“Vegane Köstlichkeiten – libanesisch” von Abla Maalouf-Tamer

Ahlan wa sahlan – Willkommen in der libanesischen Küche!

Die meisten Menschen kennen den Libanon vor allem aus den Nachrichten; unweigerlich tauchen negative Schlagwörter, Bilder und Assoziationen auf. Das jedoch führt dazu, dass man sich kaum mit seiner Geschichte und reichhaltigen Kultur auseinandersetzt, geschweige denn, mit der libanesischen Küche beschäftigt. Dabei gibt es für Veganer dort einiges zu entdecken! In dem kleinen Land in Vorderasien, das gerade einmal halb so groß ist wie Hessen, wird nämlich häufig generell auf tierische Produkte verzichtet. Einerseits hängt das mit den zahlreichen christlichen Fastenzeiten zusammen, die nur den Verzehr pflanzlicher Lebensmittel erlauben; Angehörige der orthodoxen Kirche fasten etwa ein halbes Jahr. Andererseits sind diese Nahrungsmittel jederzeit verfügbar, denn Salate und Gemüsesorten gehören zu den Hauptanbauprodukten des Libanon. – Ein Paradies für Veganer, Vegetarier und alle, die sich gesund, bewusst und vielseitig ernähren wollen.

Über 100 orientalische, abwechslungsreiche Rezepte präsentiert Abla Maalouf-Tamer in ihrem Buch “Vegane Köstlichkeiten – libanesisch”. Für uns öffnet die gebürtige Libanesin die Töpfe und Pfannen ihres Heimatlandes, weiht uns in alte Familienrezepte ein und nimmt uns mit auf eine schmackhafte Reise.

Eingebettet sind die Rezepte in Informationen über Kultur, Land, Leute und Gepflogenheiten; es gibt Tipps, Menüvorschläge und eine kleine Warenkunde, sodass das Kochen wirklich zu einer Begegnung mit der libanesischen Kultur und ihrer hochwertigen Küche wird. Immer wieder finden sich auch persönliche Erzählungen und Kommentare der Autorin, wodurch das Buch eine ganz persönliche Note bekommt.

Besonders schön: Kompliziert ist es nicht, libanesisch zu kochen. Das, was man an Grundzutaten benötigt, hat man meistens ohnehin in der veganen Vorratskammer oder aber es ist problemlos zu besorgen. Die meiste Zeit verwendet man mit dem Kleinschneiden der Zutaten. – Und dann kann es losgehen mit einem ganz besonderen kulinarischen Genuss!

LIBANESISCHE ESSKULTUR
Essen findet in der arabischen Welt generell in Gesellschaft statt. Man sitzt mit Familie und Freunden gemütlich in der Küche, kommuniziert, nimmt den einen oder anderen Zug aus der Wasserpfeife – und verbringt besonders mit dem Abendessen eine lange, unterhaltsame Zeit. Essen ist Genuss.

Bestimmt wird der erste Gang von den Mezza, den – meistens veganen – Vorspeisen, von denen durchaus vierzig verschiedene aufgetafelt werden. Dazu zählen Salate, gefüllte Teigtaschen und unterschiedlich zubereitete Gemüsesorten. “Tabbouleh” wird dabei als “Königin der Vorspeisen” bezeichnet: Dahinter verbirgt sich ein Salat aus Blattpetersilie vermischt mit frischer Minze, Bulgur, Tomatenstückchen und Zwiebeln.

Was bei Tisch niemals fehlt, ist hauchdünnes Fladenbrot, das zu einer kleinen Schaufel geformt als Löffel verwendet wird. Damit bedient man sich von den Speisen. Entweder man kostet nach Herzenslust die Mezza und wendet sich dann gleich dem Nachtisch zu, oder aber man verzehrt zwischendurch noch ein Hauptgericht.

Zum Nachtisch gibt es frisches Obst und Süßigkeiten; den Abschluss bildet eine Tasse Kaffee.

AUFBAU DES BUCHES
Zunächst informiert die Autorin anschaulich über den Libanon und vermittelt grundlegende, landeskundliche Informationen. Dieses Kapitel macht Lust auf das Land und weckt Neugier auf diese uns so fremde Kultur. Anschließend wendet sich Abla Maalouf-Tamer der libanesischen Küche zu und erläutert Essgewohntheiten, Tischkultur und die wesentlichen Gewürze, die bei der Zubereitung der Menüs verwendet werden. Typische Getränke werden dabei ebenfalls erwähnt wie auch Fleisch- und Fischgerichte. (Letztere tauchen natürlich nicht innerhalb der Rezepte auf.)

Zusätzlich verrät die Autorin, in welchen Regionen bzw. Orten besondere Spezialitäten zu bekommen sind. Falls man den Libanon bereist, kann man sich vor Ort entsprechend eindecken oder diese Speisen zubereitet genießen. Zur besseren Orientierung sind all die erwähnten Städte auf einer Landkarte verzeichnet, so dass man sich ein Bild davon machen kann, wo eigentlich was genau liegt, ohne extra einen Atlas hervorholen zu müssen.

Kulturell Interessierte werden sich über die Einblicke in Essgewohnheiten und Tischkultur freuen. Was wird eigentlich wann wie verzehrt? Warum ist die Mönchssuppe gerade an Karfreitag so beliebt, und weshalb sollten die Beilagen entweder bitter oder sauer schmecken? Was trinkt man im Libanon üblicherweise zum Frühstück? Wie sieht ein libanesisches Festtagsmenü aus? All das erfährt man auf unterhaltsame, anschauliche Art und Weise.

Wer seine Gäste hierzulande nicht nur mit dem Essen selbst, sondern auch mit Sprachkenntnissen beeindrucken will, greift am besten auf das “Kleine Lexikon” zurück; es enthält wichtige Worte wie “Prost”, “Auf eure Gesundheit!” oder “Danke”, wodurch ein kleiner Einblick in die arabische Sprache gegeben wird.

Dann folgen die eigentlichen Rezepte. Die diversen Speisen sind übersichtlich in Kategorien gegliedert: “Suppen”, “Saucen”, “Salate”, “Vorspeisen”, “Beilagen”, “Hauptgerichte”, “Nachspeisen” und “Getränke”.

Daran anschließend gibt es liebevoll aufeinander abgestimmte Menüvorschläge. In der “Kleinen Warenkunde” werden von A wie der Anisschnaps “Arak” – das libanesische Nationalgetränk – bis Z wie “Zaater”, auf Deutsch “Thymian”, wichtige Zutaten noch einmal kompakt erklärt. Auch Tipps, wo man diese käuflich erwerben kann, sind enthalten. Zuletzt gibt es einen praktischen Rezepteindex.

DIE REZEPTE
Jedes Rezept wird zunächst auf Deutsch, dann auf Arabisch (in lateinischen Buchstaben) genannt. Rechts davon sieht man den Namen dann in arabischen Schriftzeiten. Das verleiht dem Buch ein einmaliges orientalisches Flair.

Bevor es mit der Zutatenliste losgeht, wird stets die Zubereitungszeit genannt, was die Menüplanung erleichtert. Daran schließt sich eine verständliche Anleitung an. Nahezu immer dabei: hilfreiche Tipps zur Zubereitung, Küchenpraxis oder Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Speisen.

Bei den Saucen sind Granatapfelsirupsauce (Zubereitungszeit: 10 Minuten) oder die Tahina-Koriander-Sauce (Zubereitungszeit: 20 Minuten) eine leckere, ungewöhnliche Gaumenfreude zu gebratenem Gemüse! Nicht mehr verzichten möchte ich auf den “Artischockensalat” und “Tabboule mit Kichererbsen”. Einfache Gerichte, im Nullkommanichts zubereitet – und sehr, sehr lecker!

Bei den Vorspeisen finden sich z.B. “Gefüllte Mongoldblätter”, “Grüne dicke Bohnen” oder “Spinattaschen”; die Beilagen bieten “Okragemüse”, “Petersilienpfannkuchen” oder Zucchinipuffer. Bei den Hauptgerichten präsentiert Abla Maalouf-Tamer unter anderem einen “Auberginen-Reis-Topf”, “Fechelgemüse mit Kichererbsen” oder “Überbackenes Gemüse”.

Ganz generell sind die Gerichte unkompliziert, bekommen aber durch Zusammenstellung und Würze Raffinesse und einen besonderen Pfiff.

Schließlich folgen die Nachspeisen, bei denen Leckermäuler voll auf ihre Kosten kommen. Süßes ist einfach ein Muss und gehört zum krönenden Abschluss einer guter Mahlzeit, egal, ob diese mittags oder abends eingenommen wird. Schnell zubereitet sind “Gefüllte Datteln” oder ein süßer “Reis-Gewürz-Pudding”; für “Nusstaschen” oder “Zuckertaler” muss man etwas mehr Zeit einkalkulieren, weil der Teig allein eine halbe Stunde Ruhezeit benötigt. Doch es lohnt sich! Wer ein nicht ganz so mächtiges Dessert servieren möchte, kann natürlich auch auf “Obstsalat” zurückgreifen.

Rezepte für Tee, Kaffee, Limonade und heiße Schokolade bilden den gelungenen Abschluss dieses schönen Kochbuches.

GESTALTUNG UND LAYOUT
Was die Bände des Pala-Verlages so einmalig macht, ist die individuelle, persönliche Note. Auch in “Vegane Köstlichkeiten – libanesisch” finden sich besondere, wunderschön anzusehende Illustrationen, die durch das Buch begleiten.

KLIMA- UND UMWELTSCHUTZ
Bei der Buchproduktion selbst wird auf Klimaschutz geachtet: Die Bücher sind klimaneutral hergestellt und auf Recycling-Papier gedruckt. Die Klimaabgabe, die der Verlag zahlt, um den CO 2-Ausstoß auszugleichen, geht an ein Windparkprojekt in der Marmara-Region in der Türkei.

FAZIT
Besser kann man es wirklich nicht machen! Ein wunderbares Buch für alle, die kulinarisch gern Neues ausprobieren und sich dabei gesund, vitaminreich und umweltbewusst ernähren möchten!

(c) M. Hoevermann

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Categories: Ernährung, Kochbücher, Sachbücher

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