Die Küsten der Ostsee [3 DVDs], Rezension

DOKUMENTATION über DIE KÜSTEN DER OSTSEE

*

DVD-InfoDie Küsten der Ostsee [3 DVDs], Rezension

Regie: Heike Nikolaus, Sebastian Lindemann, Nadja Frenz
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
Studio: Alive – Vertrieb und Marketing/DVD
Produktionsjahr: 2011
Spieldauer: 300 Minute

*

Überwältigende Naturschönheiten

Was für eine wunderbare Dokumentation über “Die Küsten der Ostsee”! Diese beeindruckende fünfteilige Reihe ist vollkommen an mir vorbeigegangen, als sie im Juni 2011 im Fernsehen auf ARTE lief. Umso schöner, sie nun auf DVD genießen zu können! Im ersten Moment dachte ich, es handele sich um eine Blu-ray, so gestochen scharf, kontrastreich und natürlich zeigt sich das Bild. Man fühlt sich unweigerlich an “Home” erinnert.

Der Fokus liegt hier auf der Küste der Ostsee. Immerhin 95 Prozent der Küstenlinie des “Mare Baltikums” gehören zur EU, aber die Unterschiede zwischen den Anrainerstaaten sind beträchtlich. Dänemark, Schweden, Finnland und Polen werden durchquert und dabei selektiv und poetisch beleuchtet. Die Ostsee ist stets Lebensraum und Einkommensquelle der Küstenbewohner zugleich.

Tempo und Machart der Dokumentation nehmen schnell gefangen und verzaubern mit ruhigen Einblicken in das Land und das Leben der Menschen. Der Anblick der Küsten ist atemberaubend! Das ist natürlich auch der Kameraführung zu verdanken: Mal gibt es spektakuläre Blicke aus dem Helikopter, mal ruht die Kamera auf bestimmten Menschen, die man so wirklich eingehend betrachten und auf sich wirken lassen kann. Das ermöglicht – zusammen mit der stimmungsvollen, unaufdringlichen Musik – ein Eintauchen in diese ganz besondere Atmosphäre.

Kommen Einheimische zu Wort, ist die Übersetzung so geschickt gemacht, dass dennoch der Originalton zu hören bleibt. Das schätze ich sehr, denn direkte sprachliche Eindrücke haben ihren ganz eigenen Reiz und lassen die Menschen sehr viel authentischer erscheinen, als wenn ein Synchronsprecher sie stimmlich völlig überlagert und verfremdet. Generell werden sämtliche Personen, Traditionen und Eigenheiten sehr respektvoll dargestellt.
Das Anschauen ist wie ein kleiner Urlaub: Man schaut in fremde Welten, bestaunt alte Traditionen und modernes Leben und man spürt sie, die tiefe Sehnsucht nach dem Meer. Es ist leicht, sich vorzustellen, dass die Menschen ihr Leben an der Küste nicht eintauschen wollen würden.

DÄNEMARK

Die Reise beginnt in Dänemark, dem kleinen Inselkönigreich im Norden. Kein Ort ist dort weiter als 52 Km vom Meer entfernt. Man erlebt Flora und Fauna, aber bekommt auch Einblicke in den Alltag. So lernt man etwa eine Fossiliensammlerin in Møn kennen, betrachtet den gigantischen Offshore-Windpark vor Rødby oder begleitet eine Ziegenzüchterin bei der Arbeit auf einer kleinen Insel. Natürlich wird auch in der lebendigen Hauptstadt Kopenhagen Halt gemacht.

SCHWEDEN

Die Öreseundbrücke verbindet Kopenhagen mit Malmö in Schweden. Dabei haben die Brückenpfeiler die Höhe der New Yorker Freiheitsstatue. Dort macht man Bekanntschaft mit einer Ingenieurin, die in luftiger Höhe ihren Arbeitsplatz hat. Natürlich fühlen sich auch Sportler von der Südküste angezogen, denn für Paragliding ist die Region ideal.

Deutlich gemächlicher und traditioneller geht es in Kristianstad zu: Dort wird das berühmte Knäckebrot von Hand hergestellt. Die Insel Gotland wiederum wird Anfang August zum Anziehungspunkt für Mittelalter-Enthusiasten, denn dort wird mit Ritterkämpfen in entsprechend historischem Ambiente gefeiert. Es scheint fast wie eine Zeitreise… Dieser Teil endet schließlich im Hafen Stockholms, wo ein nostalgischer Dreimaster zu einer Jugendherberge umfunktioniert worden ist.

FINNLAND

Weiter geht es zur Hovercraft-Patrouille der finnischen Grenzpolizei im Bottnischen Meerbusen über Vaasa, Kaskinen und Pori. Dort findet sich traditionelles Leben, wie man es mit Finnland verbindet. Dazu gehört vor allem die Sauna, die es sogar mobil gibt. Auch hier gestaltet sich die Begegnung mit den Menschen besonders faszinierend. Man trifft eine Felsenforscherin und einen Arzt, der mit Schnellboot von Patient zu Patient eilt, wenn seine Expertise benötigt wird. In Kotka macht man dann Bekanntschaft mit einem sehr ungewöhnlichen Sportler: Antti-Pekka Kangas ist Unterwasser-Rugby-Spieler.

BALTIKUM

Der vierte Teil beginnt in der estnischen Hauptstadt Tallinn, von wo aus zwei verschiedene Inseln angesteuert werden: Auf Saaremaa entstehen in 10 Betrieben schnittige, individuelle Luxusyachten für westeuropäische Kunden; auf Kihnu ist das Leben dagegen beschaulich und traditionell. Ein lebendiges Museum. Es gibt nur 700 Einwohner. Die Frauen kleiden sich in einer eigenen Tracht, man bewegt sich mit Hilfe von Motorrädern über die Insel und spricht eine eigene Sprache. Die Inselkultur wurde im Jahr 2003 von der UNESCO sogar zum Weltkulturerbe erklärt.

Es gibt faszinierende Eindrücke aus dem Soomaa Nationalpark, was wörtlich übersetzt so viel wie “Sumpfland” heißt, und man lernt eine “Delikatesse” kennen: Neunaugen. Danach geht es weiter nach Riga und schließlich ins Nachbarland Litauen.

POLEN

Der letzte Teil beginnt an Polens Grenze zu Russland: Am Frischen Haff trainiert Karolina Winkowska, die Vizeweltmeisterin im Freestyle-Kiten, in den Sommermonaten. Auch die polnische Tierwelt hat einiges zu bieten: Neben Pferden rücken besonders Störche in den Fokus: Jeder vierte Storch soll angeblich ein Pole sein.

Über den Oberländischen Kanal, ein technisches Meisterwerk aus dem 19. Jahrhundert, das den Krieg unbeschadet überstanden hat, führt die Route weiter in die geschichtsträchtige Stadt Danzig. Dort bekommt man den ältesten Wracktaucher Polens zu sehen, einen Meister der Improvisation, der sich seine Geräte selbst baut. Er untersucht die Schiffswracks die seit dem Zweiten Weltkrieg in der Danziger Bruch auf Grund liegen.
Auf der ehemaligen Lenin-Werft nahm die Solidarnosc-Bewegung ihren Anfang. Der Fotograf Michal Szlaga dokumentiert den Wandel des Landes anhand einer Langzeitstudie dieser Werft.

Weiter nördlich untersuchen Wissenschaftler das Verhalten von Ostsee Schweinswalen. Sie versuchen, das Überleben der Meeressäuger zu sichern und sie vor den Netzen der Fischer zu schützen.

Schließlich führt die Reise weiter von Leba und Ustka nach Rusowo und Stettin. Man ist fast traurig, wenn man ankommt. Gern wäre man noch länger mitgereist.

Fazit: Jede der fünf Dokumentationen ist von herausragender Qualität und absolut sehenswert. Man kann sich den fesselnden Bildern und Eindrücken nicht entziehen. Eine wunderbare DVD-Box!

_________________
*
*

Advertisements


Categories: Dokumentationen, DVD-Serien

Tags: , , , ,

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: