“Zufriedene Stubentiger: Wohnungskatzen richtig halten (Happy Cats)” von Nina Ernst

Zufriedenheit im häuslichen Revier

Viele Menschen möchten mit einer Katze zusammenzuleben. Aber geht das, wenn man nur eine Wohnung zur Verfügung hat? Auf der einen Seite bedeutet es Sicherheit für den vierfüßigen Mitbewohner: Die Katze ist nicht in Gefahr, in Unfälle verwickelt oder von Menschen verletzt zu werden. Auch Krankheiten sind seltener. Auf der anderen Seite fehlt es drinnen schnell an Abwechslung. Es gibt keine spannenden Gegenden zu entdecken, keine neuen Düfte, keine Begegnungen, keine Bäume.

Um einer Katze ein glückliches, abwechslungsreiches Leben in der Wohnung zu bieten, muss man aktiv werden. Wie, das verrät Journalistin und Katzenkennerin Nina Ernst in ihrem gelungenen Buch “Zufriedene Stubentiger” auf 94 Seiten.

Sechs Kapitel widmen sich den wesentlichen Aspekten des Zusammenlebens zwischen Mensch und Samtpfote: “Vom Wildtier zum Kuscheltiger” informiert über die große Verehrung von Katzen im alten Ägypten und über ihre gnadenlose Verfolgung im Mittelalter. Es veranschaulicht ihren Siegeszug als Lieblingshausbewohner und ihre Bedeutung in der Populärkultur.

Nach diesem interessanten Einblick geht es weiter zu “Katzen in der Wohnung”. Welche Katze passt zu welchem Menschen? Worauf muss man sich einstellen? Soll es eher eine junge Katze sein oder kommt auch eine erwachsene bzw. ältere Katze in Frage? Sehr gut ist, dass Nina Ernst bei aller Begeisterung für niedliche verspielte Katzenbabys auch für eine zweite Chance für Senioren ab 10 Jahren wirbt.

Immerhin bringt ein Baby auch Unruhe ins Haus: Alles wird gejagt. Man findet Pflanzen ausgegraben oder umgestoßen. In einem unbeobachteten Moment krabbelt der neue Hausbewohner an der teuren Gardine nach oben oder trainiert die Krallen am exklusiven Sofa.

Eine ältere Katze ist bereits eine gefestigte Persönlichkeit, die sich zu bewegen weiß. Viele Probleme stellen sich gar nicht erst.

Das Kapitel gibt wertvolle Hinweise zum Katzenkauf. Man erfährt, wie man für genug Flüssigkeitszufuhr sorgt, denn der Wasserbedarf einer Katze sollte nicht unterschätzt werden. Welche Lebensmittel sind tabu? Was eigent sich als leckeres Häppchen zwischendurch? Auch darauf findet man Antworten. Ein großer Teil widmet sich der optimalen Gesundheitsvorsorge.

Katzen haftet der Ruf an, einzelgängerisch zu sein. Allerdings stimmt das nicht. Sie genießen die Anwesenheit von Artgenossen durchaus. Ist der Mensch nicht zu Hause, steht so trotzdem ein interessantes Gegenüber zur Verfügung. Doch nicht immer glückt das Zusammenleben auf Anhieb. Die Zugehörigkeit zur gleichen Art bedeutet schließlich nicht automatisch gegenseitige Sympathie. Wie es trotzdem gelingt, zwei Katzen aneinander zu gewöhnen, schildert das Kapitel “Katzen in Gesellschaft”.

Von dem Gedanken der Selbstbestimmung in den eigenen vier Wänden kann der Mensch gleich Abstand nehmen: Man hat nun einen (oder mehrere) eigenwilligen Mitbewohner, und die Wohnung wandelt sich zum Revier. Wie sollte eine schöne,katzengerechte Umgebung aussehen? Wo lauern Gefahren? Gerade dieser Punkt ist unbedingt ernstzunehmen. Nicht unterschätzen sollte man etwa angekippte Fenster. Draußen riecht es gut. Die Luft ist frisch. Der Verlockung zu widerstehen, unmöglich. Und schon schieben sie den Kopf zwischen Fensterrahmen und Wand. Viele Katzen haben sich so selbst stranguliert. Man sollte also unbedingt Schutzgitter verwenden. Auch bestimmte, für Katzen giftige Zimmerpflanzen können zu echten Problemen führen.

“Gemeinsam leben” gibt knappe Einblicke in die Katzensprache, Alltagsgestaltung und Unterhaltungsmöglichkeiten von Katzen. Es bietet Tipps, wie man dem Stubentiger auch bei wenig Zeit und viel Arbeit Abwechslung bieten kann. Damit die Wohngemeinschaft gelingt, sind auch Lob und Tadel wichtig. Immerhin gibt es ein paar Regeln zu beachten, auf beiden Seiten.

Man bekommt konkrete Hinweise, wie man mit unerwünschtem Verhalten umgehen sollte, wie man reagiert, wenn es der Katze nicht gut geht und was zu tun ist, “Wenn der Haussegen schief hängt”. Bekannte Probleme werden angesprochen, darunter Markieren und Urinieren, Kämpfe unter Artgenossen und Angriffe auf menschliche Bewohner. Nina Ernst bietet hierzu Erklärungen und konkrete Lösungsvorschläge. Auch erfahrene Katzenkenner lernen hier noch das eine oder andere dazu.

Alles in allem ein hübsches, praktisches und alltagsnahes Buch. Vieles lässt sich sofort umsetzen. Die gelungenen Fotos machen Freude und zeigen Katzen mit viel Einfühlungsvermögen von ihrer schönsten Seite. Langweilige Standard-Bilder findet man hier nicht. Das hochwertige Glanzpapier, der scharfe Druck und das lebendige, moderne Layout machen “Zufriedene Stubentiger” zu einer angenehmen Lektüre, aber auch zu einem wunderbaren Geschenk.

(c) M. Hoevermann

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Categories: Katzen, Sachbücher

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