Dark Matter (Blu-ray): Clash of Cultures

Clash of Cultures

Dark Matter 1Der chinesische Physikstudent Liu Xing (Ye Liu) ist außergewöhnlich begabt und ehrgeizig. 1991 nimmt er ein Studium bei dem renommierten, aber auch arroganten und selbstverliebten Astrophysiker Jacob Reiser (Aidan Quinn) in den USA auf. Anfangs ist der Empfang in den Vereinigten Staaten verhältnismäßig wohlwollend: Gönnerin Joanna Silver (Meryl Streep) und die anderen chinesischen Kommilitonen, die ebenfalls unter Reiser studieren, nehmen ihn in ihrer Mitte auf. Mentor Reiser ist von ihm und seinen Fähigkeiten begeistert, und er fügt sich in das bestehende System ein.

Liu Xings Faszination gilt der dunklen Materie, und die wissenschaftliche Arbeit bestimmt sein ganzes Leben. Obwohl seine Wohnverhältnisse in den USA auch eher einfach sind, genießt er das im Verhältnis zu China durchaus lockere und freiere Leben mit Bier, Pizza und Mädchen.

In China ist es nicht üblich, dass Studierende ihrem Professor  widersprechen, kritisieren oder gar in ihrem Fachbereich überflügeln. Das ist eine Frage des Respekts. Doch Reiser vermittelt Liu Xing den Eindruck, dass das in den Vereinigten Staaten kein Problem sei. Als dieser das ernst nimmt, beginnen die Probleme: Statt ihn bei seiner wissenschaftlichen Arbeit zu unterstützen, legt Reiser, der seine Autorität in Frage gestellt sieht, ihm nun Steine in den Weg, lehnt seine Dissertation ab und verweigert ihm letztendlich sogar den Abschluss.

Als Liu Xing erkennt, dass er akademisch unter Reiser keine Chance mehr hat, bewirbt er sich an anderen Universitäten. Erfolglos. Um seine schwer arbeitenden Eltern nicht zu enttäuschen, schickt er fortwährend Geld in die Heimat und berichtet von vermeintlichen akademischen Erfolgen. Aber lange hält er dieses Doppelleben nicht durch.

Joanna Silver erkennt den sich immer weiter zuspitzenden Konflikt und versucht – allerdings eher halbherzig und ohne tiefer gehendes Engagement – zu helfen. American Style. Ihr Gespräch mit Reiser bleibt entsprechend wirkungslos. Verzweifelt muss Liu Xing miterleben, wie seine weit weniger begabten Kommilitonen promovieren, heiraten und ihre Karriere weiter ausbauen. Ihm selbst bleibt – trotz Hochbegabung, Ehrgeiz und Kreativität – der Weg in die akademische Welt versperrt. Seine Verzweiflung wächst, bis er  schließlich nur noch einen Ausweg sieht…

Der Film bietet in gekonntem Wechsel Impressionen zweier  Kulturen, wie sie kaum gegensätzlicher sein könnten: Man erlebt das von harter körperlicher Arbeit gekennzeichnete Leben in China und auch die bescheidenen Wohnverhältnisse der chinesischen Studierenden, deren Arbeit letztendlich an der Universität ausgenutzt wird, im Kontrast zu dem sorglos-luxuriösen Leben der oberflächlich wirkenden Amerikaner. Reiser etwa ruht sich selbstgefällig auf seinen Lorbeeren aus und ist letztendlich nicht mehr an neuen Erkenntnissen oder wissenschaftlichem Fortschritt interessiert. Mrs. Silver bleibt  trotz ihrer Sympathie für Liu Xing weitgehend passiv in der Rolle als Beobachterin. Selbst die junge Frau, für die sich der junge Chinese interessiert, sendet missverständliche Signale und tritt dann den Rückzug an. Die Zwischentöne – das was gemeint, aber eben nicht gesagt wird – bleiben Liu Xing verschlossen. Die kulturellen Unterschiede, die anfangs überwindbar schienen, werden zu unüberbrückbaren Schluchten…

Schauspielerisch begeistert vor allem Ye Liu als schüchterner, sensibler Liu Xing, der sehr Dark Matter 3vielschichtig charakterisiert wird, nuanciert spielt und durchgängig in seiner Rolle überzeugt. Meryl Streep übernimmt als Gönnerin einen eher kleinen, zurückhaltenden Part. Es ist eine Rolle, die so ziemlich jede andere Schauspielerin ebenso hätte ausfüllen können. Dass sie sich dennoch für das Mitwirken in diesem Film entschieden hat, deutet daraufhin, dass ihr das Thema offenbar wichtig ist. Gleiches gilt für Aidan Quinn, der ebenfalls sehr reduziert zu erleben ist. So liegt der Fokus wirklich ganz auf dem jungen chinesischen Hauptdarsteller.

Tempo und Machart des Film sind eher ruhig. Wer sich jedoch auf diese Erzählweise einlässt, erlebt einen sehr intensiven, emotionalen und auch berührenden Film jenseits des Mainstreams. “Dark Matter” ist vor allem wegen der Darstellung der unterschiedlichen Kulturen und der – überaus treffend charakterisierten – Situation an den amerikanischen Universitäten sehenswert. Denn das ist für ausländische Studierende in der Tat eine düstere Angelegenheit, die den American Dream auf eine harte Probe stellt. Von Liu Xings Träumen, Hoffnungen und Wünschen bleibt am Ende nichts mehr übrig. Die anfängliche Naivität weicht der Ernüchterung…

Bild- und Tonqualität

Für eine Blu-ray sind Bild und Ton eher als durchschnittlich zu bezeichnen: Das Bild zeigt sich wenig kontrastreich, bleibt aber auch bei Nahaufnahmen scharf; der Ton ist klar und sauber, allerdings insgesamt eher frontlastig.

Bonusmaterial

Extras gibt es  nicht. Dabei hätte sich ein Interview mit Regisseur Chen Shi-Zheng zu den Hintergründen seines Films, seiner Intention und der verwendeten Bildersprache angeboten. Interessant gewesen wäre sicher auch ein Hintergrundbericht zu realen Amokläufen an amerikanischen Universitäten gewesen.

Immerhin sind englische und deutsche Untertitel vorhanden.

Bewertung: 4 Sterne

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DVD-Info:

Originaltitel: Dark Matter, Mit: Meryl Streep, Aidan Quinn, Ye Liu. Film: 16 | FSK Trailer: 12 | Länge: 88 Min | Kinostart: 2007 (USA) | DVD/BD: 03.11.2011 (DVD&BD)

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Categories: Blu-ray, DVDs - Filme und Serien

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