“Zeit der Entscheidung” (OmU) mit Steve Callahan, David LaDuca und Cynthia Schiebel (Rezension)

Sehenswert!

Zeit_der_entscheidung
  • Darsteller: Steve Callahan, David LaDuca, Cynthia Schiebel
  • Regisseur: Paul Bright
  • Sprache: Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Untertitel: Deutsch
  • Studio: Pro-Fun Media
  • Spieldauer: 95 Minuten

Denis (Steve Callahan) ist Mitte 40, als er unerwartet seinen Job verliert. Gefeuert nach 11 Jahren. In Zeiten der Wirtschaftsflaute ein herber Schlag. Zudem ist er derjenige, der das Geld nach Hause bringt und dafür sorgt, dass die Kosten für das schmucke Eigenheim gedeckt sind. Sein Lebensgefährte Milosz (David LaDuca), ein Umweltaktivist, arbeitet von zu Hause aus als Blogger und hält das Haus in Schuss.

Im Privaten läuft es allerdings alles andere als rund: Im Lauf der Jahre haben sich Denis und Milosz auseinander gelebt; tiefere Gespräche sind ebenso selten wie leidenschaftliche Nächte, und letztendlich ist alles in Routine erstarrt. Milosz fühlt sich vernachlässigt, nicht gesehen, gewürdigt und begehrt, so dass er schließlich eine Affäre mit einem jüngeren Mann beginnt.

Damit gerät Denis’ Leben völlig aus den Fugen. Auch mit der Jobsuche geht es nicht voran, sodass er seine Zeit notgedrungen vor allem zu Hause verbringt. Der Versuch der Selbständigkeit verbessert die Situation auch nicht. Die beiden gehen sich auf die Nerven. Das Schweigen zwischen ihnen wird laut und lauter, und Denis ist kurz davor, vollends in eine Depression abzurutschen.

Denis’ Mutter (Cynthia Schiebel) ist es, die die Anschaffung eines Hundes anregt. Kann das die Beziehung retten? Es ist ein Strohhalm, Denis greift zu und sieht sich im örtlichen Tierheim nach einem potentiellen Hausgenossen um. Allerdings kostet sein Zögern seinem Wunschhund das Leben. Während Denis die Situation noch durchdenkt, aber schon an einer Hundehütte arbeitet, wird das Tier wegen Platzmangel eingeschläfert.

Dieser Schock sitzt tief. Zum ersten Mal in seinem Leben trifft Denis eine spontane Entscheidung. Und das verändert letztendlich alles und gibt seinem Leben die ersehnte neue Perspektive… Allerdings ganz anders als gedacht.

“Zeit der Entscheidung” ist ein herzerwärmender und berührender Film, der durch seine Lebensnähe überrascht. Vielleicht sprühen die Dialoge nicht unbedingt vor Einfallsreichtum und Witz. Dafür wirken sie fast erschreckend echt. Genauso real und vertraut geraten auch die Vorstellungsgespräche, Denis’ Beinahe-Zusammenbruch und die (zuweilen zermürbenden) Gespräche zwischen Denis und Milosz. Es schleicht sich einfach unweigerlich ein, dieses leise Unbehagen, dass man sich ein Stück weit selbst darin wiederfindet.

Die beiden sind typische Vertreter der amerikanischen Mittelschicht mit Eigenheim in Texas, einer Vorliebe für Kunst und eigenwillige Deko und durchaus gehobenem Lebensstandard. Geldsorgen stehen trotz Arbeitslosigkeit nicht im Vordergrund. Falls der Wegfall des Einkommens zu echten Existenzängsten finanzieller Art führt, bleibt der Film die Ausleuchtung dieses Aspekts schuldig. Dafür konzentriert er sich auf eine in die Jahre gekommene schwule Liebesbeziehung, auf Denis’ Midlife-Crisis und seinen Versuch, den eigenen Wert jenseits der Arbeitsleistung zu sehen. Genau das fällt Denis unsagbar schwer. Milosz dagegen ist ohnehin aus der Leistungsgesellschaft ausgestiegen. Vielleicht lässt ihn genau das auch zu dem ruhigen Pol werden. Er erweist sich – trotz Seitensprung – als Anker im Sturm. Das Cover ist keine Mogelpackung. Es fängt die Essenz des Film perfekt ein.

Bedauerlicherweise ist die Rolle von Denis’ Mutter mit Cynthia Schiebel erbärmlich schlecht besetzt. Gerade in den Szenen mit dem nuanciert-spielenden, sehr präsenten und starken Steve Callahan wirkt ihr Charakter aufgrund ihrer unterirdischen schauspielerischen Leistung vollkommen unglaubwürdig. Das führt dazu, dass man auf dem dramatischen Höhepunkt im ersten Moment den Ernst der Lage verkennt. Infolgedessen tut man sich auch mit der emotionalen Anteilnahme schwer. Schade. Eine andere Darstellerin hätte deutlich mehr herausholen können!

Mit Denis’ – etwas eigenwillig anmutenden – Tagtraum-Sequenzen kann man sich arrangieren. Immerhin geben sie Einblick in sein Innenleben und tragen zu einer vielschichtigen Charakterisierung bei. Auf die späteren Szenen mit seiner Mutter, die ihm als Engel im Schlafzimmer erscheint, hätte ich dennoch gern verzichtet. Die Partyszene hätte auch nicht sein müssen. Gewisse Abstriche gibt es also durchaus.

Nichtsdestotrotz ist “Zeit der Entscheidung” ein Film zum Immer-Wieder-Anschauen: Hier steht ein schwules Paar in einer Langzeitbeziehung im Mittelpunkt. Das allein ist inmitten der zahllosen Coming-Out-Geschichten rund um die erste Liebe und Verliebtsein bemerkenswert. Noch dazu wird die langjährige Partnerschaft nicht zugunsten einer neuen Konstellation aufgegeben.

Das Fazit? Krisen sind überlebbar. Und Liebe sieht man sehr, sehr selten derart schön eingefangen in Filmen. Da sind auch die ein oder andere kitschige Sequenz und mittelprächtige bis schwache Leistungen der menschlichen Nebendarsteller zu verschmerzen. Über jegliche Kritik erhaben sind ohnehin die Hunde. Was für hinreißende Herzensbrecher!

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Categories: DVDs -Filme, GLBT

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