“Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl’s Diner” von Edward Kelsey Moore

Warmherzig und lesenswert

Ekm

Eigentlich ist mir Edward Kelsey Moore bislang nicht als Autor, sondern als Cellist ein Begriff gewesen: Er spielt im “Chicago Sinfonietta”. Das machte mich neugierig auf seinen ersten Roman, den ich vor allem darum ausgewählt habe. Der 1960 in Indianapolis (USA) geborene Moore hat bereits zu Collegezeiten diverse Kurzgeschichten veröffentlicht. “Grandma and the Elusive Fifth Crucifix” war ein Publikumsliebling bei der Sendung “Books on Stage” eines Chicagoer Radiosenders und  wurde aufgrund dessen für das National Public Radio adaptiert. Mit “Mrs. Roosevelt und das Wunder von Earl’s Diner” legt der vielseitige Autor nun seinen ersten Roman vor, in den auch seine Erfahrungen als Barkeeper eingeflossen sein dürften:

Im Zentrum stehen die drei Freundinnen  Odette, Clarice und Barbara Jean, die sich schon früh den Spitznamen “The Supremes” eingefangen haben. In guten wie in schlechten Zeiten halten sie zusammen, nahezu 40 Jahre teilen sie bereits ihr Leben – private Höhen, Krisen und Katastrophen – miteinander. Sonntags wird in Earl’s Diner gegessen, geredet, gelacht und philosophiert. Dabei bekommt man auf spannende und unterhaltsame Art Einblicke in die drei Biographien, aber auch in 40 Jahre Zeitgeschichte aus afroamerikanischer Perspektive: In den 1960er Jahren war Earl’s das erste afroamerikanische Speiselokal überhaupt. Die drei Protagonistinnen, die sich schon aus Schulzeiten kennen, erzählen von ihren Zeiten am College, ihren Ehen und Familien, man erlebt, wie Gesellschaft und Politik das Leben prägten und prägen.

Dabei bleibt auch das eine oder andere Klischee natürlich nicht aus. Aber genauso ist das Leben schließlich auch.

Die drei Mädchen kamen alle unter ungewöhnlichen Umständen in Plainview, einem kleinen Kaff in Indiana, zur Welt: Odette auf den Ästen einer Platane, Clarice schrieb Geschichte als erstes schwarzes Kind, das im Universitätskrankenhaus geboren wurden, und Barbara Jean begann ihr Leben auf dem Kanapee einer Lehrerin. Inzwischen sind die drei gestandene Frauen, alle verheiratet, alle mit einer mehr als bewegten Vergangenheit, die in Rückblenden erzählt wird.

Im Hier und Jetzt sieht und hört Ich-Erzählerin Odette, verheiratet mit James, Geister, so wie ihre verstorbene Mutter früher auch. Das verschweigt die resolute und direkteste der Freundinnen vorerst, aber man ahnt beim Lesen bereits, was unweigerlich folgen wird. Irgendwann, als Odette regelmäßig von der ehemaligen First Lady Eleanor Roosevelt, die stets angesäuselt mit “Flachmann” bei ihr auftaucht, besucht wird, entscheidet sie sich, einen Arzt zu Rate zu ziehen. Hitzewallungen, Konzentrationsprobleme und Tagesmüdigkeit lassen nichts Gutes erahnen…

Clarice und ihr Mann Richmond haben ganz andere Probleme: Er ist untreu, was ihr zu schaffen macht, zumal er das nicht einmal ansatzweise zu verbergen sucht, und “selbst Leute, die ihn und Clarice kaum kannten, zerrissen sich das Maul darüber”.

Und dann ist da noch die sensible Barbara Jean, die einst einst einen Weißen über alles liebte. In den 60er Jahren ein Skandal. Eine gemeinsame Zukunft kam nicht in Frage. Inzwischen ist sie mit Lester verheiratet. Ihre Traurigkeit bekämpft sie mit der Flasche…

Immer dabei: Der gute Geist “Big Earl”, der Ratgeber ist und Vaterfigur, der zusammenhält, was zusammengehört.

Der Roman besticht durch seinen hohen Unterhaltungswert und seinen augenzwinkernden, mitunter ironischen Ton. Die Geschichte hat leichte, aber auch tiefe Momente. Es geht um Freundschaft und Liebe, aber auch um Diskriminierung, Angst, Alkoholismus, schwere Krankheit, Sterben, Tod – und das Leben der Zurückgelassenen danach. Dennoch wirkt all das nicht aufgesetzt, sondern mit leichter Hand komponiert, sodass man durch die Zeilen gleitet wie man einem abwechslungsreichen Musikstück lauschen würde.

Mich erinnert diese warmherzige, mit viel Humor und Tragik erzählte Geschichte an “Grüne Tomaten” von Fannie Flagg. Wer sonst eher vor Frauenromanen zurückschreckt, sollte diesem eine Chance geben. Edward Kelsey Moore arbeitet bereits an seinem zweiten Roman, den ich mir sicher nicht entgehen lassen werde.

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Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Limes Verlag (18. März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3809026239
Preis: 19,99 €

Mrs. Roosevelt und das Wunder von Earl’s Diner

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Categories: Belletristik, Literatur

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