Der Schattenmann (Neuveröffentlichung, aufwändig digital restauriert plus 100 Minuten Bonus) [5 DVDs], Rezension

Zwischen Macht und Ohnmacht: Im Netz des organisierten Verbrechens

“Verheiratet bin ich mit meiner Frau, aber ich lebe mit meinem Partner.”
Charly Held

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Foto: Studio Hamburg

Der Frankfurter Hauptkommissar Charly Held (Stefan Kurt) ist anfangs ein eher unauffälliger Beamter und Familienmensch: verheiratet, eine Tochter, insgesamt eine fast makellose Biographie. Doch als sein Partner Otto Tötter während verdeckter Ermittlungen gegen das organisierte Verbrechen getötet wird, gibt es für ihn kein Halten mehr. Er will den Schuldigen zur Strecke bringen. Es gelingt ihm, seine Vorgesetzten für ein waghalsiges Unternehmen zu gewinnen: Undercover schleust er sich als Karl von Hellberg in der Organisation von Mafia-Boss Janusz “Jan” Herzog (brilliant als “Pate” von Frankfurt: Mario Adorf) ein. Dieser scheint unantastbar, verkehrt in den höchsten Kreisen und hat einflussreiche Leute wie den Innenminister Hans Möllbach (Günter Strack) unter Kontrolle.

Zunächst gilt es, Vertrauen aufzubauen. Mit der Unterstützung des frühpensionierten Polizisten Erich “King” Grobecker (Heinz Hönig), der als Chauffeur und Leibwächter an seiner Seite auftritt, kreiert Held eine lückenlose Tarn-Identität als ehemaliger Stasi-Offizier, der brisante Dokumente veräußern will. Und der Plan geht auf: Von Hellberg steigt als eiskalter, aber sympathischer Geschäftsmann schnell in der Hierarchie der Organisation auf. Bald ist der kluge Taktiker für Herzog nahezu unersetzlich und wird sogar als dessen Nachfolger gehandelt.

Es ist das unerwartete Charisma des Mafia-Bosses, aber auch das ungewohnte Luxusleben zwischen Nachtclubs, Limousinen und schier grenzenloser Macht, das Charly Held mehr fesselt als gedacht. Wie soll das einfache Leben eines kleinen, schlecht bezahlten Beamten da mithalten? Die Grenzen zwischen wahrem und fiktiven Leben schwimmen; die Legende wird zur Realität und die Realität zur Legende. Auf der einen Seite warten die unscheinbare Ehefrau und die kleine Tochter, die zunehmend lästiger werden. Auf der anderen Seite die laszive Geliebte Barbara (Jennifer Nitsch). Die Lage spitzt sich vollends zu, als Held darüber hinaus auch noch durch die Staatsanwaltschaft und seine Kollegen unter Druck gerät: Ihm wird vorgeworfen, einen Informanten mit Rauschgift bezahlt zu haben…

Der Schattenmann

Foto: Studio Hamburg

Wird er die Seiten wechseln? Diese Frage beschäftigt einen beim Zuschauen fast bis zum Schluss, während das Chamäleon Held zwischen den Welten taumelt: Ermittler und Krimineller, Ehemann und Liebhaber, Freund und Feind zugleich. Der innere Tumult ist teils sichtbar, teils nicht. Manchmal spielt Stefan Kurt sehr reduziert mit erschütternder Kaltschnäuzigkeit, dann wieder ungemein kraftvoll, mitfühlend, emotional. Überzeugend ist seine fein nuancierte Wandlung vom gesetzestreuen Familienvater zum abgebrühten Spitzel und (vermeintlichem) Gangster in jeder Minute: Selten zeigt eine Figur eine derartige Vielschichtigkeit und Tiefe!

In seiner fünfteiligen Filmreihe enthüllt Regisseur Dieter Wedel nicht nur die Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und Verbrechen meisterhaft; er zeigt auf, wie Geld, Macht und Luxus einen Menschen korrumpieren können. Am Ende verschwimmen Schwarz und Weiß zu Grauzonen, und es wird schwerer und schwerer für Held, das moralisch verantwortbare zu tun.

“Der Schattenmann” wirkt wie eine Hommage an Oliver Stones “Wall Street” (1987), zitiert aber auch den einen oder andern berühmten Hollywood-Vorgänger, darunter “Der Pate” (1972), “Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia” (1990) und “Die Unbestechlichen” (1987). Wedel zieht hier anerkennend den Hut vor ganz großen Hollywoodstreifen und arbeitet sie gekonnt und überaus geschickt in seine eigene Saga rund um die organisierte Kriminalität in Deutschland ein.

Überaus empfehlenswert für alle, die anspruchsvolle Unterhaltung schätzen! 1997 wurde “Der Schattenmann” mit dem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet. Zu Recht! Der Politthriller ist so spannend inszeniert, dass man den Blick keine Minute abwenden kann. Die DVD-Box selbst ist eine Augenweide: In einem Pappschuber stecken insgesamt 5 DVDs, auf denen sich je ein Teil in Spielfilmlänge sowie Bonusmaterial befinden. Dieser gelungene Klassiker sollte in keiner DVD-Sammlung fehlen!

Bewertung: volle 5 Sterne!

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DVD-INFO:

5 DVDsGenre:Krimi / Thriller, Produktionsjahr: 1996Laufzeit: ca. 580 Min. + 100 Min. Bonus,Bildformat: 4:3, Tonformat: DD 2.0 Stereo, Sprache: Deutsch, FSK: ab 12 Jahren, EAN: 4052912260740

VÖ: 26.10.2012

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Categories: DVD-Serien, DVDs - Filme und Serien

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