“Vegan grillen: Köstliche Rezepte fürs Grillvergnügen” von Heike Kügler-Anger (Rezension)

Vegane Gaumenschmeichler vom Grill

Die warme Jahreszeit steht vor der Tür: Abends bleibt es länger hell, es ist wunderbar warm, ein laues Lüftchen weht. Und irgendwann kommt jemand auf die Idee, den Grill hervorzuholen. Schließlich schmeckt das Essen im Freien besonders gut. Kühle Getränke, nette Leute, vielleicht ein bisschen Musik, der Duft von Blumen… Allein der Gedanke ist herrlich! Auch wer tierische Produkte meidet, muss nicht auf Verführerisches vom Grill verzichten.

Dass veganes Grillen keinesfalls langweilig sein muss, zeigt Heike Kügler-Anger in ihrem neuesten Buch. Im Vordergrund stehen dabei Fantasie, naturbelassene Zutaten und farbenfrohe Köstlichkeiten rund um den Erdball, die nicht nur toll aussehen und fantastisch schmecken: Sie sind auch noch gesund!

Von knackig-frisch über herzhaft-würzig bis zu herrlich-süß ist alles an Gaumenfreuden dabei: abwechslungsreiche Spieße, würzige Gemüsepäckchen, und, und und…

Letztendlich bietet das Buch Anregungen für Grillbegeisterte aller Nahrungsvorlieben. Immer nur Würstchen und Steak? Das wird schnell langweilig! Mit diesen kreativen Rezeptideen lassen sich auch erklärte Gemüsemuffel vielleicht zur einen oder anderen vitaminreichen Köstlichkeit verlocken.

Die Autorin versteht es, mit ihrem Enthusiasmus zu begeistern, und bettet ihre Kochrezepte stets in eigene Erfahrungen ein. Das verleiht ihren Büchern etwas ungemein Persönliches, sodass man sie einfach gern zur Hand nimmt. “Vegan grillen. Köstliche Rezepte fürs Grillvergnügen” beginnt mit einem vergnüglichen Blick in die Geschichte Heike Kügler-Angers, die lange Zeit ein eher gespaltenes Verhältnis zu dieser Art der Nahrungszubereitung hatte. Gut essen und grillen, das schien ein Widerspruch zu sein. Was gab es jenseits von Fleisch und Fisch schon außer geröstetes Brot und Tomaten? Kein Wunder, dass sie als Kind bei dem mageren Speiseangebot lieber auf Grillpartys verzichtet hat. Für ihr neues Buch hat sie sich nun selbst an den Grill gewagt. Denn natürlich wusste sie als versierte Kennerin und Meisterin der veganen Küche: Es geht auch anders!

Leicht zugänglich, sogar für absolute Grill-Neulinge, beginnt eine schmackhafte Erlebnistour. Sie informiert anschaulich über Grillmöglichkeiten und Geräte, zeigt das Pro und Contra unterschiedlichen Brennmaterials und gibt Antworten auf zahlreiche Fragen: Wann legt man eigentlich das Grillgut auf? Welche Anzündhilfen sind sinnvoll? Wie grillt man sicher, auch mit kleinen Kindern? Wie viel Lärm darf man eigentlich machen? Und lässt sich der Einsatz von Alufolie eventuell umgehen?

Viele Gemüsegerichte entfalten bekanntlich einen besonders intensiven Geschmack, wenn sie verschlossen im eigenen Saft garen. Also wird meistens die Aluminiumfolie ausgepackt. Herstellung und Entsorgung sind allerdings energieaufwendig. Außerdem fallen bei der Erzeugung giftige Abfallprodukte an. Wer auf Aluminiumfolie dennoch nicht verzichten mag oder kann, sollte ein Produkt aus 100 % Recycling-Material wählen und es nach Gebrauch über den gelben Sack entsorgen.  Aber mit einem bisschen Kreativität lässt sich ihr Einsatz verhindern oder zumindest reduzieren. Einige Nahrungsmittel wie Kartoffeln legt man ohnehin gleich in der Schale auf den Grill. Auch kleine Pfännchen aus Gusseisen oder Edelstahl-Auflaufformen lassen sich einsetzen. Exotisch wird es in Bananenblättern: Darin eingeschlagen und mit Zahnstochern gesichert machen Gemüsepäckchen auch optisch einiges her. Praktisch, wiederverwendbar und schön! Mit den Garzeiten muss man natürlich ein bisschen experimentieren, aber auch dazu gibt die Autorin gute Tipps. Bezugsquellen für alles rund ums Grillen sind immer wieder im Text, aber auch in einem Kleinen Einkaufsführer zu finden.

Die Rezepte lassen einem schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen: Auberginen-Tomaten-Päckchen, Mexiko-Päckchen mit Bohnen und Mais, Paprika-Brokkoli-Spieße, Pilz-Bananen-Spieße mit Harissa, Pizza-Polenta am Spieß, gefüllte Zwiebel-Fladenbrote, würzige Bierknorren, hausgemachte Mayonnaise, heiße Mandel-Aprikosen, gefüllte Schokobirnen, Zimtschnecken mit Mandeln, Marzipan-Schoko-Hörnchen… Dazu Dips und Saucen und Salate. Ein Paradies für Gern- und Gutesser!

Übrigens: Viele Gerichten sind entweder ohnehin ohne Soja oder lassen sich problemlos anders zubereiten. Ausgenommen davon sind natürlich die Tofu-Spezialitäten, darunter Barbecue-Tofu am Spieß, mit Basilikumtofu gefüllte Tomaten oder Kartoffel-Tofu-Päckchen.

Ein Rezepte-Index gibt einen guten Überblick über die Speisen und hilft beim Wiederfinden geliebter Köstlichkeiten.

Der pala-Verlag sticht durch Umweltfreundlichkeit hervor: Gedruckt ist das gesamte Buch auf 100 % Recyclingpapier. Druck und Produktionsprozess verursachen natürlich dennoch einen CO²-Ausstoß, für den der Verlag eine Klimaabgabe entrichtet. Diese fließt in ein Windparkprojekt in der Marmara-Region in der Türkei. Fotos gibt es in den Bänden des pala-Verlags generell nicht; dafür ist alles liebevoll mit kleinen schwarz-weiß-Zeichnungen gekonnt von Margret Schneevoigt illustriert.

Heike Kügler-Anger stammt ursprünglich aus dem nördlichen Ruhrgebiet, ist aber inzwischen im Odenwald heimisch geworden. Testesser und zweifellos auch Chef-Kritiker ist ihr Ehemann. Dank ihres neuen Buches wissen wir nun auch, was die beiden letzten Sommer getan haben: im Odenwald die Kohlen zum Glühen gebracht! Vielen Dank für dieses gelungene, schöne Buch!

(c) M. Hoevermann

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Categories: Ernährung, Kochbücher, Sachbücher

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