“Ente, Tod und Tulpe” von Wolf Erlbruch

Das Leben

EnteDer Kinderbuchautor und Illustrator Wolf Erlbruch, geboren 1948 in Wuppertal, hat mit “Ente, Tod und Tulpe” ein ganz besonderes Büchlein geschaffen, das Menschen aller Altersgruppen anspricht und zum Dialog und zur Auseinandersetzung über Sterben und Tod mit Kindern einlädt. Behutsam und undogmatisch schafft er es, das Bewusstsein dafür zu wecken, dass der Tod von Anfang an Begleiter des Lebens ist.

Die Ente nimmt den Tod erst nach einer ganzen Weile wahr. Dabei war er von Anfang an in ihrer Nähe, “nur für den Fall.” Zunächst macht ihr diese Entdeckung Angst. Doch dann fängt sie an, sich mit ihm zu beschäftigen und sich ihrer eigenen Endlichkeit bewusst zu werden. Sie nimmt ihn mit in ihren Lebensraum, auf den See, auf einen Baum und sitzt mit ihm im Gras. Sie reden über das Sterben, über religiöse Ideen, Angst und Traurigkeit. Wochenlang verbringen sie viel Zeit miteinander, bis die Ente zum ersten Mal in ihrem Leben plötzlich friert…

Am Ende kann der Tod sie nur noch aufs Wasser legen – und gehen lassen, fast ein wenig traurig. “Aber so war das Leben.”

Die minimalistischen Zeichnungen sind liebevoll gestaltet. Warme Erdtöne dominieren. Einen Hintergrund gibt es nur, wenn er für die Erzählung benötigt wird, sonst liegt der Fokus klar auf den beiden Figuren. Den Tod stellt Erlbruch als Gestalt mit einem freundlichen Totenkopf, karierten Gewändern und Schuhen dar. Nach und nach verliert er für die Ente den Schrecken, und sie freundet sich mit ihrem ständigen Begleiter an.

Durch die bewusste Sparsamkeit der Darstellung fällt der Blick auf jedes Detail, so auch auf die im Titel erwähnte Tulpe, die der Tod bei der ersten Begegnung mit der Ente hinter dem Rücken hält. Am Ende legt er sie ihr auf den Leib. Und wenn man das Bändchen schließt, ist die blühende Tulpe das letzte Bild, das man mitnimmt.

Ein besonderes, ein zutiefst berührendes Buch.

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Wolf Erlbruch
Ente, Tod und Tulpe
32 Seiten
ISBN 978-3-88897-461-8 / 14,90 €

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Categories: Kinder- und Jugendliteratur, Literatur, Philosophie

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