“Klassische Schullektüre, Klassische und moderne Kurzgeschichten” von Herbert Fuchs

Kurzgeschichten für den Deutschunterricht

Das handliche Taschenbuch umfasst insgesamt 125 Seiten und ist in sieben Kapitel eingeteilt. Im ersten finden sich acht Kurzgeschichten:

Anna Seghers: “Das Obdach”
Ernest Hemingway: “Die Killer”
Otto Flake: “Die Versuchung des Richters”
Wolfdietrich Schnurre: “Die Rückkehr”
Friedrich Hebbel: “Die Kuh”
Max Maetz: “Blekboint”
Günter Seuren: “Das Experiment”
Peter Bichsel: “San Salvador”

Das zweite Kapitel, “Kreativer Umgang mit Kurzgeschichten”, gliedert sich in die Unterpunkte “Vorgaben weiterführen”, “Vorgaben umschreiben” und “Füllen von Leerstellen” und soll Schüler/innen zum kreativen Umgang mit Kurzgeschichten ermutigen. Auch konkrete Arbeitsaufträge werden gegeben, die sich gut in den Unterricht integrieren lassen bzw. als Hausaufgaben eignen.

Das dritte Kapitel “Viel gelesene Kurzgeschichten” beinhaltet drei zusätzliche Texte, die die Herausgeber des Bandes als Muster “klassischer Kurzgeschichten” verstehen:

Wolfdietrich Schnurre: “Jenö war mein Freund”
Heinrich Böll: “Wanderer, kommst du nach Spa”
Siegfried Lenz: “Ein Freund der Regierung”

Anschließend wird der Fokus im vierten Kapitel auf die “Methoden der Interpretation” gelegt. Dieses Kapitel ist speziell für den Unterricht in der Oberstufe gedacht. Anhand der beiden Kurzgeschichten “Spiegelgeschichte” von Ilse Aichinger und “Das Judenauto” von Franz Fühmann sollen zum einen die werkimmanente, zum anderen die literatursoziologische Interpretation geübt werden. Dazu werden im Anschluss an Ilse Aichingers Text auf etwa einer Dreiviertelseite Leitfragen gegeben und Arbeitsaufgaben erteilt, mit deren Hilfe Schüler/innen eine werkimmanente Deutung vornehmen sollen.

Zum “Judenauto” gibt es darüber hinaus noch fünf zusätzliche Texte, die auf sieben Seiten die Vorurteile gegenüber Juden zur Nazizeit thematisieren. Darunter sind z.B. ein Text von Hitler sowie ein Auszug aus einem antisemitischen Kinderbuch.

Auch das nachfolgende Kapitel wendet sich in erster Linie an Schüler/innen der Oberstufe. Zu der bekannten Kurzgeschichte “Die unwürdige Greisin” von Bertolt Brecht werden diesmal Auszüge aus Interpretationen abgedruckt, die von den Lernenden analysiert, bewertet und dahingehend überprüft werden sollen, ob sie dem Ursprungstext gerecht werden.

Der Theorie der Kurzgeschichte widmet sich das sechste Kapitel, das einen Einblick in die Komplexität dieser Textsorte gewährt und die gestalterischen Aspekte in den Mittelpunkt rückt. Darunter finden sich zwei Lexikonartikel sowie Sekundärliteratur zum Aufbau, zur Personengestaltung, zur Erzählperspektive und Sprache von Kurzgeschichten.

Das siebte und letzte Kapitel schließlich definiert in knapper Form auf drei Seiten wichtige, alphabetisch geordnete Arbeitsbegriffe, z.B. “auktoriale Erzählhaltung”, “Chiffre”, “erlebte Rede” und “innerer Monolog”.

Bewertung:

Sehr gut gelungen ist die Aufmachung der einzelnen Geschichten. Sämtliche Texte sind mit Zeilenangaben versehen, was ihren Einsatz im Unterricht und auch das Zitieren deutlich erleichtert. Außerdem werden die Verfasser/innen sowohl mit einem ansprechenden, gut erkennbaren schwarz-weiß Foto sowie einer kurzen Biographie und Anmerkungen zum Gesamtwerk vorgestellt.

Auch die Zusatzmaterialien zur Einordnung und Definition der Kurzgeschichte sowie die sonstigen Quellen verdienen eine positive Erwähnung.

Allerdings bin ich mit der getroffenen Auswahl der Kurzgeschichten sowie mit der Gliederung und Aufteilung innerhalb dieses Bandes nicht vollkommen zufrieden. Zunächst einmal ist es zwar eine gute Auswahl bekannter, klassischer Texte, allerdings verstehe ich unter modernen Kurzgeschichten nun doch etwas anderes. Gabriele Wohmann z.B. sucht man hier vergeblich, ebenso wie eher ungewöhnliche Texte, die man nicht bereits aus anderen Büchern kennt.

Wer das Vorwort nicht liest, wird zudem kaum nachvollziehen können, was sich die Herausgeber bei dem dritten Kapitel gedacht haben. Statt die insgesamt 14 Texte über mehrere Kapitel zu verteilen, hätte ich es sinnvoller gefunden, wenn sie alle in einem Kapitel untergebracht und mit Zusatzaufgaben, kreativen Arbeitsvorschlägen sowie Anregungen zur werksimmanenten oder literatursoziologischen Interpretation ausgestattet wären. So hätte man beim Einsatz des Buches die Möglichkeit, jede der Geschichten entweder mit dem üblichen Instrumentarium interpretieren zu lassen oder aber den Fokus auf das Kreative bzw. spezielle Interpretationsarten zu legen.

Nichtsdestotrotz ist das Buch für den Einsatz im Deutschunterricht in höheren Klassen zu empfehlen.

(c) M. Hoevermann

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Categories: Schule & Pädagogik

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