Kompendium schwuler Gegenwartskunst

Gleich vorweg: Dieser imposante Band ist ein absolutes Must-Have. Als Liebhaber von Gay Art darf man sich diese Zusammenstellung nicht entgehen lassen!

Nach beiden beiden Anthologien “Stripped. The Illustrated Male” (2006) und dem Folgeband “Stripped Uncensored” (2009) liegt nun mit “Completely Stripped” erstmals ein umfassendes Kompendium schwuler Kunst vor. Auf rund 600 Seiten wird die Arbeit von 101 internationalen Künstlern aufwendig produziert in hervorragender Druckqualität dargeboten.

Entstanden ist ein buntes Miteinander aus Comics, Malereien und Zeichnungen, bei dem sich große Namen und (noch) relativ unbekannte Künstler Seite an Seite zeigen. Zu meinen persönlichen Favoriten zählen die Bilder von Beau, Michael Breyette, Angel de Castro, HvH, Ralf König, Mioki, Joe Philips und Steve Walker.

Doch es ist eine Freude, auch die eine oder andere Neuentdeckung zu machen. Und genau darum geht es: “Completely Stripped” bringt ins öffentliche Bewusstsein, was andernfalls womöglich weitgehend unentdeckt bleiben würde. Schwule Underground-Kunst wird so erstmals einem größeren Publikum zugänglich. Kleine Appetitanreger laden den Betrachter – oft mit großen Zutaten – ein, sich das gesamte Werk des Künstlers anzusehen. Man schaut, stöbert und staunt, mag das Buch nicht aus der Hand legen, denn immer wieder wird der Blick aufs Neue gefesselt.

Die Stile sind so vielfältig wie die vertretenen Talente: von graphisch bis plastisch, von fotorealistisch bis abstrakt, von skizzenhaft bis ausgefeilt. Bis ins kleinste Detail ausgefeilte Arbeiten stehen Rohentwürfen gegenüber. Die gewählten Motive sind schwarz-weiß, dezent koloriert oder quietschig-bunt gehalten, beinhalten mal Text, mal nicht, eignen sich mal für den Couchtisch, mal für das Kopfkissen. Allen Bildern gemeinsam ist jedoch eins: Sie spiegeln Facetten schwulen Lebens in der Kunst. Der Fokus liegt dabei auf dem eigenen Selbstverständnis, dem Körper, auf Beziehungen, auf Sexualität, auf Pornographie. Mal sind die Darstellungen ästhetisch, mal romantisch-sehnsüchtig, mal hart und direkt. Nichts bleibt ausgespart. Nichts wird vergessen.

Oft entscheidet die momentane Stimmung darüber, was man sehen will, was an- und erregt, was berührt, was ankommt. So kann man sich der Kunst immer wieder aufs Neue nähern, neu darauf schauen, sich neu inspirieren lassen. Nicht zuletzt ist Kunst auch immer ein Spiegel von Kultur, Zeitgeist und Gesellschaft. Das macht dieses Buch auch zu einem wunderbaren Geschenk.

Frech, wild, erotisch, heiß, romantisch, hart, zärtlich, böse und mit viel Biss ist ein auf- und anregender Überblick über die Sparte schwuler Kunst entstanden – für Herz, Hirn und Hose. Dieser umfangreiche Sammelband macht Lust auf mehr. Viel mehr.

Sämtliche Bilder sind im Anhang in einem Artwork-Index erfasst, wo man den Namen des Künstlers, teilweise auch Entstehungsdaten und Titel nachlesen kann. Der alphabetische Artist Index listet darüber hinaus auch die E-Mail-Adressen und Websites der Künstler auf, sodass man Kontakt aufnehmen oder nach weiteren Werken recherchieren kann. – Und das wird man. Garantiert!

(c) M. Hoevermann

Advertisements


Categories: Kunst, Sachbücher

Tags:

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s