“Riparo – Zuhause” (DVD Kritik)

Ärgerliches Beziehungsdrama mit offenem Ende

 

DVD-Info:

Als sie aus ihrem Nordafrika-Urlaub zurückkehren, machen Anna und ihre Partnerin Mara eine überraschende Entdeckung: ohne es zu wissen, haben sie Anis, einen marokkanischen Teenager, im Kofferraum nach Italien mitgenommen. Die hilfsbereite Anna nimmt Anis auf und verhilft ihm zu einem Job in ihrer Fabrik, in der auch Mara arbeitet. Es entsteht ein prekäres Dreiecksverhältnis: ein von seiner Umwelt nicht akzeptiertes lesbisches Paar und ein illegaler Einwanderer, eine Chefin und ihre beiden Angestellten, denen sie ein Zuhause gewährt. Gemeinsam versuchen Sie sich Halt zu geben, doch mehr und mehr zerbricht das fragile Gefüge. Denn Anis ist kein Kind mehr – sein Flirt mit Mara bringt das Gleichgewicht in der Beziehung der beiden Frauen ins Wanken.

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Trailer

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Rezension

RiparoZuhause-Cover-174965Auf dem Rückweg aus dem Afrikaurlaub nach Italien haben Anna und Mara außer gemeinsamen Erinnerungen und Urlaubsfotos auch noch einen blinden Passagier an Bord: Der marokkanischer Teenager Anis versteckt sich in ihrem Kofferraum und passiert unbemerkt von den Behörden die Grenze. Anna weiß Bescheid, hat ihrer Partnerin davon allerdings nichts erzählt. Aus Hilfsbereitschaft nimmt sie den illegalen Einwanderer auf eigene Faust und ohne Rücksprache mit Mara in ihrem gemeinsamen Haus auf. Sie verhilft ihm sogar zu einem Job in der Schuhfabrik ihrer Eltern, wo sie in leitender Funktion tätig ist, obwohl das Familienunternehmen um seine Existenz kämpft.

Mara arbeitet dort in der Produktion. Offiziell vorgestellt als Lebenspartnerin hat Anna sie bei ihren Eltern jedoch nicht. Das holt sie später im Rahmen einer Familienfeier nach.

Die Beziehung der beiden Frauen wird zusehends auf den Prüfstand gestellt. Innere und äußere Konflikte nehmen zu: Zum einen prägen Kommunikationsprobleme den Alltag der beiden Frauen. Zum anderen fehlt die Gleichberechtigung bei Entscheidungen, die sie gemeinsam betreffen. Anna ist daran gewöhnt, Entscheidungen zu treffen. Vermutlich merkt sie nicht einmal, dass sie Mara vor den Kopf stößt, wenn sie sie daran nicht einmal teilhaben lässt. Die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Schichten macht es auch nicht leichter.

Im Rahmen der Familienfeier wird zudem deutlich, dass das Paar von Annas Mutter nicht akzeptiert wird. Der Druck, ein heteronormatives Leben mit Mann und Kindern zu führen, wächst. Unbeabsichtigt trägt Annas mütterliche Fürsorglichkeit gegenüber Anis dazu bei, die Schwierigkeiten zu verschlimmern. So verlieren sich Anna und Mara immer mehr.

Anis wiederum findet Gefallen an Mara, macht ihr Geschenke, sucht ihre Nähe.

Nach und nach entsteht so ein prekäres Dreiecksverhältnis: Anis baut zu beiden Frauen eine – allerdings ganz unterschiedliche – Beziehung auf und gerät schließlich zwischen sie. Statt sich gegenseitig Halt und ein Zuhause zu geben, zerfällt das ohnehin fragile Gefüge immer mehr…

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Überfrachtet und humorfrei

Insgesamt wirkt „Riparo“ thematisch überfrachtet: Weibliche Homosexualität, gesellschaftlicher Druck, das Problem der illegalen Einwanderung, Pflegenotstand und Sterben, Diebstahl, Outsourcing, interkulturelle Differenzen… Vieles wird OLYMPUS DIGITAL CAMERAin diesem Beziehungsdrama angeschnitten, weniges wirklich durchleuchtet oder gar zu Ende erzählt. Was vollkommen fehlt, ist eine humorvolle Note.

Unklar bleibt, warum Anna (Maria de Medeiros, bekannt aus „Pulp Fiction“) und Mara (Antonia Liskova) bei ihrer Rückkehr aus Nordafrika nicht von italienischen Beamtinnen und Beamten kontrolliert werden, sondern von nordafrikanischen. Anis (Mounir Ouadi) spricht zwar gebrochen und fehlerhaft Italienisch, aber sein passives Verständnis der Sprache ist von Anfang an viel zu gut. Es ist unwahrscheinlich, dass er so viel versteht. Auch beim gemeinsamen Spaghetti-Essen nimmt man ihm den frisch aus einem anderen Kulturkreis Eingewanderten nicht ab: Wie ein Profi dreht er die Pasta auf den Löffel. Das lenkt ab und wirkt unglaubwürdig.

Schauspielerisch bewegt sich Mounir Ouadi gerade noch im unteren Mittelfeld: Platt und aufgesetzt konfrontiert Anis die beiden Frauen immer wieder mit seinen eigenen Wertvorstellungen. Angefangen von der Frage, ob sie Schwestern seien über den Hinweis, dass sie Ehemänner und Kinder haben sollten bis hin zu direkter Flirterei verwandelt sich der anfangs durchaus interessant wirkende Charakter zusehends zu einem Ärgernis.

Spätestens, als er dann zwischen die Frauen gerät und das eigentliche Ende vollkommen offen bleibt, ist die Enttäuschung komplett.

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Bild & Ton

„Riparo“ gefällt mit seiner expressiven Bildersprache. Die Bildqualität allerdings vermag in weiten Teilen nicht zu überzeugen. Man merkt dem unscharfen, körnigen und wenig kontrastreichen Bild das geringe Budget dieser Produktion deutlich an. Vorherrschend sind eher dunkle, unangenehme Farben.

Enthalten ist die italienische Tonspur in Dolby Digital 2.0 inklusive deutscher Untertitel.

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Daten & Fakten

Originaltitel: Riparo
Genre: Drama
Produktionsland: Frankreich, Italien
Produktionsjahr: 2007
Länge: 100 (Min.)
Verleih: Salzgeber
FSK: 16
Tags: Lesbisch, Urlaub, Dreiecksbeziehung, Migrant, Kofferraum, Nordafrika

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Cast & Crew

Regie: Marco S. Puccioni
Drehbuch: Heidrun Schleef, Marco S. Puccioni, Monica Rametta
Kamera: Tarek Ben Abdallah
Schnitt: Roberto Missiroli
Musik: Dario Arcidiacono, Christiano Fracaro
Hauptdarsteller/innen: Maria de Medeiros, Gisella Burinato, Antonia Liskova, Mounir Ouadi, Vitaliano Trevisan

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Salzgeber

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Categories: DVD-Serien, DVDs - Filme und Serien, GLBT

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