“Gemalter Film – Plakate von Renato Casaro” (Rezension)

Der letzte große Plakatmaler – Beeindruckende Werke eines Ausnahmetalents

Der italienische Maler und Illustrator Renato Casaro hat mit seinen Kinoplakaten Filmgeschichte geschrieben. Über viele Jahrzehnte hinweg hat er internationalen Filmproduktionen mit seinen detailreichen, lebendigen Motiven ein zeichnerisches Gesicht gegeben. Die Genres decken die gesamte Bandbreite des Kinos ab: Monumentalfilme, Western, Komödien, Fantasyfilme, Comicverfilmungen. Unvergesslich sind seine Motive zu Filmen mit Bud Spencer und Terrence Hill, darunter etwa die Komödien “Die rechte und die linke Hand des Teufels” (1969) oder “Zwei bärenstarke Typen” (1982). Aber auch Klassiker wie “Zwölf Uhr mittags” (1952) mit Gary Cooper oder den Gangsterfilm “Es war einmal in Amerika” (1984) hat er in Szene gesetzt und natürlich auch das Filmplakat zu “Der mit dem Wolf tanzt” (1990) entworfen. Er gilt als letzter großer Plakatmaler.

Besonders seine überaus sorgfältigen Vorzeichnungen sind bemerkenswert: Kunstwerke, stets angelegt wie eigenständige Gemälde.

Bis zum 15. April 2012 können ca. 70 Werke Renato Casaros, Plakate und Plakatentwürfe, im Folkwang Museum in Essen in Augenschein genommen werden. Die Ausstellung ist Auftakt einer Schwerpunktreihe zu Filmplakaten, die 2012 und 2013 weitergeführt wird. Für alle, die es zeitlich oder räumlich bedingt nicht dorthin schaffen, ist dieser Katalog ein Pflichtkauf! Für alle, die dort waren, sowieso!

Casaro begann mit seiner Arbeit, als das Kino selbst gerade erst dabei war, sich zum führenden Massenmedium zu entwickeln. Im Alter von 17 Jahren, noch während seiner Ausbildung zum Lithografen, übernahm er erste Aufträge. Sein Lohn? Freier Eintritt ins Kino.

Er entdeckte seine Leidenschaft für Filme, erlebte die Hochzeit der großen, internationalen Kinoproduktionen und prägte ihr Gesicht maßgeblich mit. Mit dem Einzug der Fernsehapparate in private Haushalte verlor das Kino immer mehr an Bedeutung. Im Zuge der Globalisierung wird anderen Kulturen, unterschiedlichen Lesarten von Plakaten, Rechnung getragen. Schließlich sollen die Filme weltweit vermarktet werden. Fotos begannen die aufwendigen Zeichnungen und Malereien zunehmend zu ersetzen. Fotos werden überall gleichermaßen verstanden.

Zum letzten Mal stellte Renate Casaro sein beeindruckendes künstlerisches Talent 1998 in den Dienst des Kinos: Er entwarf das Plakat für “Asterix und Obelix gegen Caesar”. Dafür wählte er eine bestimmte Szene aus dem Film, die jedoch für die Endversion gespiegelt werden musste, weil Gérard Depardieu (Obelix) zugesichert worden war, als erster genannt zu werden und besonders im Fokus des Bildes zu stehen.

Der Ausstellungskatalog “Gemalter Film. Plakate von Renato Casaro” präsentiert die Werke des Künstlers in drei Kategorien: “Frühe Jahre – neue Filme (1950er bis Anfang der 1970er Jahre)”, “Komödie und Italo-Western (1970er bis Anfang der 1980er Jahre)” und “Großes Kino – Internationale Produktionen (1980er bis Mitte der 1990er Jahre)”. Ein einleitender Text informiert über Besonderheiten des jeweiligen Zeitabschnitts und lenkt die Aufmerksamkeit auf bemerkenswerte Details und wissenswerte Hintergrundinformationen. Danach folgen die Plakate, die jeweils auf einer eigenen Seite präsentiert werden. Oft findet man links den Entwurf, rechts daneben das fertige Plakat und kann so beides selbst vergleichen.

Im Zentrum der Plakate sind meistens die Stars selbst, oft in einer Schlüsselszene, zu sehen, ein untrügliches Zeichen für die große Bewunderung, die Renato Casaro den Darstellern entgegenbringt. Casaro liebt, ja, er verehrt das Kino – und das merkt man seinen detailreich gearbeiteten Werken an. Die Portraitähnlichkeit ist überaus hoch. Die Einzelheiten fein und oft bis ins letzte Detail ausgefeilt. Diese Bilder betrachten zu dürfen, ist ein Genuss!

Mit dieser Publikation haben sich das Museum Folkwang und der Steidl-Verlag selbst übertroffen: Das gewählte Hochglanzpapier ist dick und hochwertig. Die Farben kommen darauf scharf und kontrastreich zur Geltung. Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gibt, dann, dass es sich nicht um Reproduktionen in Großformat handelt.

Im Anhang wird der Künstler im Rahmen kurzer “Biographischer Notizen” mit den Worten zitiert: “Film ist mein Hobby, mein Hobby ist mein Beruf, man Beruf ist mein Leben, mein Leben ist der Film.” Schöner hätte er es nicht ausdrücken können. Und: Man merkt seiner Arbeit diese Leidenschaft und Liebe deutlich an!

Im Anhang wird der Werdegang des 1935 in Treviso, Nord-Italien, geborenen Künstlers auf zwei Seiten schlaglichtartig beleuchtet. Auch eine kleine Auswahl der Auszeichnungen, die er für bestimmte Filmplakate erhalten hat, ist verzeichnet. Interessierte finden zudem eine Liste seiner “Plakate, Plakatentwürfe und Skizzen”, die chronologisch und zusätzlich innerhalb der Jahre alphabetisch sortiert sind. Katalognummer, die genaue Datierung und verwendete Technik sowie die Maße sind ebenfalls angegeben. Da macht das Stöbern wirklich Spaß!

Den Abschluss dieses wunderbaren Buches bilden eine Liste der Filme, für die Renato Casaro gearbeitet hat (natürlich mit Originaltitel, deutschem Titel, Erscheinungsjahr und Katalognummer), sowie eine Auflistung der dargestellten Stars.

Bis zum 15. April 2012 sind die Plakate noch im Museum Folkwang zu bewundern. Filmliebhaber und alle, die Plakatkunst zu schätzen wissen oder besonders die Arbeit Renato Casaros verehren, sei diese Ausstellung wärmstens empfohlen! Man sollte sich dieses besondere Erlebnis wirklich nicht entgehen lassen!

(c) M. Hoevermann

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