“Katze – Mensch Mensch – Katze: Wörterbuch der Katzensprache” von Petra Twardokus

Kätzisch für Anfänger (A 1)

Beim Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen braucht man eine Lingua franca, eine Kommunikationssprache. Sonst bleibt der Austausch auf nicht-sprachliche Mittel beschränkt. Gestik, Mimik und Tonfall, das berühmte Reden mit Händen und Füßen. Zwischen Menschen mag das zur Not funktionieren.

Ungemein schwieriger gestaltet sich die Verständigung zwischen Angehörigen unterschiedlicher Spezies. Um das Sprachenlernen kommt man dann nicht herum. Wie versteht man die samtpfötigen Mitbewohner?

Einen Anfang kann man mit dem kleinen Büchlein “Katze – Mensch. Mensch – Katze” von Katzenversteherin Petra Twardokus machen.

AUFBAU
Auf 127 Seiten lernt der Mensch erste Lektionen im Kätzisch. Bei einem menschlichen Sprachkurs würde man vom Level A 1 sprechen: Elementare Grundlagen werden interessant und anschaulich vermittelt. Das Buch ist dabei in zwei Abschnitte unterteilt: “Katze – Mensch” umfasst insgesamt 84 Seiten und gliedert sich in die Unterkapitel:
– Unterschiedliches Verhalten
– Ähnliches und identisches Verhalten
– Missverständliches Verhalten
– Katzenverhalten wörtlich übersetzt
– Verhalten beim Streicheln und Spielen

Danach folgt “Mensch – Katze” mit folgenden Unterpunkten:
– Unterschiedliches Verhalten
– Ähnliches und identisches Verhalten
– Missverständliches Verhalten
– Katzenregen an den Menschen
– Menschenregeln an die Katze
– Untershciedliche Katzenpersönlichkeiten
– Vorbildhaftes Katzenverhalten oder: Was Menschen von Katzen lernen können

Jedes Kapitel wird mit einer Doppelseite eingeleitet: Links findet sich der Titel, rechts eine Illustration.

Den Abschluss des Bändchens machen Informationen zur Autorin.

LAYOUT UND GRAFISCHE GESTALTUNG
Gestaltung und Illustration dieses Katzenbüchleins übernahm die Stuttgarter Graphikdesignerin Kornelia Erlewein. Die Bilder sind gelungen: Eine schwarz-weiße Katze begleitet durchgängig durch das Buch. Die Farbgestaltung ist angenehm fürs Auge und das Layout überzeugt durch Übersichtlichkeit. Farbakzente ermöglichen ein schnelles Auffinden bestimmter Informationen. Lesen und Stöbern machen so einfach Spaß.

ALLGEMEINE INFORMATIONEN
Die Informationen gehen über die reine Katzensprache hinaus. Auch typische Fragen und Probleme, die sich im Zusammenleben von Mensch und Katze ergeben, werden angesprochen. Man erfährt, wie man einen Katzbaum attraktiv platziert und wie man den Stubentiger an das neue Objekt heranführt. Interessant ist auch die Streicheltechnik bei scheuen Katzen.

KRITIK
Der originelle Titel und die Anlehnung an Wörterbücher können nicht darüber hinwegtäuschen, dass bestimmte Teile vollkommen überflüssig sind. Die Katze wird wohl kaum die Einträge auf der Suche nach Erklärungen für verstörendes menschliches Verhalten durchstöbern. Dieses unnötige Füllmaterial wirkt mitunter auch unfreiwillig belustigend. So heißt es etwa in einem Eintrag, der unterschiedliche Verhaltensweisen erläutern soll: “Die Katze macht einen Buckel […] um sich zu recken und zu strecken.” Gibt es tatsächlich jemanden, der das noch nicht wusste? Egal, wir befinden uns ja auf Anfängerlevel. Drücken wir also ein Auge zu. Dazu folgt dann die überaus erhellende Erläuterung des menschlichen Verhaltens: “Der Mensch streckt den ganzen Körper und die Arme nach oben, um sich zu dehnen”.

Falsch unter “unterschiedliches Verhalten” eingeordnet ist auch Folgendes: “Die Katze macht einen Buckel mit angelegtem Fell und drückt sich an das Bein des Menschen: Bettelgeste, um Futter oder Streicheleinheiten zu bekommen”. Über Menschen liest man: “Der Mensch schmiegt sich eher mit dem ganzen Körper einschmeichelnd an eine Person”. Abgesehen vom Buckel, worin bitte besteht der Unterschied?! Der ist eher bei Bettelgesten zu finden. Davon kann man sich in jeder x-beliebigen Fußgängerzone überzeugen. Doch leider vergisst Frau Twardokus diesen wertvollen Hinweis. Vermutlich wundern sich nach wie vor zahllose Zeitgenossen, warum Menschen mit aufgehaltener Hand, wahlweise hinter Blechbüchsen oder Tellern, vor Kaufhäusern sitzen und flehend hochgucken. Mit Anschmiegen kämen sie allerdings wahrlich nicht weiter. Stimmt, ein eindeutiger Unterschied!

Spaß beiseite. Wie sich Menschen in Alltagssituationen verhalten, wie viel ein Mensch schläft, wie eine Schwangerschaft verläuft usw. weiß zumindest der erwachsene Leser ohnehin. Ein Wörterbuch mit alleinigem Fokus auf Ausdruck und Bedeutung der Katzensprache hätte es auch getan.

Falsche Zuordnungen finden sich auch an anderer Stelle. Unter “Kratzen” erwartet man keine Hinweise zum Thema “Beißen”. Also übersieht man womöglich den durchaus hilfreichen Tipp, dass man die Hand nicht wegziehen sollte. Denn dann verhält man sich wie die Beute der Katze. Schiebt man ihr aber die Hand in den Mund, lässt die Katze irritiert los.

Bestreiten möchte ich die Aussage, dass Menschen nur extreme Gerüche wie “Kot” wahrnähmen, nicht aber den Eigenduft der Katze. Ich erkenne sehr wohl am Geruch, welche meiner Katzen in meinem Arm liegt. Auch an Blumen oder Obst wie Äpfeln und Melonen schnuppere ich sehr gern. Dinge müssen menschliche Nasenbesitzer nicht mit Gestank erschlagen, um wahrgenommen zu werden…

Weiterhin wird man mit Plattitüden gelangweilt, die eher mit Tieren allgemein, nicht aber mit Katzen zu tun haben: Katzen “streben nicht nach einer besseren Figur oder einer anderen Fellfarbe”. Sagenhaft. Das tun Maus, Hund und Känguru auch nicht.

FAZIT
Wer sich noch nie oder erst wenig mit Katzen beschäftigt hat, kann bedenkenlos zugreifen. Ich lebe seit 30 Jahren mit Katzen zusammen. Neues erfahren habe ich in diesem Büchlein nicht. Freude machen die Illustrationen und das angenehme Layout. Negativ fallen die überflüssigen, falsch zugeordneten Teile auf. Auch auf Binsenweisheiten und Allgemeinplätze als Füllstoffe kann ich gut und gerne verzichten.

(c) M. Hoevermann

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Categories: Katzen

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