Ritter des heiligen Grals [Blu-ray], Filmkritik

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Spanische Helden in deutschen Landen

Zwischen 1956 und 1968 schufen die Spanier Victor Mora und Miguel Ambrosion Zaragoza (Ambrós) die überaus erfolgreiche Comic-Serie “El Capitán Trueno”. Dieser mauserte sich in kürzester Zeit zum beliebtesten spanischen Helden aller Zeiten. Zusammen mit seinen Freunden und Weggefährten trat er seinen Siegeszug durch Italien, Griechenland, Portugal und sogar in Frankreich an. Nur nach Deutschland sind die vier Helden bislang nicht gekommen.

Dementsprechend reserviert bis feindselig gestaltet sich auch der Erstkontakt der Einheimischen mit den spanischsprachigen Fremdlingen.

“Was bitte soll das sein? Asterix und Obelix auf der Suche nach dem heiligen Gral?” Wie ein neues, bislang verschollenes Abenteuer der beiden unerschrockenen Gallier Asterix und Obelix, so mutet der eigenwillige Mittelalter/Fantasy Genre-Mix zunächst in der Tat an. Auch Erinnerungen an Bud Spencer & Terence Hill tauchen unweigerlich auf, wenn Tollpatsch Goliath, der einäugige Mitstreiter des wackeren Ritters Capitán Trueno, zu flapsigen Sprüchen die Gummikeule schwingt. Mittelalter-Kennern dürfte der Anblick der alles andere als historisch korrekten Kleidung die Augenbrauen in die Höhe schnellen lassen. Auch die geschniegelten Charaktere geben Anlass zur Heiterkeit: Frisch und fesch begegnen sie Strapazen, Mühsal, ja, sogar Folter. Haar und Make-Up sitzen. Immer. Da tanzt kein sorgsam blondiertes Strähnchen aus der zurechtfrisierten Reihe. Kein Schmutzfleck verschandelt die liebevoll zusammengebastelten Gewänder der gestylten Truppe. Den flexiblen Waffen sieht man an, dass sie besser nicht zum Kämpfen verwendet werden sollten. Und spätestens, wenn das knackig-grüne Chamäleon den Bildschirm erfrischt, fragen sich auch die letzten ausharrenden Zuschauer, die nicht wissen, dass es sich um eine Comicverfilmung handelt, was der Regisseur dieses Streifens vor dem Dreh eigentlich eingeworfen hat…

Das ganze Publikum befindet sich im Ausnahmezustand totaler Entrüstung. Das ganze Publikum? Nein! Ein paar comicverrückte “Big Bang Theory”-Enthusiasten mit dem Extra-Nerd-Faktor finden trotz des sichtlich mit geringem Budget produzierten, fehlerhaften Films wohlwollende Blicke für Regisseur und Cast. Regisseur Antonio Hernández verfilmte die Fantasy-Handlung mit Sergio Peris-Mencheta in der Hauptrolle relativ dicht an den Comicvorlagen und ermöglicht damit den vier Helden damit der Sprung auf die große Leinwand. Oder zumindest auf den heimischen Großbildfernseher. Nicht ganz gelungen ist der Versuch, aus einzelnen Geschichten eine stimmige Handlung zu entwickeln. Aber daran leiden auch einige der Asterix-Verfilmungen.

Es ist mutig, “Ritter des heiligen Grals” auf DVD und Blu-ray herauszubringen, gerade weil Comic-Held Capitán Trueno in Deutschland nahezu vollkommen unbekannt ist. Anders als von Superman, Batman, Spiderman, Green Latern oder Captain America hat man von diesem wackeren Kämpfer und seinen Mitstreitern noch nie gehört. Fraglich, ob sie nach diesem eher misslungenen Einstand hier dennoch Fuß fassen werden. Für den ersten Eindruck gibt es ja bekanntlich keine zweite Chance.

Dabei ist der Blick über den Tellerrand nicht uninteressant: Capitán Trueno ist stets bestrebt, der Welt Frieden und Gerechtigkeit zu bringen, möglichst mit wenig, im Idealfall ganz ohne Gewalt. Gemeinsam mit dem scheuen Jüngling Crispín (Adrian Lamana) und dem starken Goliath (Manuel Martínez) macht er sich auf zu seinem ersten Film-Abenteuer: Er soll den gestohlenen heiligen Gral wiederbeschaffen. König Richard selbst beauftragt Capitán Trueno mit seiner Wiederbeschaffung. Gleichzeitig sollen er und seine Gefährten die schöne und furchtlose Winkinger-Prinzessin Sigrid (Natasha Yarovenko) sicher nach Hause zu ihrem Vater geleiten.

Es versteht sich von selbst, dass die Reise alles andere als reibungslos verläuft. Mehr als einmal werden die Freunde auf eine harte Probe gestellt. In der bösen Zauberin Ariadna (Jennifer Rope) finden sie eine nicht zu unterschätzende Gegnerin…

“Ritter des heiligen Grals” will kein Historienfilm sein. Es ist vielmehr eine Mischung aus Abenteuer- und Fantasy-Film mit mittelalterlich-angehauchtem Ambiente und Rückgriff auf die Artus-Saga. Klischees, flache Dialoge, eine magere Ausstattung und die nicht immer überwältigende schauspielerische Leistung verstellen vielleicht den Blick für die durchaus sehenswerte Geschichte, die hier erzählt wird. Es geht um Freundschaft, Mut und Treue.

Fazit: Wer gewisse Anachronismen verzeihen, sich auf eine eigenwillige Interpretation des Mittelalters und eine mit kleinem Budget umgesetzte Produktion einlassen kann, erlebt ein durchaus sehenswertes, witziges Abenteuer mit neuen, bislang in unseren Landen unbekannten Helden. Für Kenner der Comics ist der Film auf jeden Fall zu empfehlen.

Der Film liegt im spanischen Original und in deutscher Synchronisation vor. Deutsche Untertitel sind wahlweise einblendbar.

(c) M. Hoevermann

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