“Gesunde Katze (Happy Cats)” von Annette Thomée

Diagnostik, Therapie, Vorbeugungsmaßnahmen –

Schnelle Hilfe für die kranke Katze

Wenn es um meine Katzen geht, fackele ich bei Krankheitsanzeichen nicht lange. Geht es einer Katze nicht gut, ist eine verletzt, findet sie sich sehr schnell im Transportkorb auf dem Weg zum Tierarzt wieder. Da will ich keine Risiken eingehen. Oft gibt schon der Zustand des Fells Aufschluss darüber, dass etwas nicht stimmt. Manchmal fällt aber auch einfach nur auf, dass etwas anders ist als sonst oder aber der vierbeinige Hausgenosse kehrt verletzt nach Hause zurück. Dann ist Handeln gefragt. Manches kann man selbst lösen. Manches muss sich einfach ein Experte oder eine Expertin ansehen. Bei der Entscheidung hilft dieser empfehlenswerte Ratgeber aus der Reihe “Happy Cats”.

“Gesunde Katze” schärft das Bewusstsein darüber, wie wichtig es ist, genau hinzusehen. Man muss die eigene Samtpfote gut kennen. Dann entdeckt man auch, wenn sie von ihrer üblichen Routine abweicht, wenn etwas mit ihr nicht stimmt. In 12 reichhaltig bebilderten Kapiteln zeigt die Tierärztin Annette Thomée, worauf es ankommt. Angefangen von den Kennzeichen einer gesunden Katze über Gesundheitsvorsorge und Impfungen bis zu leichten und schweren Erkrankungen findet man hier fundierte Informationen und auf so manche drängende Frage erste Antworten.

Kapitel 1 befasst sich mit “Gesundheitlichen Aspekte bei der Anschaffung einer Katze”. Was spricht für eine Hauskatze, was für eine Rassekatze? Welche gesundheitlichen Probleme der neue Hausgenosse mitbringen kann, wird ebenfalls geschildert. Einrichten kann man sich etwa auf Flöhe und Zecken. Aber auch eitriger Augenausfluss, Ohrmilben oder Würmer bedeuten, dass man unbedingt eingreifen sollte. Ob eine kleine Schnaddernase harmlos ist oder aber eine ernsthafte Erkrankung bedeutet, muss tierärztlich abgeklärt werden.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den “Physiologischen Daten der gesunden Katze”. Hervorragend! Denn erst einmal sollte man wissen, woran man ein gesundes Tier erkennt. Einzelne Aspekte, die beleuchtet werden, sind Körpertemperatur, Atemfrequenz, Herz- und Pulsfrequenz, Geschlechtsreife, Rolligkeit, Trächtigkeitsdauer und Zahnwechsel.

Den unliebsamen Mitbewohnern, die man unglücklicherweise oft mit der neuen Katze bei sich aufnimmt, widmet sich Kapitel drei. Dabei werden die Parasiten in zwei Gruppen eingeteilt: Endoparasiten und Ektoparasiten. Während Endoparasiten wie Würmer und Toxoplasmen dem Tier von innen schaden, gefährden Ektoparasiten wie Flöhe und Zecken das Tier von außen. Annette Thomée beschreibt die wichtigsten Schädlinge ausführlich und anschaulich. Sie erläutert klinische Symptome, Nachweise, Vorbeugemaßnahmen und Behandlungsmethoden. Auch auf die mögliche Gefährdung für die menschlichen Wohnungsgenossen geht sie ein.

Dass man bei leichten Krankheitsanzeichen selbst aktiv werden kann, zeigt Kapitel 4. Manchmal lassen sich beispielsweise homöopathische Mittel einsetzen, um das Leid der Katze zu lindern. Hervorragend sind hier auch die Tipps zur Zahnpflege. Leider ist Zahnstein bei Katzen ein echt großes Problem.

Ernst wird es in Kapitel 5. Hier geht es um schwere Erkrankungen einzelner Organe wie Nieren und Leber. Der Krankheitsverlauf ist häufig schleichend. Oft erkennt man erst spät, dass etwas nicht stimmt. Klarheit verschaffen letztendlich nur regelmäßige Blutuntersuchungen. Die Autorin geht auf Diagnostik und Therapie ein.

Gerade bei Katzen mit Diabetes mellitus macht sie Mut: Die Erkrankung ist bei Katzen nicht so selten. Sie betrifft meistens übergewichtige und ältere Katzen, aber auch junge Tiere können daran erkranken. Trotzdem kann man der Katze mit den richtigen Maßnahmen weiterhin ein schönes Leben ermöglichen.

In Kapitel 6 geht es um “Die wichtigsten Viruserkrankungen”, darunter FIP, FeLV und FIV. Dabei wird erläutert, was überhaupt ein Virus ist, wie sich die einzelnen Erkrankungen zeigen, was man tun kann (vorbeugend und im Erkrankungsfall).

Das Leben einer Katze steckt voller Gefahren. Gerade bei Freigängern kann es zu folgenreichen Stürzen, Balgereien mit Nachbarskatzen oder aber zur Aufnahme von Giftstoffen kommen, die ein Eingreifen nötig machen. Aber auch reine Hauskatzen geraten zuweilen in Schwierigkeiten: Da werden Kleinteile, darunter Murmeln oder Haselnüsse, verschluckt oder aber giftige Zimmerpflanzen wie Flamingoblumen angenagt. Man sollte Katzen im Übrigen niemals Wollknäuel zum Spielen geben. Laut Frau Thomée zählen sie zu den häufigsten verschluckten Dingen, von denen sie Katzen im Laufe ihrer Berufstätigkeit befreien musste.

Schwangerschaft ist natürlich keine Krankheit aber “Die trächtige Katze”, die in Kapitel 8 im Zentrum steht, verdient Aufmerksamkeit. Jede Geburt verläuft anders. In aller Regel kommt das Muttertier ohnehin hervorragend allein zurecht. Aber falls es Komplikationen gibt, ist gut zu wissen, wie man sich im Fall des Falles verhalten sollte.

In Kapitel neun wird das Für und Wider einer Kastration beleuchtet. Die Autorin befürwortet sie, sowohl für weibliche als auch für männliche Tiere. Manche Menschen tendieren dazu, Kater nicht zu kastrieren. Als Grund geben sie an, dass diese nicht schwanger werden können. Stimmt natürlich. Aber wenn es sich um Freigänger handelt, schwängern sie vielleicht weibliche Katzen und vergrößern so das Tierleid. Dazu kommt, dass kastrierte Kater ruhiger sind, ihr Revier nicht markieren und auch mit weniger Blessuren nach Hause zurückkehren.

Ein sehr wichtiges Kapitel ist das zehnte, das sich mit der Gesundheitsvorsorge befasst. Impfungen, Wurmkuren und regelmäßige Gesundheitschecks sind einfach wichtig.

Mit der “alten Katze” befassen sich leider nur zwei Seiten. Kapitel 11 fällt sehr kurz aus. Als “älter” gilt eine Katze schon mit sieben Jahren. Spätestens ab dem zehnten Lebensjahr sollte der Halter einen Gesundheitscheck mit Blutuntersuchungen vornehmen lassen, rät Annette Thomée. Nur so sind Erkrankungen von Leber und Niere frühzeitig zu erkennen.

Es gibt Hinweise zu Altererscheinungen und dazu, wie man es der Katze im Alltag leichter machen kann. Hier würde ich mir trotzdem weitere Informationen, besonders zu einer veränderten Ernährung, wünschen. Vielleicht wäre es auch eine Idee, sich in einem eigenen Band ausschließlich mit Katzensenioren zu beschäftigen. Denn Katzen können prinzipiell sehr alt werden! Meinen Kater Lucky habe ich infolge einer Zahn-OP im Alter von 25 Jahren verloren (er war kastrierter Freigänger mit der Möglichkeit, das Haus nach Belieben zu betreten oder zu verlassen). Momentan leben zwei Katzendamen im Alter von ca. 15 und 22 Jahren hier. Beide sind fit. So soll es auch bleiben.

Im letzten Kapitel von “Gesunde Katze” findet man hilfreiche Tipps dazu, wie sich der Gang zum Tierarzt möglichst stressfrei gestalten lässt. Wie gibt man Tabletten? Wie kann man sich vor den Krallen einer verängstigten Katze schützen? Auch dazu finden sich nützliche Hinweise.

Fazit: Auf 94 Seiten findet man in diesem handlichen Ratgeber viel Wissenswertes rund um die Gesundheit der Katze. Es gibt Informationen zu den wichtigsten Erkrankungen, ihrer Diagnostik und Behandlung. Dabei wird auf die Vorbeugemöglichkeien ebenso eingegangen wie auf die richtige Therapie im Erkrankungsfall.

Der Band ist durchgängig hochwertig und anschaulich bebildert. Man sieht unterschiedliche Situationen, die Katzenhaltern von Tierarztbesuchen vertraut sein dürften, und erlebt hinreißende Katzen aller Altersgruppen und Fellfarben. Das ist Grundwissen in kompakter Form! Es ersetzt natürlich nicht den Gang zum Tierarzt. Aber man fühlt sich mit entsprechendem Hintergrundwissen einfach ruhiger. Lebt man mit Katzen, sollte dieses Buch Bestandteil der eigenen Bibliothek sein.

Dr. med. vet. Annette Thomée betrieb knapp 30 Jahre lang eine Kleintierpraxis in Neuenrade, Nordrhein-Westfalen. Heute genießt sie ihren Ruhestand, praktiziert aber immer noch in Tierheimen.

(c) M. Hoevermann

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Categories: Katzen, Sachbücher

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