“Free Agents – Zweisam Einsam” (DVD) mit Sharon Horgan und Stephen Mangan

Sigmund hätte seine helle Freud…

… mit diesen schrägen, skurrilen Charakteren! Alex Taylor (Stephen Mangan) und Helen Ryan (Sharon Horgan), zwei Mittdreißiger, arbeiten als Talentscouts bei der Agentur CMA. Eigentlich sind die beiden nur Kollegen, aber sie landen doch miteinander im Bett. Nach einer gemeinsamen Nacht ist Helen hinlänglich bedient: Erst bricht der sensible Alex nach dem Sex in Tränen aus, dann verfällt er in ausufernde Selbstvorwürfe und Depressionen. Ein emotionales Wrack! Damit nicht genug, er fängt an zu babbeln. Wie ist das richtige Prozedere? Ruft sie ein Taxi, darf er bleiben? Dem frisch geschiedenen Vater zweier Kinder sind die ungeschriebenen One-Night-Stand-Gesetze und Dating-Regeln nicht mehr so wirklich vertraut.

Starker Tobak für jemanden mit genug eigenen Problemen: Helen kann den Tod ihres Verlobten Peter nicht verwinden. Abwechselnd stürzt sie sich in Alkohol und Sexabenteuer. Sie fühlt sich einsam, allein. Ihre Wohnung ähnelt einer Gedenkstätte. Großformatige Fotos – Höhepunkte des gemeinsamen Glücks – über dem Doppelbett signalisieren: Kein Platz für eine neue Beziehung. Alex ist allerdings so neurotisch, dass sie sich in seiner Gegenwart regelrecht gesund fühlt. Er will mehr, sie nicht. Also macht sie sich daran, ihm eine passende Frau zu suchen – nach strengen Kriterien.

An sich passen beide perfekt zueinander – wenn sie sich nur nicht permanent selbst im Weg stehen und endlich mit ihrer Vergangenheit abschließen würden!

Alex’ Leben ist auch ohne neue Beziehung kompliziert genug: Da sind die Kontakte zu Ex-Frau und Kindern, die organisiert und durchgestanden werden müssen und ewig kann er auch nicht im Büro, auf dem Sofa seines Chefs oder in seinem Auto übernachten.

Helen wiederum wird von ihrer Fast-Schwägerin zur Patentante erkoren. So gern sie auch versiert im Umgang mit Kindern wäre, sie ist es nicht. Dass das kleine Mädchen auch noch Peta heißt, macht es nicht besser. Ganz offenbar ist sie nicht die einzige, die Schwierigkeiten hat, den Verstorbenen Peter loszulassen. Allerdings geht das Leben weiter. Und ihrs besteht vor allem darin, talentfreien Flachzangen zu schmeicheln und an – mehr oder minder passenden Locations – Kundenakquise zu betreiben, um frische Talente ins Boot zu holen. Zu ersteren gehört auch der mäßig begabte “Doktor-für-zwei-Szenen”, der als One-Night-Stand zum Einsatz kommt…

Man muss vielleicht nicht unbedingt (verhaltens- und beziehungs)gestört sein, um einen Job bei CMA zu kriegen. Aber es schadet auch nicht. Der kapriziöse Mitarbeiterkreis spricht Bände. Die eigenwilligen, aber liebenswerten Charaktere wachsen im Laufe der Folgen zusammen und ersetzen einander ein Stück weit das, was im Privatleben fehlt.

Geleitet wird die Agentur von ihrem exzentrischen, sexbesessenen Chef Stephen Caudwell. Sagenhaft besetzt mit Anthony Head, der international vor allem als Rupert Giles in der amerikanischen Fernsehserie “Buffy – Im Bann der Dämonen” bekannt wurde. Der Single wider Willen blickt auf eine kleine Armee von Ex-Frauen zurück. Auch er ist auf der Suche und immer für schmutzige Details aus dem Liebesleben seiner Mitarbeiter zu haben. Damit wird allmorgendlich das Meeting eröffnet. Frauenflauten überbrückt er mit reichlich Spielzeug, das er im Geschirrspüler reinigt. Und gegen emotionale Einsamkeit hat er seine ganz eigene Strategie…

Der teilweise tiefschwarze, britische Humor, Wortwitz gepaart mit weisen Beobachtungen skizziert die Beziehungsprobleme moderner Großstadtmenschen zwischen Wunschträumen, Realität und Neurosen. “Free Agents” erinnert an die amerikanische Sitcom “Seinfeld”. Allerdings ist diese Serie nicht nur um einiges vulgärer, sie ist auch sehr viel witziger!

Durchweg gelungen ist die stimmige Charakterentwicklung: In sechs Episoden aufgeteilt gibt es letztendlich eine durchgängige Handlung. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt einfach! Die Figuren entwickeln und verändern sich und am Ende sind sie dann auch nicht mehr “Zweisam einsam”.

Man fragt sich bei einigen Szenen, wie der Cast ernst bleiben konnte. Konnte er nicht, nicht immer. Das zeigen die z.T. herrlichen Outtakes – missglückte Szenen – die als Bonus ebenfalls auf der DVD enthalten sind. Dazu gibt es ein “Making Of” und “Improvised Material”. Englische und deutsche Untertitel für Hörgeschädigte sind einblendbar.

Außerdem liegt eine Zusatz-DVD mit Schnupper-Episoden zu anderen TV-Serien bei: “How not to Live Your Life”, “Being Erica”, “Taking the Flak” und “Nighty Night”.

(c) M. Hoevermann

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Categories: DVD-Serien, DVDs - Filme und Serien

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