Das Fischkind – El niño pez (OmU) – DVD

“Ich liebe dich. Nur dir will ich gehören…” – Betörendes und verstörendes Liebesdrama

fischkind09Die junge Lala (Inés Efron), Tochter eines Juristen, führt ein finanziell sorgenfreies Leben in einem sauberen Vorort von Buenos Aires. Die Familie ist überaus angesehen. Immerhin ist ihr Vater ein Richter. Sie hat eine Liebesbeziehung mit dem Hausmädchen, der 20-Jährigen Ailin (Mariela Vitale), die seit ihrem 13. Lebensjahr bei ihnen arbeitet. Für Lala war es Liebe auf den ersten Blick. Was sie erst nach und nach herausfindet: Ailins Schönheit und Anmut war für sie zeitlebends wie ein Fluch. Immer wieder überschreiten Männer ihre Grenzen, zwingen sie zum Sex. Sie läst es über sich ergehen, hofft nur, dass es schnell vorbeigehen möge. Auch Lalas Vater nutzt sie sexuell aus. Wo auch immer sie hingeht, sie kann sich die Männer kaum vom Leib halten. Ihr Herz allerdings gehört Lala.

Der Richter weiß um die Gefühle seiner Tochter und auch, dass sich die Mädchen lieben. Sogar Lalas Eifersucht thematisiert er sogar direkt. Schützen kann Lala sie allerdings vor seinen Übergriffen nicht. Beide Mädchen träumen von einem Neuanfang in Paraguay. Es gibt einen Bus, der sie direkt dorthin bringen könnte, in eine gemeinsame Zukunft mit einem Haus am See. Doch dafür brauchen sie ein gewisses Startkapital. Um an Geld zu kommen, stielt Lala Schmuck und ein besonderes Gemälde aus ihrem Elternhaus und macht über einen Mittelsmann alles zu Geld.

Dann vergreift sich der Richter erneut an ihr, und Ailin beschließt, wegzugehen. Sie glaubt nicht mehr, dass das Schicksal so etwas wie Glück für ihr Leben vorgesehen hat. Lala ist verzweifelt. Ohne Ailin ist ein Leben für sie nicht vorstellbar. Sie geht in die Küche, schenkt sich ein Glas Milch ein und verührt Gift darin, bereit es zu trinken. Dann betritt ihr Vater den Raum, hört, was geschehen ist, sieht, was seine Tochter tut – und bittet sie, auch ihm ein Glas zu geben. Als sie es ihm pur geben will, ist er es selbst, der das Gift einrührt. Gerecht verteilt er es, zwei Löffel pro Glas. Als er es leert, schaut Lala zu – und geht. Sie steigt in den Bus, wie geplant, in der Hoffnung, dass Ailin nach Hause zurückkehrt, an den Ort, den sie aus ihrer Kindheit kennt, in ihre Heimat.

Doch sie kommt nicht. Dafür trifft sie auf Ailins Vater, einen bekannten Schauspieler, und sie erfährt etwas Entsetzliches… Eine Lieferung mit Schmuck und Geld trifft ein. In den Nachrichten macht längst die Nachricht vom Tod des Richters Schlagzeilen. Vedächtigt wird Ailin. Sie verzichtet darauf, einen Anwalt zu nehmen, sie deckt Lala, sie nimmt alles auf sich. Für Lala steht fest: Sie wird sie retten. Daran ändert auch Ailins Versuch, sie wegzustoßen, nichts. Und tut sich ein weiterer Abgrund auf. Wie viel kann ein einziger Mensch eigentlich ertragen, bevor seine Seele zerbricht?

Poetische Literaturverfilmung

Die argentinische Autorin und Regisseurin Lucia Puenzo setzt ihre eigene literarische Vorlage filmisch gekonnt um, wobei sie anfangs bewusst auf eine chronologische Schilderung der Ereignisse verzichtet. Der Film beginnt mit Lalas Busfahrt nach Paraguay. Die Berichterstattung in Zeitungen und Fernsehnachrichten überschlägt sich mit Neuigkeiten über den mysteriösen Tod des Richters. Sprunghaft werden in der Vergangenheit liegende Ereignisse, die bis zu dieser Situation geführt haben, beleuchtet. Es sind einzelne Schlaglichter, die das Leben der beiden so ungleichen jungen Frauen transparent werden lassen. Sie gelten als Minderjährige, immerhin sind sie noch unter 21. Aber Geist und Seele sind sehr viel älter als die Lebensjahre vermuten lassen.

Schwer fassbare Kontraste

Es ist schwer, diesem Film in Worten gerecht zu werden. Man muss ihn sehen. Die Kontraste sind anders kaum fassbar: Mal ist er in traumhaft schönen Bildern gedreht, dann scheinen Altraumsequenzen auf dem Bildschirm zum Leben zu erwachen. Einmal ist alles erfüllt von Musik und Tanz, was eine trügerische Leichtigkeit mit sich bringt. Doch es sind nur kleine Ausstiege aus einer kaum erträglichen Realität. Es gibt Verrat und Solidarität, Mut und Feigheit, Romantik und gefühllosen Sex. Und Verbrechen durch alle sozialen Kreise hindurch.

Mal ist die Atmosphäre träumerisch, fast wie in einem Märchen. Dann wiederum steckt man in einem atemlosen Thriller. Was geschehen wird, weiß man nie. Es ist kein vorhersehbarer Film, sondern vielmehr einer, der bis zuletzt zu überraschen versteht. Das liegt an der Erzählweise, aber auch an der Vielschichtigkeit des Films und der nuancierten Betrachtungsweise der Hauptfiguren. “Das Fischkind” ist großes Kino. Der Film ist künstlerisch in seiner Umsetzung und Gestaltung, aber für ein Mainstream-Publikum durchaus zugänglich.

Die Liebe als einzige Konstante

Schauspielerisch begeistern vor allem die beiden Hauptdarstellerinnen Inés Efron und Mariela Vitale in ihren Rollen als Lala und Ailin auf ganzer Linie: Das Knistern zwischen ihnen, aber auch die Vertrautheit und Geborgenheit, ist spürbar und überträgt sich wie von selbst. Es ist ein Film, den man mehrmals ansehen sollte, um auch wirklich alle Facetten würdigen zu können. Die Liebe zwischen zwischen den beiden ist die einzige Konstante.

Nicht tiefergehend thematisiert wird die unterschiedliche soziale Herkunft der beiden. Dabei ist dies ein durchaus interessanter Aspekt: Ein verhältnismäßig reiches, gebildetes Mädchen verliebt sich in eine Angestellte ohne Bildung und finanzielle Rücklagen. Eine wirkliche Rolle spielt das jedoch nicht.

Beide Mädchen klammern sich fest an der Vorstellung einer bedingungslosen, ausschließlichen Liebe. Nur einen Menschen lieben, nur einem Menschen ganz und gar gehören. Wie es ausgeht, ob das Ende ein glückliches sein wird? Das wissen sie nicht. Ihnen bleibt nur die Hoffnung. Und natürlich das Haus am See, in dem das geheimnisvolle Fischkind lebt… Schließlich endet der Film so, wie er beginnt: Mit einer Busfahrt nach Paraguay.

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Regie & Drehbuch: Lucía Puenzo Musik: Andrés Goldstein
Mitwirkende: Inés Efron (XXY), Mariela Vitale, Carlos Bardem, Pep Munné, Arnaldo André, Sandra Guida, Diego Velázquez
Genre: Drama, Thriller, lesbisch Produktionsjahr: 2009
Land: Frankreich / Spanien / Argentinien Kinostart: 07.01.2010
Länge: 96 Minuten
Sprachfassung: spanische OF (OmU)
Bildformat: 16:9
FSK: 16
Ton: Dolby Digital Stereo 2.0
VÖ: 30.03.2010 

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