Gebrauchsanweisung für Island

Humorvoll-informativer Reiseführer – Werden Sie ein Íslandsvinur!

Im April 2010 sorgte der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull weltweit für Schlagzeilen. Asche legte sich über das Land und den Flugverkehr im europäischen Luftraum lahm. Doch nicht nur der Lava spuckende Berg stiftete Verwirrung; mit ihrer kreativen Aussprache des isländischen Zungenbrechers amüsierten Nachrichtensprecher in Funk und Fernsehen weltweit. Plötzlich war es in aller Munde: Island, das jüngste Land der Erde.

Gerade einmal 330 000 Einheimische zählt das kleine Land, hinter dem das Nichts beginnt. Island bietet ein einzigartiges Miteinander von Natur und Kultur, Wildheit und Zivilisation, Normalität und Exotik. Die Menschen dort gelten als die glücklichsten der Welt; ihre Lebenserwartung wird nur von der der Japaner übertroffen. Alles dort scheint vertraut – und ist doch ein bisschen anders, als man es gewohnt ist. Statt Dorfkneipen findet man überall in Island Schwimmbäder – vorzugsweise im Freien – Trockenfisch gilt als beliebter Knabberspaß, der Sand ist schwarz, die Pferde eigenwillig, Alkohol schier unerschwinglich und die Literatur von den Sagas und Eddas bis zu Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt allgegenwärtig. Und reichhaltig. Es ist beeindruckend, dass ein so kleines Land es schafft, so viel große Literatur hervorzubringen.

Kristof Magnusson, halb Isländer, halb Deutscher, wirft in seiner “Gebrauchsanweisung” einen vergnüglichen, überaus liebevollen, zuweilen durchaus ironischen Blick auf seine väterliche Heimat und die Eigentümlichkeiten von Land und Leuten. Er spricht über die Wildheit der Natur, isländische Eigenheiten und gewährt Einblicke in die reichhaltige Mythenwelt der Literatur. Die mögliche Existenz von Elfen und Zwergen wird ebenso beleuchtet wie die Schwimmbadkultur, skurrile TV-Formate, das Verbot der Hundehaltung und das Nachtleben der Hauptstadt Reykjavik.

Aber auch Hintergrund und Folgen der Finanzkrise, der Walfang, das Sterben von Fischerdörfern und Landflucht bleiben nicht ausgespart.

Seite für Seite entsteht ein Kaleidoskop aus Vergangenheit und Gegenwart, Allgemeinplätzen und Eigentümlichkeiten. Amüsant sind die immer wieder eingestreuten isländischen Witze und Witzeleien, fun facts und Pro-Kopf-Hochrechnungen, die nahezu einen Volkssport darstellen. Kostproben gefällig? In Islandkrimis geschehen mehr Morde als im tatsächlichen Leben, die übliche Anrede ist das “Du”, Island stellt – proportional zur Bevölkerung betrachtet – die meisten Schachgroßmeister, weist die höchste Nobelpreisträgerdichte auf, glänzt mit einem soliden Bildungssystem, vorbildlicher Kinderbetreuung und der vollwertigen Anerkennung der Homo-Ehe.

Eine “Gebrauchsanweisung”, wie sie informativer und unterhaltsamer nicht sein könnte.

Fazit: Wer vor der Lektüre noch kein Íslandsvinur, ein Island-Fan, war, ist es danach.

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Categories: Ratgeber, Reisen, Sachbücher

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