“Alles wird schwerer – Ich nicht!: Das Kochbuch für Frauen ab 40” von Antonie Danz (Rezension)

Tolles Kochbuch mit überwiegend vegetarischen Rezepten

 Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Antonie Danz befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit der Frauengesundheitsforschung. Dabei orientiert sie sich an dem ganzheitlichen Ansatz der Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Das Buch “Alles wird schwerer -Ich nicht” ist ein Kochbuch, das auf der Grundlage der 5-Elemente-Lehre Rezepte präsentiert, die Frauen zu einer Wohlfühlfigur und einem positiven Selbstverständnis verhelfen sollen. Weitgehend sind diese Gerichte pflanzlich ausgerichtet; sie basieren überwiegend auf Gemüse und Getreide. Eigentlich sollte es sogar ein rein vegetarisches Kochbuch werden. Das ist erfreulich für alle, die sich pflanzlich ernähren und nach neuen Anregungen suchen. Auf Anregung des Verlages hat sich die Autorin dann jedoch entschlossen, auch Fleisch und Fisch nicht vollständig auszuklammern, um mehr potentielle Interessentinnen zu erreichen.

Frauen über 40 müssen sich mit körperlichen Veränderungen auseinandersetzen. Viele Dinge fallen in der Tat schwerer als noch vor ein paar Jahren. Dazu gehört auch der Kampf mit dem eigenen Körpergewicht. Zunehmen möchte man möglichst nicht. Aber wie schafft man das? Diäten sind kontraproduktiv, und dauerndes Kalorienzählen verleidet einem über kurz oder lang jede Lust am Essen.

Die Autorin plädiert für das Wiederfinden der eigenen Balance und dafür, auf die Signale des eigenen Körpers zu achten. Dabei schreibt sie sympathisch, flüssig und fern von jedweder Arroganz. Sie verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger und regt mit einfachen Übungen zu mehr Achtsamkeit im Alltag an. Allerdings muss man sich ein Stück weit einlassen können auf die Sichtweise der Traditionellen Chinesischen Medizin. Oder zumindest bereit sein, über diese Teile hinwegzulesen. Denn bevor es zu den Rezepten geht, erläutert Antonie Danz anhand des “Kerzen-” und “Kochtopfmodells”, wie Nahrung nach dieser Lehre zu körpereigener Energie umgewandelt wird und entwickelt daraus Ernährungsempfehlungen für Frauen jenseits der Lebensmitte. Auch das “Yin-Yang-System” wird angerissen. Eine Kernthese der TCM ist, dass alles als Energie verstanden und miteinander in Zusammenhang gesehen wird. Herrscht ein Gleichgewicht, ist der Mensch dieser Auffassung zufolge gesund.

Wer sich in der Tradition westlicher Naturwissenschaften verortet, muss hier somit einiges an Flexibilität mitbringen. Doch selbst wenn man Antonie Danz’ Sichtweise nicht teilt und ihre (knapp gehaltenen) Ausführungen zur TCM eher befremdlich findet, kann man dennoch durchaus schöne Ansätze innerhalb des Buches entdecken. Dazu gehört unter anderem, dass das Essen am eigenen Wohlfühlen ausgerichtet sein sollte, ebenso wie die Hinweise, dass Rhythmus, Ruhe und Entspannung beim Kochen und Essen wichtig sind. So kann das Entfernen oder bewusste Platzieren von “Ankern” dazu beitragen, die eigene Ernährung bewusster zu gestalten. Bestimmte Dinge in unserer Umgebung sind negativ konnotiert, lassen uns an Stress und Hektik denken, sodass wir nicht wirklich zur Ruhe kommen. Oder aber sie verleiten zu übermäßigem Nahrungsmittelkonsum. Ungeeignete Bilder und Gegenstände wirken sich ungünstig auf die Atmosphäre beim Essen aus. Dabei lässt sich leicht ein angenehmes, passendes Ambiente schaffen.

Der Rezeptteil nimmt den größten Part dieses attraktiv aufgemachten, großformatigen Kochbuches ein. Es bietet leicht zuzubereitende Speisen, die überwiegend auf Gemüse und Getreide basieren. Dabei finden sich leckere Ideen, wie sich ein Frühstück abwechslungsreich gestalten lässt – von “Dinkelflocken mit Mandelblättchen”, “Gerösteten Roggenflocken mit Walnüssen” bis zum “Feinen Amaranth-Frühstück mit Safran”. So lecker und ungewöhnlich wie das klingt, sind die Speisen in der Tat auch.

Die Suppenideen spielen geschickt mit unterschiedlichen Gemüsesorten, die raffiniert verfeinert werden. Für die kalte Jahreszeit empfiehlt sich der herzhafte “Wintergemüseeintopf mit Spitzkohl und Räuchertofu”; eine köstliche Zwischenmahlzeit, die zu allen Jahreszeiten schmeckt, ist beispielsweise die “Goldgelbe Möhrensuppe mit Ingwer”. Auch abends eine schmackhafte Kleinigkeit, die sättigt, ohne ein unangenehmes Völlegefühl auszulösen.

Erfrischend anders schmeckt der “Eichblattsalat mit Birnensauce”, der nicht nur optisch aufgrund seiner Farben eine wahre Augenweide ist, sondern auch geschmacklich mit einer Mischung aus süß und nussig Genuss pur auf den Tisch zaubert.

Ein echter Geheimtipp ist die “Hirse in Rotkohlröllchen”, die in der Tat vorzüglich mit der “Nussigen Champignon-Tarte” harmoniert. Als Nachspeise sind dazu herzhafte Möhrenmuffins ein Highlight für alle, die nicht so gern Süßes mögen, aber nach dem Hauptgericht gern noch etwas Kleines, Gebackenes genießen. Mit solch einem Menü kann man auch Gäste wunderbar verwöhnen.

Das Ausprobieren macht mit diesem Buch einfach Freude. Wer möchte, kann sich an den Empfehlungen der Autorin orientieren: Sie gibt Tipps, was gut zusammenpasst. Dabei achtet sie darauf, vielfältig zu bleiben und möglichst Lesende aller Ernährungsvorlieben zu berücksichtigen. Experimentierfreudige können problemlos natürlich eigene Kombinationen verwirklichen oder auch bei Bedarf Zutaten austauschen oder ganz weglassen.

Zu jedem Rezept sind anschaulich die zu verwendenden Zutaten, Mengenangaben und Zubereitungshinweise aufgelistet. Auch die Koch-, Gar- und Backzeiten sind stets angegeben und auch realistisch. Außerdem findet sich ein kurzer Hinweis zur Wirkungsweise des jeweiligen Gerichts nach der TCM, z.B. “vitalisierend”, “harmonisierend” oder “kräftigend”. Wer sich dieser Philosophie nicht verpflichtet fühlt, kann diese allerdings auch problemlos ignorieren und sich einfach nur von eigenen Vorlieben bei der Speiseauswahl leiten lassen. Die wundervollen Fotos sind so anregend, dass das leicht fällt. Genauso farbenfroh und lecker werden die Gerichte auch in Wirklichkeit.

Der undogmatische, ruhige und in sich durchweg stimmige Ton macht dieses Buch neben den kreativen und dennoch leicht zu realisierenden Rezepten überaus lesenswert. Ein tolles, fröhlich-buntes Kochbuch, das durchaus nicht nur Frauen über 40 gefallen dürfte. Wer die TCM nicht befürwortet, kann die entsprechenden Anteile überspringen.

Im Anhang gibt es ein Rezept- und Zutatenverzeichnis, ein Stichwortverzeichnis sowie Saisonkalender für Obst und Gemüse. Das Besondere dabei: Es wird unterschieden nach frischen einheimischen Produkten, Lager- und Importware. Das einzige, was fehlt, sind konkrete Nährwertangaben zu den Gerichten.

 

 

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Categories: Ernährung

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