“Das große Hobbit-Buch: Der komplette Text mit Kommentaren und Bildern” (Rezension)

“Mein Schatz!” Ein ganz besonderes Handbuch für Tolkien-Enthusiasten
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Würdiger und liebevoller geht es kaum: Diese aufwändige Hardcover-Ausgabe präsentiert den kompletten Text des “Hobbit” mit den ausführlichen Kommentaren von Tolkien-Experte Douglas A. Anderson in deutscher Erstveröffentlichung. Dabei sind über 150 Illustrationen und Dokumente. Die Originalausgabe des “Annotated Hobbit” erschien im Jahr 1988 bei Houghton Mifflin Company in den USA. Ein Jahr darauf brachte Unwin Hyman eine britische Ausgabe heraus.

Für die zweite Auflage von 2002, die nun ins Deutsche übersetzt wurde, hat Douglas A. Anderson sämtliche Teile überarbeitet und ergänzt. Seine Herangehensweise ist dabei vorbildlich: So lässt er zunächst Tolkien selbst zu Wort kommen. Erst danach bezieht er weitere biographische und historische Aspekte in seine Anmerkungen mit ein. Es ist der gelungene Versuch, sich dem Autor und seinem Werk so weit wie möglich anzunähern und den Lesenden ein möglichst umfassendes Bild zu vermitteln. Die hier zusammengestellte Informationsfülle ist gewaltig!

Man bekommt Einblicke in Tolkiens Quellen, in Schreib- und Entscheidungsprozesse, in die Entwicklung von Liedern, Gedichten und Kreaturen. Auch Anpassungen, die er vorgenommen hat, um ein konsistentes Bild seiner Welt zu erzeugen, werden beschrieben. Es scheint streckenweise, als könne man dem Autor direkt bei der Arbeit zuhören und zuschauen.

Auch optisch ist “Das große Hobbitbuch” eine Augenweide: Die 37-seitige Einführung ist in Blau gedruckt. Die Randspalten werden für Schwarz-Weiß-Fotografien, Illustrationen und zusätzliche Informationen im Schwarz genutzt. So sieht man zum Beispiel ein Foto des Hauses in Northmoor Road 20 in Oxford, das Tolkien mit seiner Familie von 1930 bis 1947 bewohnte. Darunter kann man den ersten Schreibtisch des Autors bewundern, an dem unter anderem der “Hobbit” entstanden ist. (1972 stiftete Tolkien ihn der wohltätigen Organisation “Help the Aged”. Heute befindet er sich im Wheaton College in Wheaton, Illinois, in den USA.)

Die Einführung schließt mit einer blauen Trennseite ab. Danach beginnt der eigentliche Text des “Hobbit”, wobei die Farbwahl nun anders herum gewählt ist: Die Erzählung ist in Schwarz gesetzt, in der Randspalte finden sich die dazugehörigen Kommentare in Blau, die sich durchaus auch über mehrere Seiten ziehen. Ausführlich und informativ! Weitere Hinweise sind in schwarzer Schrift untergebracht. So behält man stets den Überblick, ganz egal, wo man sich gerade festgelesen hat.

In der Mitte des großformatigen Buches begeistern 16 Seiten hochwertiges Glanzpapier mit Zeichnungen, die darauf kontrastreich zur Geltung kommen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Tolkiens eigenen Interpretationen der Örtlichkeiten und Figuren. Es ist seine Fantasie, der er hier eine visuelle Gestalt gibt: Bruchtal, Hobbingen, Smaug, der den Schatz bewacht – all das lässt sich so zumindest ein Stück weit durch seine Augen erleben. Weitere bildliche Interpretationen stammen von Josef Madlener, Michael Hague, Alan Lee, Horus R. Engels, Ted Nasmith und John Howe. Freude macht ebenfalls das Betrachten der unterschiedlichen deutschen Cover der “Hobbit”-Ausgaben, die im Laufe der Jahre unter anderem im Paulus Verlag, bei DTV und natürlich bei Klett-Cotta erschienen sind.

Den Abschluss des Buches bildet ein umfangreicher Anhang. Dort findet man “Die Fahrt zum Erebor”, die aus Gandalfs Sicht schildert, wie es ihm gelungen ist, “Bilbo in das Abenteuer zu schicken, das im Hobbit erzählt wird” (S. 381). Anhang B informiert über die verwendeten Runen. Dabei wird amüsantes Insiderwissen preisgegeben. So erschien die amerikanische Ausgabe des “Hobbit” 1938 zunächst mit einem eigenen Schutzumschlag. Ab der fünften Auflage gingen die Verleger allerdings dazu über, die britische Version zu verwenden. Erst viele Jahre später fiel jemandem auf, dass die Runen dringend geändert werden müssen, denn darin wurde der britische Verlag genannt, nicht der amerikanische…

Die deutsche Ausgabe wurde zudem um ein kurzes Nachwort von Lisa Kuppler ergänzt. Es befasst sich mit der Veröffentlichung und Rezeption des “Hobbit” in Deutschland.

Fazit: Inhaltlich, optisch und haptisch ist das Buch eine wahre Freude! Man bekommt eine Fülle von Informationen ansprechend und übersichtlich aufbereitet. Dabei wird konsequent auf eine harmonische Farbgestaltung geachtet. Schade ist lediglich, dass eine ausfaltbare Karte fehlt. Auch Illustrationen und Fotos hätten gern größer ausfallen dürfen, um wirklich jedes Detail in Augenschein nehmen und würdigen zu können. Diese Punkte ändern jedoch nichts daran, dass dieses Werk einen absoluten Pflichtkauf darstellt. Im Grunde braucht man mindestens drei “Hobbit”-Ausgaben: Eine zum Immer-Wieder-Lesen, die Sonderausgabe für ganz besondere Anlässe und dieses gut recherchierte, liebevoll gemachte Kompendium für den biographischen und entstehungsgeschichtlichen Hintergrund!

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Aus dem Englischen von Lisa Kuppler (Orig.: The Annotated Hobbit)
1. Aufl. 2012, 418 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen, ca. 200 Abb., 8 Farbtafeln, Großformat
ISBN: 978-3-608-93714-5

Das große Hobbit-Buch mit Kommentaren und Bildern

 

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Categories: Kinder- und Jugendliteratur, Klassiker, Literaturgeschichte, Science Fiction & Fantasy

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