Große Geschichten 80: Das Tagebuch der Anne Frank

DVD-Info

Vierteilige BBC-Verfilmung des Schicksals der Anne Frank

Anne Frank  3D 72 dpiAmsterdam 1942: Der jüdische Gewürzhändler Otto Frank beschließt, mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern Margot und Anne unterzutauchen, nachdem Margot die Deportation ins Arbeitslager droht. Versteckt, beengt und notdürftig mit Lebensmitteln versorgt von Franks früheren Angestellten nehmen die Franks dennoch die Familie van Daan und den Zahnarzt Dussel in das Hinterhaus auf. Mehr als zwei Jahre harrt die Gemeinschaft aus, jeder Tag schriftlich festgehalten von Anne. Ungeachtet ihrer Ängste und der dramatischen Situation entfaltet sich Annes schriftstellerisches Können. Doch dann erscheint die Gestapo wegen eines Einbruchs im Warenlager…

Die 15-jährige Anne Frank hielt sich mit ihrer Familie und Freunden in Anne-Frank-Rückseiteeinem Mietshaus in der Prinsengracht vor den Nationalsozialisten versteckt, bis sie entdeckt wurde und schließlich mit ihrer Schwester im KZ Bergen-Belsen an einer Typhus-Infektion starb. Ihre im Amsterdamer Versteck verfassten Tagebücher sind bis heute ein erschütterndes Mahnmal, das die Leiden der Juden im Holocaust der Nazizeit beschreibt.

  • das wohl berühmteste Tagebuch – ein erschütterndes Zeitdokument
  • die BBC-Verfilmung mit Katharine Schlesinger, Elisabeth Bell, Emma Harbour, Emrys James, Gareth Kirkland, Daniel Moynihan, Nigel Anthony, Christopher Benjamin u.v.a.

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Berührend und bewegend

Das Tagebuch der Anne Frank

(c) Studio Hamburg

„Das Tagebuch der Anne Frank“ aus der Reihe „Große Geschichten“, erschienen bei Studio Hamburg, beinhaltet die vierteilige, gleichnamige BBC-Verfilmung mit der jungen Katharine Schlesinger („Northhanger Abbey“) in der Titelrolle.

Die Produktion ist buchnah und vor allem wegen ihrer jungen Hauptdarstellerin sehenswert: Katherine Schlesinger sieht Anne Frank nicht nur äußerlich verblüffend ähnlich, sie versteht es, sowohl Annes rebellische, als auch ihre warmherzige Seite und Intelligenz glaubhaft auf den Bildschirm zu bringen. Sie berührt und reißt mit, sodass man Anne Franks Schicksal von Anfang bis Ende gebannt verfolgt.

Insgesamt kann man allerdings den Eindruck nicht abschütteln, eher ein Theaterstück als eine Verfilmung anzusehen. Studioaufnahmen dominieren, und Musik wird eher sparsam eingesetzt. Teilweise agieren die Darsteller entweder recht hölzern (Miep Gies, Bep Voskuijl…) oder bewegen sich hart an der Grenze zum Over-Acting (Frau van Daan).

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Inhalt

Das Tagebuch der Anne Frank

(c) Studio Hamburg

„Das Tagebuch der Anne Frank“ wurde in 55 Sprachen übersetzt und zählt zu den bekanntesten Texten der Welt. Es verkaufte sich über 13 Millionen Mal weltweit. Der Stoff wurde darüber hinaus mehrfach verfilmt, für das Theater adaptiert und als Hörspiel umgesetzt.

Erstmals war diese von der BBC produzierte vierteilige Fernsehserie unter der Regie von Gareth Davies 1988 im ZDF in deutscher Synchronfassung zu sehen. Sie zeigt auf sensible Art und Weise, wie Anne Frank sich mit ihrer Familie und vier weiteren Personen zwei Jahre lang in Amsterdam vor den Nationalsozialisten versteckte, um der Ermordung zu entgehen.

Der erste Film beginnt 1942: Bereits seit 1933 lebt Otto Frank mit seiner Frau Edith und den beiden Töchtern Margot und Anne im Exil in den Niederlanden. Zu ihrem 13. Geburtstag schenkt er seiner jüngsten das ersehnte rot-weiß-karierte Poesiealbum, das sie als Tagebuch verwendet. Vater und Tochter stehen sich sehr nah, während Annes Beziehung zu ihrer strengen Mutter und der angepassten, tugendhaften Schwester teilweise schwierig ist.

Obwohl sich Anne durchaus mit Freundinnen trifft, fehlt ihr die eine beste Freundin, der sie sich bedingungslos anvertrauen kann. Diese Rolle fällt von nun an dem Tagebuch zu: Sie gestaltet ihre Einträge als Briefe an eine fiktive Person namens Kitty, der sie ihr Leben berichtet.

Als Annes Schwester Margot kurz darauf ins Arbeitslager deportiert werden soll, taucht die Familie früher unter als geplant: Zuflucht finden sie in dem Hinterhaus in der Prinsengracht 263, in dem Otto Frank als Gewürzhändler gearbeitet hat. Ihre Helfer sind seine ehemaligen Arbeitskollegen und Angestellten Johannes Kleiman, Bep Voskuijl, Victor Kugler und Miep Gies.

Schon bald nehmen sie auch noch das Ehepaar van Daan, deren Sohn Peter und eine Katze auf; später kommt der Zahnarzt Herr Dussel dazu. Hier zeigen sich bei der Umsetzung leichte Abweichungen von der Tagebuchvorlage: Die Familien freuten sich laut Anne Franks Aufzeichnungen auf den Neuankömmling und bereiteten alles für sein Eintreffen vor. Von Anfang an stand fest, dass Margot auf einem Klappbett bei den Eltern schlafen und Anne ihr Zimmer mit dem Zahnarzt teilen würde. Ihr machte das – zumindest zu diesem Zeitpunkt – nichts aus.

Im Film reagiert Anne auf die Neuigkeit aufbrausend und zeigt sich wenig begeistert von dem Gedanken. Allerdings wirkt sie dabei sehr sympathisch, denn man kann sich gut vorstellen, was dieses Eindringen im Grunde fremden Mannes in die ohnehin schon geringe Privatsphäre für das heranwachsende Mädchen bedeutet.

Zu Streitigkeiten kommt es auch zwischen den übrigen Versteckten, die nicht die Möglichkeit haben, sich aus dem Weg zu gehen.  Durch die Enge wird jede kleine Auseinandersetzung zum allgemein diskutierten Problem. Aber die vier Teile fangen auch die kleinen Momente der Freude sehr gut ein, etwa, wenn ein Kuchen zum Geburtstag gebacken werden kann oder es endlich wieder die Möglichkeit gibt, durch das Radio wenigstens etwas Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen.

Otto Frank hat vorsorglich Geld zurückgelegt, mit dem Lebensmittel und andere dringend benötigte Dinge gekauft werden können. Van Daans haben weniger bedächtig gewirtschaftet, was bedeutet, dass sie auf kleine Annehmlichkeiten verzichten müssen: Ihm fehlt das Geld für Zigaretten; sie gerät unter Druck, ihren wertvollen Pelzmantel verkaufen zu müssen. Doch dazu kommt es letztendlich nicht mehr…

Das Tagebuch der Anne Frank

(c) Studio Hamburg

Über zwei Jahre lebt die Notgemeinschaft auf engstem Raum zusammen. Anne hält alles in ihrem Tagebuch fest: Kabbeleien, Ängste, die fehlende Privatsphäre (sie muss mit Dussel permanent um den Platz am Schreibtisch kämpfen), aber auch die Langeweile und ihr eigenes Heranwachsen.

Die Angst vor Entdeckung ist ihr ständiger Begleiter: Erst wenn der Laden geschlossen ist und die übrigen Angestellten das Haus verlassen haben, können sich die Versteckten in normaler Lautstärke unterhalten und etwas freier bewegen.

Beim Lesen des Tagebuches merkt man an den allmählich komplexer werdenden Inhalten und an dem sich verfeinernden Stil, dass Anne erwachsen wird.  Innerhalb der BBC-Verfilmung wird dieser Prozess sehr überzeugend von Katherine Schlesinger dargestellt: Zunächst erlebt man eine kindliche Anne, die ihr Herz auf der Zunge trägt und oft wegen ihrer vorlauten Art ermahnt wird. Dieses Verhalten kontrastiert stark mit der drei Jahre älteren, sehr viel ruhigeren Margot, die als tugendhaftes Vorbild – sie hat tadellose Manieren, ist sehr klug und fürsorglich – eher das Wohlwollen der Mutter beziehungsweise der restlichen Gemeinschaft genießt.

Annes Erwachsenwerden wird vor allem als Änderung ihres gezeigten Verhaltens auf den Bildschirm transportiert: Obwohl sie emotional unverfälscht bleibt, wie ihre Aufzeichnungen zeigen, agiert sie nach außen hin ruhiger und hat sich mehr unter Kontrolle. Sie lernt, liest, denkt nach und reflektiert. Und sie träumt von einer Karriere als Schriftstellerin nach dem Krieg.

Doch dann wird ins Warenlager eingebrochen und die Versteckten ins Visier der Gestapo. Sie werden schließlich entdeckt, getrennt verhört und in unterschiedliche Konzentrationslager deportiert.

Der vierte und letzte Film endet mit ihrer Festnahme.  Nacheinander werden sie aus dem Haus geführt. Ein Off-Sprecher und kurze eingeblendete Texte informieren über das, was geschah, nachdem das Tagebuch endet: Anne und Margot starben im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus, ihre Mutter kam in Auschwitz um.

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Die Veröffentlichung des Tagebuchs der Anne Frank

Der einzige Überlebende der Familie ist Otto Frank. Jener nimmt die Aufzeichnungen Annes, die ihre Helferin Miep Gies für ihn verwahrt hat, nach Kriegsende an sich und gibt sie in einer gekürzten Fassung, die als Version c bezeichnet wird, heraus. Damit entsprach er dem Wunsch seiner Tochter: Sie hatte im Radio gehört, dass der niederländische Minister für Bildung, Kunst und Wissenschaft vorhatte, die Unterdrückung der Niederländer durch die Nationalsozialisten nach dem Krieg öffentlich zu dokumentieren. Daraufhin beschloss sie, ihr ursprünglich nur für ihre Augen gedachtes Tagebuch (Version a) zu überarbeiten (Version b).

Otto Frank entfernte jedoch einige Passagen, in denen sich Anne negativ und kritisch über ihre Mitmenschen oder Sexualität äußert.  Im Oktober 2013 sind sämtliche Texte von Anne Frank in einem überaus empfehlenswerten Band, darunter auch bislang unveröffentlichte Materialien, im S. Fischer Verlag erschienen. Darin finden sich unter anderem die verschiedenen Fassungen des Tagebuchs, sowohl in den beiden eigenhändigen Versionen von Anne Frank selbst, als auch in der edierten Fassung ihres Vaters.

Aller kleinen Kritikpunkte zum Trotz ist diese BBC-Verfilmung bewegend und berührend. Anschließend hatte ich das Bedürfnis, noch einmal das Tagebuch selbst zu lesen und vertiefte mich in die von Mirjam Pressler herausgegebene Gesamtausgabe…

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Bild- und Tonqualität

Das Tagebuch der Anne Frank

(c) Studio Hamburg

Die Gesamtlaufzeit der vier Teile beträgt rund 120 Minuten. Das Bild liegt im Format 4:3 vor und ist so, wie man es von einer TV-Produktion Ende der 1980er Jahre erwartet: ansprechend, aber natürlich nicht mit heutigen Verfilmungen zu vergleichen, was Kontrast und Schärfe angeht. Man merkt der Produktion das Alter zwar an, aber angesichts der Tatsache, dass „Das Tagebuch der Anne Frank“ in den 1940er Jahren spielt, tut das der Atmosphäre sogar gut.

Das DVD-Menü ist mit animierten Filmszenen und Hintergrundmusik gestaltet. Die vier Teile müssen einzeln angesteuert werden. Eine Möglichkeit, sie automatisch hintereinander abzuspielen, gibt es nicht.

Beim Ton hat man die Wahl zwischen dem deutschen oder dem englischen Originalton. Beide Versionen liegen im Format Dolby digital 2.0 Mono vor. Leider fehlen entsprechende Untertitel für Hörgeschädigte.

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Präsentation

Anne Frank 2D 72 dpiDie mit einem Szenenfoto bedruckte  DVD steckt in einem schön gestalteten DigiPak, in das ein 11-seitiges Booklet integriert ist. Dort findet man Informationen zu Darstellern und Stab, aber auch eine kurze Biographie Anne Franks und ein Text von Sven Schumacher zur “Judenverfolgung in den Niederlanden”, die auf Platz fünf der wichtigsten Zufluchtsländer rangierten.

Die Schwarz-Weiß-Fotos sind überaus gelungen und betonen die große Ähnlichkeit zwischen Katherine Schlesinger und Anne Frank. Möglicherweise ein bewusst eingesetztes Stilmittel, um eine Verbindung zwischen den bekannten Fotografien der realen Person und der Schauspielerin, die sie hier verkörpert, herzustellen. Das ist hervorragend gelungen!

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DVD-Info

1 DVD, Genre: TV-Film/ Drama, Produktionsjahr: 1987, Laufzeit: ca. 120 Min., Bildformat: 4:3, Tonformat: DD 2.0 Mono, Sprache: Deutsch / Englisch, FSK: ab 12 Jahren, EAN: 4052912360334

VÖ: 26.04.2013

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Trailer

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