“Katzenspiele (Happy Cats)” von Gabriele Müller

Spiele für alle Felle – gekauft und selbstgemacht

Es ist ein trauriges Bild, das man mit Seniorenheimen verbindet: Stunden, bevor die Mahlzeiten angesetzt sind, sitzen die Rentnerinnen und Rentner bereits fix und fertig angezogen vor dem Speisesaal. Die wenigen Aktivitäten, die zur Verfügung stehen, sind zwar kleine Highlights im Alltag. Aber sie reichen nicht, die schier endlosen Stunden zu füllen. Dabei ist prinzipiell alles vorhanden: Es gibt nahrhaftes Essen, es gibt einen gemütlichen Schlafplatz, Aufenthaltsorte, ein sauberes Bad und sogar Gesellschaft. Trotzdem reicht das allein nicht. Eintönigkeit stumpft ab, die geistigen und körperlichen Fähigkeiten verkümmern.

Genauso geht es der Wohnungskatze: Ihre Grundbedürfnisse sind erfüllt. Gefahren, wie sie draußen drohen, gibt es nicht. Aber eben auch keine Einflüsse, die das Dasein automatisch spannend gestalten. Keine neuen Düfte. Keine unerwarteten Begegnungen. Keine Welten zum Entdecken. Die Folge? Die Katze sitzt nonstop vor dem Futternapf, bekommt ihre “Fünf-Minuten” und rennt wie gestört durch die Wohnung, greift Artgenossen und Menschen an. Alles aus purer Langeweile und Unterforderung.

Das muss nicht sein! Die Tierpsychologin Gabriele Müller zeigt, dass hier vor allem die Kreativität des Menschen gefragt ist. Mit wenig Aufwand kann man dem vierbeinigen Hausgenossen ohne Freigang ein schönes Leben bereiten. Unabhängig davon, ob man vor Ort ist oder nicht. Dazu kommt: Das gemeinsame Spielen verbindet und schafft eine liebe- und vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Katze.

Die Katzenexpertin informiert über unterschiedliche Spielformen und was dahinter steckt. Denn das Spielen ist natürlich kein Selbstzweck. Damit werden (lebens)wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten trainiert und ausgefeilt. Sozialspiele etwa dienen dem Kräftemessen aber auch dem Austesten von Grenzen. Objektspiele machen fit für die Jagd, was in der Natur einen vollen Bauch bedeutet. Über das Spiel reagieren sich Katzen ab; sie zeigen darüber Erleichterung, Lebensfreude und Übermut. Bis ins hohe Alter spielen sie, wenn man es ihnen ermöglicht. Natürlich anders und nicht mehr mit der gleichen, schier unerschöpflichen Energie wie Jungtiere. Aber Angebote sollte man durchaus auch der Seniorin machen.

Manchmal fällt unfall- oder krankheitsbedingt ein Sinn aus: Auch auf behinderte Katzen geht Gabriele Müller kurz ein. Denn das ist kein Hinderungsgrund für spielerische Aktivität im Alltag.

Rücksicht nehmen sollte man in jedem Fall auf den Charakter des Stubentigers, damit das Spiel ein gelungenes Erlebnis wird. Ist er ein Abenteurer? Ein Stratege? Ein Kraftprotz? Methoden- und Spielzeugwechsel sind in jedem Fall unverzichtbar. Nach dem gemeinsamen Zeitvertreib sollte man die verwendeten Gegenstände entfernen. Dann bleiben sie interessant, wenn sie wieder hervorgeholt werden.

Käuflich zu erwerbendes Spielzeug wird in “Katzenspiele” mit Fotos vorgestellt. Allerdings: Wie oft kommt man glücklich mit dem neuesten Erwerb nach Hause, präsentiert ihn stolz der Katze – und die spielt lieber mit der Kiste, dem Einwickelpapier oder der Papiertüte, in der man ihn heimgetragen hat. Frustrierend! Aber das Buch bietet auch zahllose Anregungen, wie sich das eigene Heim mit geringem oder sogar ohne finanziellen Aufwand in eine gelungene Spielstätte umwandeln lässt. Oft kommen sogar Alltagsgegenstände zum kreativen Einsatz. Letztendlich kommt es immer auf einen Versuch an. Was die eine Katze kalt lässt, spricht die andere an. So habe ich herausgefunden, dass mein Kater es tatsächlich liebt, auf einem Bettlaken durch die Wohnung gezogen zu werden. Empfohlen wird zwar ein Läufer, aber es funktioniert genauso gut mit einem Handtuch, Laken oder Stoffrest. Auf glatten Böden wunderbar!

Begeistert haben mich die zahlreichen Bastelanregungen, die zum Nachmachen einladen. Dabei sind die Tipps sehr anschaulich und leicht umsetzbar: Stinkekissen, Catnip-Fellwürmer, Fummelbretter und spannende Angeln stellt man im Nu selbst her! Auf Katzentauglichkeit sollte man bei der Auswahl der Bestandteile natürlich achten. Also unbedingt ungiftiges Material verwenden!

Das Buch bietet viele Tipps, Checklisten und sogar Bezugsquellen aus dem Internet. Man erfährt z.B., welche Düfte Katzen betören und wo man aufpassen muss. Gerade in der kühleren Jahreszeit bereichern die Zweibeiner ihr Heim gern mit Lichtern und Duftlampen. Ein kleines Wasserschälchen, aus dem es herrlich duftet – unwiderstehlich für aufgeschlossene Vierbeiner. Allerdings dürfen die ätherischen Öle keinesfalls aufgeleckt werden.

Alles ist reichhaltig bebildert. Dabei gibt es sowohl professionelle Fotos als auch private Bilder von Katzenfreunden mit ihren vierbeinigen Freunden, die aus dem Alltag plaudern und ihre Spieltipps verraten.

Ein Buch, das Spaß macht!

(c) M. Hoevermann

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Categories: Katzen, Sachbücher

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