“Veganes fürs Fest: Weihnachtliche Rezepte aus aller Welt” von Heike Kügler-Anger

Veganes Weihnachtsfest – traumhaft lecker

Dieses Büchlein ist zauberhaft: Köstlichkeiten, ganz ohne tierische Produkte, präsentiert Koch-Koryphäe Heike Kügler-Anger in ihrem neuen Buch “Veganes fürs Fest: Weihnachtliches aus aller Welt”. Es ist beeindruckend, wie viele warmherzige Worte, Anregungen, Tipps und vor allem natürlich abwechslungsreiche Rezepte in diesem liebevoll illustrierten Bändchen stecken! Veganer werden es lieben, Vegetarier und Fleischesser ermutigt, sich experimentierfreudig auf das Abenteuer vegane Küche einzulassen. Vielfältig und schmackhaft geht die kulinarische Reise um die Welt: Mehr als 80 Rezepte ‘ von traditionell bis innovativ ‘ warten auf 160 Seiten darauf, entdeckt, nachgekocht und genossen zu werden.

Stimmungsvolle Illustrationen, Zitate aus berühmten Weihnachtsgedichten der Weltliteratur und das angenehme Layout machen das Buch zu einem wunderbaren Geschenk für alle, die gern verantwortungsbewusst kochen und schöne Bücher schätzen.

INHALT UND AUFBAU
Nach einem persönlichen, vergnüglich zu lesenden Vorwort der Autorin folgen zunächst generelle Hinweise zu den Rezepten sowie den verwendeten Mengenangaben, und dann werden auch schon die enthaltenen Gerichte präsentiert: Von “Vorspeisen und Salaten” , z.B. “Chicoréesalat mit Birnen, Trauben und Nüssen”, über köstliche Suppen – hier ist besonders die “Bolivianische Erdnusssuppe” ein echter Geheimtipp – bis zu festlichen Hauptgerichten wie den schwedischen ‘Linsen-Nuss-Bällchen’ oder diversen Braten ist alles dabei.

Schnell zeigt sich, rein pflanzliche Produkte müssen sich absolut nicht verstecken, was festlichen Genuss angeht: Zur Menüauswahl stehen zum Beispiel “Drei-Nuss-Braten in Blätterteighülle”, “Pilz-Maronen-Pastete” und “Sahniges Pilzrahmragout”. Oder darf es exotischer sein? Wie wäre es mit Japanisch? Heike Kügler-Anger präsentiert mit dem “Shabu-Shabu-Fondue” ein traditionelles Gericht aus dem Reich der aufgehenden Sonne, das asiatisches Flair nach Hause holt. Bestehend aus klein geschnittenem Gemüse wird es kurz in Brühe gegart und dann mit köstlichen Soßen verfeinert. Kombiniert werden kann es natürlich mit Tofu, Reis oder Gemüse. Ganz nach Wunsch.

Eigene Kapitel widmen sich “Getreidebeilagen und Kartoffelbeilagen”, “Gemüsebeilagen”, “Saucen und Tunken”, “Desserts” sowie diversen weihnachtlichen Getränken. Abgerundet wird das Buch durch einen Rezepteindex, mit dem sich Lieblingsgerichte schnell wiederfinden lassen.

So zaubert man Gerichte, die Verwandte und Freunde beeindrucken – ganz ohne Fleisch und tierische Produkte! Von eher einfachen bis zu anspruchsvollen Speisen ist alles dabei.

GESTALTUNG UND LAYOUT
Die Präsentation der Rezepte ist übersichtlich und durchdacht: Den Anfang macht die Zutatenliste mit genauen Angaben, die in der Regel für vier Personen berechnet sind. Was eingekauft werden muss, erfasst man so auf einen Blick. Dann folgt detailliert Schritt für Schritt die Anleitung zur Zubereitung, der auch Anfänger/innen leicht folgen können. Besonders wertvoll sind die Tipps, die Frau Kügler-Anger zusätzlich gibt. Diese finden sich grau unterlegt in einem kleinen Kasten unterhalb der Rezepte.

Die Weihnachtsgedichten entnommenen Zitate sind dezent eingebaut, nennen Namen und Lebensdaten der Dichter und finden sich so platziert, dass sie das eigentliche Rezept nicht stören oder davon ablenken. Jede Seite des Buches wird zudem durch kleine, weihnachtliche Zeichnungen der Künstlerin Sabine Metz bereichert, so dass sich das Handwerkliche mit dem Kreativ-Künstlerischen zu einem harmonischen Ganzen verbindet.

TIPPS
Innerhalb der Tipps lassen sich unter anderem raffinierte Kombinationsmöglichkeiten entdecken; so passen die “Ausgebackenen Champignons im Teigmantel” besonders gut zu der “Knoblauchtunke” und können mit Ciabatta gereicht werden. Hier bekommt auch jemand in der (veganen) Küche weniger Geübtes konkrete Unterstützung bei der Menügestaltung. Schließlich soll am Ende alles zusammenpassen!

Die kleinen Hinweise zur Zubereitung sind ebenfalls eine hervorragende Hilfe. Wer Rote Beete anbieten möchte, sollte wissen, dass man ordentlich salzen darf, damit sie den Geschmack auch tatsächlich aufnimmt – oder einkalkulieren, dass unter Umständen die Hand des einen oder anderen Gastes zum Salzstreuer greift.

Zusätzlich wird man auf eine mögliche Resteverwertung aufmerksam gemacht. Was kann später – sollte denn wirklich etwas übrig bleiben – eingefroren, was aufgewärmt werden? Wie lange halten sich die Speisen generell?

Letztendlich wird auch die eine oder andere Wissenslücke geschlossen: Woher der rote Reis seine Farbe bekommt, wie man bei der Herstellung von Mayonnaise Kalorien einspart oder was man bei einem Sorbets beachten sollte, weiß man nach der Lektüre ebenso wie die Zusammenstellung herrlich fruchtiger Cocktails ohne Alkohol.

Erfreulich ist, dass – abgesehen von einer einzigen Ausnahme – bei der Zubereitung der Speisen vollkommen auf Soja verzichtet wird bzw. werden kann. Nicht jeder mag den Geschmack; Allergiker müssen es häufig sogar notgedrungen von ihrem Speiseplan entfernen… Es schmeckt mit, es schmeckt ohne – hier lässt sich individuell nach eigenem Gusto und Bedürfnis vorgehen.

KOCHERFAHRUNG
Ich habe beschlossen, ein paar der Gerichte sofort auszuprobieren, auch wenn das Fest der Feste zeitlich noch in einiger Ferne liegt.

Mein Sonntagsmenü:
Vorspeise: “Bolivianische Erdnusssuppe”
Hauptgericht: “Drei-Nuss-Braten in Blätterteighülle”, ‘Feine Bratensauce’ und als Beilage ‘Kartoffelklöße mit Croûtonfüllung’ und Mischgemüse (eigenes Rezept)
Nachtisch: ‘Arabische Sesam-Mandel-Creme’

Bei der Zubereitung habe ich mich weitgehend an die Anleitungen gehalten, bei den Gewürzen und Kräutern allerdings etwas variiert, wozu die Autorin ausdrücklich ermutigt. Den Sojadrink habe ich durch Reisdrink, die Sojasahne (bei der Suppe) durch Hafersahne ersetzt. Aus Zeitgründen stammte der Blätterteig für den “Drei-Nuss-Braten’ aus der Tiefkühltruhe, und in der Croûtonfüllung der Kartoffelklöße steckte statt der empfohlenen Scheibe Vollkornbrot ein zerkleinertes, übrig gebliebenes Brötchen.

Von dem Ergebnis waren meine Familie und ich begeistert: Ein überaus leckeres Essen, das man nicht nur zu Weihnachten genießen kann! Die “Bolivianische Erdnusssuppe” bekommt einen Stammplatz auf dem heimischen Speiseplan. Besonders hübsch sieht sie beim Anrichten aus, wenn man zur Dekoration ein paar Schnittlauchhalme darüber legt. Bei dem Dessert sollte man lieber mehr als drei Stunden im Kühlschrank einkalkulieren, außer man stellt ihn sehr kalt. Besser ist wirklich, wenn man der Nachspeise eine Nacht gibt, um richtig auszukühlen.

FAZIT
Kochen mit diesem Büchlein wird zu einem kulinarischen Erlebnis, dessen Ergebnis alle Sinne anspricht: Der Duft, das Aussehen, der Geschmack, das Aufnehmen und Essen der Speisen – all das verbindet sich zu einem einmaligen, festlichen Genuss. Dazu kommt das gute Gefühl, kein Tier auf dem Gewissen zu haben.

“Bleiben Sie gelassen”, rät die Autorin. Gerade so, als hätte sie geahnt, dass zumindest eine ihrer Leserinnen in der Küche eine wirbelnde Chaotin ist, die panisch immer damit rechnet, dass doch noch etwas schief geht. Eine Sorge, die sich als unbegründet erwiesen hat. Alles, was man tun muss, ist tatsächlich, sich an das Rezept, die Anweisungen und die Tipps zu halten – und bei den Gewürzen und Kräutern kann man auch mal mutiger oder vorsichtiger sein, je nachdem. Ein Buch, das Freude macht und die eigene Küche bereichert, egal, ob man schon vegan lebt, sich auf dem Weg dorthin befindet oder einfach Lust auf etwas Neues verspürt. Denn “Alle Jahre wieder” muss sich nicht zwangsläufig auch auf das Essen beziehen.

(c) M. Hoevermann

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Categories: Ernährung, Kochbücher, Sachbücher

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