“Die Abenteuer des Sherlock Holmes: Der blaue Karfunkel & Das gesprenkelte Band”, Hörbuch (Rezension)

Meisterhaft gelesen: Die Abenteuer von Sherlock Holmes und Dr. Watson in ungekürzter Originalversion

Der blaue Karfunkel

Acht Jahre zeichnet Watson nun schon die Fälle seines Freundes Sherlock Holmes gewissenhaft auf. Mehr als 70 Fälle sind es bereits, allesamt tragisch, komisch oder auch seltsam. Gewöhnlich allerdings ist kein einziger davon, denn Holmes geht es nicht um Geld.

“Die Abenteuer des Sherlock Holmes” sind ursprünglich eine Sammlung von zwölf Kurzgeschichten aus der Feder des schottischen Autors Arthur Conan Doyle. Veröffentlicht wurden sie erstmals zwischen Juli 1891 und Juni 1892 im Strand Magazine, der damals führenden Literaturzeitschrift Großbritanniens. Im Oktober 1892 wurde dann ein Sammelband mit Illustrationen von Sidney Paget in Großbritannien und den USA veröffentlicht.

Diese Kurzgeschichten hat Satiriker und Synchronsprecher Oliver Kalkofe ungekürzt in der ausgezeichneten Übersetzung von Gisbert Haefs eingelesen. Anders als bei szenischen Lesungen gibt es weder eine musikalische Untermalung noch Geräusche. Das tut dem Hörvergnügen jedoch keinen Abbruch: Oliver Kalkofe ist ein hervorragender, sehr lebendiger Vorleser. Er versteht es, den Charakteren eigene Züge zu verleihen und ihre Emotionen gekonnt in seiner Stimme zu spiegeln. Auch der leicht amüsierte Unterton, mit dem er als Dr. Watson die Ermittlungsarbeit seines über alles geschätzten Freundes im viktorianischen London des 19. Jahrhundert begleitet und für die Hörer lebendig werden lässt, passt hervorragend zu seiner beschwingten Lesart. Ein einmaliges Hörvergnügen, dass man sich als Holmes-Kenner und Kalkofe-Fan nicht entgehen lassen sollte!

“Ein Skandal in Böhmen” (“A Scandal in Bohemia”) war die erste veröffentlichte Kurzgeschichte um Sherlock Holmes und Dr. Watson. Sie erschien im Juli 1891 und knüpft inhaltlich an die Geschehnisse in dem Roman “Das Zeichen der Vier” an: Dr. Watson, Biograph und unerschütterlicher Weggefährte des berühmtesten Detektivs aller Zeiten, ist inzwischen aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, hat geheiratet und seine eigentliche Tätigkeit als Arzt wieder aufgenommen. Doch hindert ihn das nicht daran, seinen alten Freund zu besuchen… Chronologisch geht es einen Monat später mit der Kurzgeschichte “Die Liga der Rotschöpfe” (“The Red-Headed League”) weiter. Erst mit “Das gesprenkelte Band” verlegt der Autor die Geschehnisse zeitlich vor Watsons Heirat zurück und widmet sich der Zeit, in der sie die Wohnung in der Baker Street 221 b teilten.

“Der blaue Karfunkel”

Als Watson seinen Freund am zweiten Weihnachtstag besucht, um seine guten Wünsche zu überbringen, ist dieser überaus angetan. Denn er ist natürlich – wie könnte es auch anders sein – längst in einen neuen Fall verstrickt und braucht seinen pragmatischen Gefährten, um seine Gedanken zu ordnen. Am knisternden Feuer sitzen die Freunde an diesem klirrend kalten Morgen Seite an Seite, denken zurück an vergangene Fälle und widmen sich schließlich dem aktuellen intellektuellen Problem: einem gefundenen Hut.

Vorbeigebracht hat ihn der Hotelportier Peterson, ein überaus ehrlicher Mann, der am ersten Weihnachtstag Zeuge eines Überfalls wurde. Er griff ein. Alle Beteiligten flohen, doch verlor das Opfer dabei einen alten, zerschlissenen Filzhut mit den Initialen HB sowie eine wohlgenährte Weihnachtsgans. An deren Bein war eine Karte befestigt, aus der man entnehmen konnte, dass sie für Mrs. Henry Baker gedacht war.

Die Gans wurde inzwischen von Petersons Frau zum Essen zubereitet. Im Hals des Tieres machte sie dabei einen überraschenden Fund: Sie stieß auf einen Diamanten, den blauen Karfunkel, der fünf Tage zuvor der Gräfin Morcar im Hotel Cosmopolitan abhandengekommen war…

“Das gesprenkelte Band”

Der zweite Fall dieses Hörspiels führt zurück in die Junggesellenzeit von Holmes und Watson, als sie noch die gemeinsame Wohnung in der Baker Street 221 b teilten. Watson hätte gern früher über die Ereignisse berichtet, sah sich aber an das Versprechen zu schweigen gebunden.

Helen Stoner wendet sich an Sherlock Holmes und berichtet von ihrer Zwillingsschwester Julia, die vor zwei Jahren kurz vor ihrer Hochzeit in einer stürmischen Nacht ums Leben kam. Julia hatte ein seltames Pfeifgeräusch gehört und war dann mit den Worten: „Es war das gesprenkelte Band“ bewusstlos zusammengebrochen. Nichts deutete darauf hin, dass sich jemand Zutritt zu ihrem Zimmer verschafft haben könnte. Trotzdem sind Helen die auf dem Grundstück zeltenden Zigeuner nicht geheuer. Nun möchte Helen heiraten. Wegen Renovierungsarbeiten ist sie in Julias Zimmer gezogen, wo sie das eigenartige Pfeifen gehört hat. Nun fürchtet sie, auf dieselbe Weise umzukommen wie ihre Schwester.

Können Holmes und Watson das Schlimmste verhindern?

Bei der Lösung all seiner Fälle bedient sich Holmes seiner berühmten Methode der Deduktion: Er beobachtet aufmerksam, lenkt den Blick geschickt auf jedes noch so unerheblich scheinende Detail – und zieht die logischen Schlüsse. So löst er selbst die schwierigsten Fälle mit Bravour.

Wer diese clever konstruierten Krimi-Klassiker bereits in Textform kennt, wird überrascht sein, wie frisch und beschwingt die Abenteuer sich hören lassen. Spannend, humorvoll und brillant gelesen, klingen sie aus dem Mund Oliver Kalkofes so lebendig, als lausche man einem Hörspiel. Ein wahrer Ohrenschmaus für Krimifreunde, der die Welt der Droschken und Gaslaternen zum Leben erweckt!

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