“Dreimal im Leben” von Arturo Pérez-Reverte

It takes two to tango: Eine elegante Erzählung über die Liebe, die Zeit und das Leben

17580Mit seiner Eleganz, Musikalität und Detailverliebtheit bezaubert der Roman aus der Feder des spanischen Autors Arturo Pérez-Reverte von der ersten Seite an und entführt in längst vergangene Zeiten. Es ist eine ruhige, aber anspruchsvolle Liebesgeschichte mit viel historischem Flair, einem Hauch von Abenteuer und Nostalgie.

„Dreimal im Leben“ begegnen sich die beiden Protagonisten: 1928, 1937 und 1966 an vollkommen unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens.

Im November des Jahres 1928 ist der erfolgreiche spanische Komponist Armando de Troeye mit seiner betörend schönen Gemahlin Mercedes Inzunza de Troeye, genannt Mecha, auf einem Überseedampfer unterwegs nach Buenos Aires. Dort begegnen sich Mecha Inzunza und der Eintänzer Max Costa, eigentlich Máximo Covas Lauro, zum ersten Mal. Es ist der Tango, der sie zusammenführt: ein Tanz mit scharfen, kantigen und schnellen Bewegungen. Rau und aggressiv, aber auch voller Leidenschaft, die immer wieder aufflammt. Beide sind jung, voller Kraft und Lebenshunger.

Der attraktive Gentleman-Gauner Max, ein „bezaubernder Schwindler“, arbeitet an seinem sozialen Aufstieg und finanziert sein Leben nicht nur mit Tänzen, sondern auch mit kleinen und größeren Diebstählen. Er wendet sich gezielt an weibliche Passagiere der ersten Klasse. Vermögende, gelangweilte Damen, die sich nur zu gern umgarnen lassen, bilden seine Haupteinnahmequelle, denn er besitzt „die Kunst, mit Worten Feuerwerke zu entfachen und schweigend melancholische Landschaften zu zeichnen“. Dennoch hat er sein Auge nicht nur auf Mechas Geschmeide, sondern auch auf die verführerische Trägerin selbst geworfen.

Kaum dass sie aufgestanden war, öffnete Max die Arme, griff sanft nach ihrer Hand und umfing ihre Taille. Die Berührung überraschte ihn. Zwar hatte er den tiefen Rückenausschnitt ihres Kleides gesehen, war aber, trotz seiner Erfahrung mit Damen in Abendrobe, nicht darauf vorbereitet gewesen, beim Tanzen ihre nackte Haut unter seiner Hand zu spüren. Seine Verwirrung, gut getarnt unter der unerschütterlichen Maske des professionellen Tänzers, währte nur kurz; dennoch war sie seiner Partnerin nicht verborgen geblieben, zumindest hatte er diesen Eindruck. Denn einen Moment lang sah sie ihm direkt in die Augen, bevor sich ihr Blick in den Weiten des Salons verlor. Max setzte mit einer leichten Seitwärtsneigung an, der die Frau in völligem Einklang folgte, und dann begannen sie, sich zwischen den anderen Paaren zu bewegen.

Armando de Troeye reist mit einem bestimmten Ziel nach Buenos Aires: Er will einen unvergesslichen Tango komponieren und damit eine Wette gewinnen. Der Ursprung dieses Tanzes liegt in den Slums und Bordellen von Buenos Aires. Genau dorthin soll Max, ein gebürtiger Argentinier, das Paar führen: hinein in das Nachtleben der Stadt… In einer heruntergekommenen Tangospelunke in Barracas zeigt Max Mecha den ursprünglichen Tango, bevor er „salonfähig“ gemacht wurde. Kurz danach trennen sich ihre Wege.

Ein einvernehmliches Entfachen alter Instinkte, ein Ritual brennender Leidenschaften, Verheißungen aus Fleisch und Blut für die Dauer eines flüchtigen Moments der Musik und der Umgarnung. Der Tango de la Guardia Vieja. Wenn es eine Tanzform gab, die für gewisse Frauen wie gemacht war, dann diese. In Max flammte ein jähes Verlangen nach dem Körper auf, der sich da in seinen Armen bewegte. Sie musste es bemerkt haben, denn ihre blauen Augen sahen ihn forschend an, ehe ihre Miene wieder in Gleichgültigkeit erschlaffte und ihr Blick sich abermals geistesabwesend in der Ferne verlor.

Zu einer zweiten Begegnung zwischen Max und Mecha kommt es ganze neun Jahre später, im Herbst 1937 in Nizza. Sie sind älter geworden, und alles hat sich verändert: Armando de Troeye sitzt inzwischen in einem spanischen Gefängnis, Max ist Spionagetätigkeiten verstrickt. Doch die Leidenschaft zwischen Max und Mecha scheint ungebrochen. Dann muss Max fliehen, untertauchen, ein vollkommen anderes Leben leben, überleben… Auch Mecha schickt das Leben auf unerwartete Wege. Sie bekommt einen Sohn namens Jorge, der über ein außergewöhnliches Talent zum Schachspiel verfügt, wird von der Mutter zur Managerin.

Die dritte Begegnung findet 1968 in Sorrent anlässlich eines Schachturniers statt. Inzwischen sind beide Mitte sechzig, und der Blick zurück ist deutlich länger als der Blick nach vorn. Max arbeitet mittlerweile als Chauffeur für einen Psychiater, sein Charme ist verflogen, und das Leben hat seine Spuren hinterlassen, außen und innen. Auch Mecha ist gealtert, doch „ihre Augen sind noch genauso wie in der Tangospelunke in Barracas und den anderen Lokalen, die sie danach aufgesucht hatten. In der einzigartigen gemeinsamen Topografie seiner Erinnerung.“

„Dreimal im Leben“ ist ein Buch über Tango, Leidenschaft und eine große Liebe in unbeständigen Zeiten. Ganz nebenbei erfährt man viel Wissenswertes über die gesellschafts-politische Situation – die 1920er Jahre, Faschismus, den Kalten Krieg – während der Tango und das Schachspiel zu Synonymen für das Leben selbst werden. Ein lesenswerter Roman, der melancholisch zurücklässt.

Arturo Pérez-Reverte

Der Autor und Journalist Arturo Pérez-Reverte wurde am 25. November 1951 in Cartagena geboren. Er zählt zu den erfolgreichsten und meistüberübersetzten spanisch schreibenden Schriftstellern der Gegenwart. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Werke wie „Der Fechtmeister“ (1988), der Roman „Das Geheimnis der schwarzen Dame“ (1990), der 1993 mit dem Grand prix de littérature policière ausgezeichnet wurde, oder der Weltbestseller „Der Club Dumas“ (1993), der 1999 unter dem Titel “Die neun Pforten” von Roman Polanski – allerdings in veränderter Form – mit Johnny Depp verfilmt wurde.

Unter anderem war Arturo Pérez-Reverte zwei Jahrzehnte lang als Reporter für den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVE (Televisión Española) als Kriegsberichterstatter tätig. Diese Erlebnisse sind in seinen Roman „Pintor de Batallas“ (2006) mit eingeflossen.

Buchtrailer (Quelle: http://www.suhrkamp.de):

Frank Wegner im Gespräch mit Arturo Pérez-Reverte (Quelle: http://www.suhrkamp.de):


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Arturo Pérez-Reverte
„Dreimal im Leben“
Aus dem Spanischen
von Petra Zickmann
Gebunden, 525 Seiten
Insel Verlag
ISBN-10: 3458175806

Verlag
Amazon
Website des Autors

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Categories: Belletristik, Literatur

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2 replies

  1. Ich danke für diese schöne Besprechung! :-) Nach ein paar negativen Kritiken zum Roman war dieser eigentlich weit auf meiner Wunschliste nach unten gerutscht – nun rutscht er aber wieder hoch.

  2. Liebe Mara,

    ich danke dir! Es ist ein wirklich tolles und lesenswertes Buch und ich freue mich (ganz eigennützig), dass es auf deiner Wunschliste wieder nach oben geklettert ist. Auf deine Meinung dazu bin ich gespannt, denn ich lese deine Buchkritiken unglaublich gern!

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