“Miau – Katzensprache richtig deuten (Happy Cats)” von Gabriele Müller

Kätzisch fließend – Laute, Körpersprache, Geruchssignale

Die Kommunikation zwischen Mensch und Katze ist mitunter durch gewisse Missverständnisse erschwert. Wer sein Leben und seine Umgebung mit einer Katze teilt, kennt die unterschiedlichen Laute, die sie hervorbringen kann: das zärtliche, sanfte Miauen in Momenten besonderer Nähe, das Schnattern, wenn Vögel gesichtet werden oder das an Indianer-Geheul erinnernde Drohen, wenn es zwischen Artgenossen brenzlig wird. Diese Laute sind noch verhältnismäßig einfach zu deuten.

Katzen sind überaus ausdrucksstarke Wesen. In Lauten, aber auch durch Mimik, Körpersprache und Geruchssignale teilen sie sich und ihre Bedürfnisse mit. Der Mensch allerdings muss lernen, die Botschaften richtig zu verstehen und sich einlassen auf das Abenteuer Katzensprache.

Anschaulich und übersichtlich präsentiert Gabriele Müller in neun Kapiteln mit unterschiedlichen Schwerpunkten, worauf es ankommt. Anfangs geht es um die Grundlagen. Verschiedene Begrüßungsformen und typisches Katzenkindverhalten werden erläutert. In den nächsten Kapiteln wendet sich die Tierpsychologin den unterschiedlichen Lautäußerungen zu: Fauchen, Grollen, Spucken, Beißen und Kreischen – alles wird unter die Lupe genommen. Dabei besteht ein wichtiger Unterschied zwischen stimmhaften und stimmlosen Tönen.

Ihre Katze hört nicht auf den eigenen Namen? Sie kommt nicht, wenn man lockt? Das wird sich bereits nach der Lektüre der beiden ersten Kapitel ändern.

Körpersprachlichen Signalen sind zwei eigene Abschnitte gewidmet. Dabei wird zwischen entspannten Situationen und Körpersprache bei Aggression und Angst unterschieden. Man erfährt, wieso das Kennenlernen zwischen der alteingesessenen Hauskatze und einem neuen Hausgenossen zum Desaster gerät – und natürlich auch, wie man es besser machen, die Situation entspannter gestalten kann.

Kätzisch ist oft gar nicht so einfach. Besonders bei der Deutung von Geruchssignalen kommt es zu Missverständnissen zwischen Mensch und Katze, etwa, wenn die vermeintliche Samtpfote hingebungsvoll unter Kralleneinsatz das neue Sofa als ihr Eigentum markiert. Ein weiteres großes Problem ist plötzlich auftretende Unsauberkeit: Eine oder mehrere Katzentoiletten stehen zur Verfügung. Trotzdem erleichtert sich die Katze auf dem Teppich, in den Hausschuhen oder im Bett ihrer Menschen. Alles scheint mit einem Mal willkommener als die Toilette. Ist das Ausdruck von Protest? – Nein, weit gefehlt. Gabriele Müller zeigt auf, dass es sich bei dieser Deutung um ein Gerücht handelt, das sich hartnäckig hält. Dahinter steckt jedoch etwas ganz anderes. Die Autorin schildert mögliche Ursachen mit viel Einfühlungsvermögen und macht auch deutlich, warum Strafen nicht weiterhelfen, ja, sogar kontraproduktiv sind.

Die gängigsten Missverständnisse und Problemsituationen zwischen Mensch und Katze werden dargestellt. Warum reagiert die Katze abweisend bis gar nicht, wenn der Mensch nach längerer Abwesenheit nach Hause kommt? Bedeutet das Schwanzwedeln wirklich immer Freude? Warum kommt es zwischen Kindern und Katzen zu Problemen und wieso fühlen sich die Vierbeiner ausgerechnet von Menschen, die mit ihnen nichts zu tun haben wollen, magisch angezogen? Weshalb beißt die Katze beim Schmusen plötzlich zu? All diese Fragen und mehr werden beantwortet.

Besonders interessant und versehen mit sehr schönen Fotos ist das Kapitel, das sich mit der Verständigung zwischen Katzen und Artgenossen bzw. anderen Tieren befasst. Sind die Tiere jung, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie sich gut verstehen, wenn sie zusammen aufwachsen. Schwieriger ist es bei erwachsenen Tieren. Diese gewöhnen sich unter Umständen nicht mehr aneinander. Aber dass Freundschaften zwischen Katze und Hund, Katze und Hase oder auch zwischen Katzen unterschiedlicher Rassen möglich sind, wird ebenfalls eindrucksvoll gezeigt.

Das Buch ist durchgängig bebildert. Zahlreiche Beispiele tragen zur Veranschaulichung bei. Es ist sehr praxisnah und locker geschrieben, so dass die Lektüre wirklich Spaß macht. Verstärkt wird der positive Eindruck durch das lesefreundliche Layout und den wirkungsvollen Einsatz von Farbe, um Kästen mit konkreten Fragen und Antworten vom restlichen Text abzugrenzen. Darunter beispielsweise: “Was bedeutet es, wenn Kater ihren Gesang anstimmen?”, “Was ist Komfortverhalten?” oder auch “Was unterscheidet eigentlich Urinieren und Markieren?”

Auf kleinem Raum wird eine Fülle nützlicher und interessanter Informationen anschaulich dargeboten. Nach der Lektüre des Buches versteht man Katzen weitaus besser. Ein sehr schönes und nützliches Buch für Anfänger und Fortgeschrittene!

(c) M. Hoevermann

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Categories: Katzen, Sachbücher

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