Tony Barlow: “Baba Jaga”

Herrlich-schräger Genremix aus Urban-Fantasy und Agentenroman

Baba Jaga„Baba Jaga“ von Toby Barlow ist ein bizarrer Genremix mit vielen verrückten Einfällen. Russische Folklore, Elemente aus Spionage-, Agenten- und Fantasyromanen, dazu ein wenig Geschichte – all das findet man hier in einem rasanten, überbordenden Plot. Bis etwa zur Hälfte kommt Langweile wirklich auf keiner Seite auf. Danach ist ein bisschen Durchhalten gefragt.

Wir befinden uns im Kalten Krieg, genauer gesagt, in den 1950er Jahren in Paris: Inzwischen hat sich die Baba Jaga Zoja, eine russische Hexe, in Frankreich niedergelassen. Sie ist wunderschön, altert seit Jahrhunderten keinen Tag – und ihre Anziehungskraft auf Männer weiß sie vortrefflich einzusetzen! Als ihr letzter spendierfreudiger Liebhaber allerdings merkt, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht, bringt sie auf doch etwas zu kreative Weise um. Das ruft den cleveren französischen Inspektor Charles Vidot auf den Plan. Bei der Untersuchung des Mordfalls allerdings macht er einen Fehler und wird von Zoyas Mentorin Elga, einer alten Baba Jaga, in einen Floh verwandelt… Sie ist verärgert, dass Zoja die Aufmerksamkeit der Polizei auf sie gezogen hat und würde sie eigentlich sowieso gern loswerden.

Auch Zojas Begegnung mit einem jungen Amerikaner namens Will Van Wyck macht ihr Leben nicht unkomplizierter: Dieser ist nur vordergründig in der Werbung beschäftigt. In Wirklichkeit arbeitet er als Undercover-Agent für die CIA. Liebe kann Zoja allerdings so gar nicht gebrauchen…

Die skizzierten Charaktere sind allesamt höchst ungewöhnlich; der wilde, zuweilen wirre Plot blutrünstig, schnell und unerwartet: mordende Hexen, ein Insekten-Inspektor (für mich das Highlight und die interessanteste Figur überhaupt), Nazis, CIA-Agenten… Für die Hexen verstreicht die Zeit quälend langsam. Für Floh Vidot allerdings rast die Zeit nur so vorbei. Speziesbedingt ist seine Lebensspanne verflixt kurz. Wird er es schaffen, den Fall zu lösen, seinen Körper wiederzubekommen und zu seiner Frau zurückzukehren?

Die Lektüre bewegt sich abseits des Mainstreams. Tony Barlow gelingt es, mehrere Geschichten parallel zu entwickeln, miteinander zu verknüpfen und zusammenzubringen. Mitunter fehlt der rote Faden und ein bisschen Straffung hier und da hätte dem Buch vermutlich gerade zum Ende hin gut getan. Trotzdem, lesenswert und ungewöhnlich ist „Baba Jaga“ allemal – vorausgesetzt, man lässt sich auf die Prämisse ein.

Toby Barlow ist Creative Director einer Werbeagentur in Detroit. Er schreibt für das Literaturmagazin n+1 und für die Huffington Post. Sein mehrfach ausgezeichneter Debütroman “Sharp Teeth” (Deutsch: “Scharfe Zähne”) erschien 2008 in den USA. “Baba Java” ist sein zweiter Roman. Toby Barlow lebt in Detroit und New York.

_________________
ISBN:978-3-455-60000-1
Verlagsbereich: Belletristik
Einband: Schutzumschlag
Seiten: 544
Erscheinungsdatum: 11.03.2014
Übersetzung: Giovanni und Ditte Bandini
Verlag
Amazon

*
*

Advertisements


Categories: Belletristik, Literatur

Tags: , , , , ,

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: